„Enorme Intensität“ – Derbytime! Vorschau auf Greuther Fürth

Wie kann der 1. FC Nürnberg die Pressing-Maschinerie von Zornigers Fürthern stoppen? Der CLUBFOKUS gibt Antworten bezüglich Taktik, Aufstellungen sowie Stärken und Schwächen des Gegners. Eine ausführliche Vorschau auf das 272. Frankenderby: SpVgg Greuther gegen 1. FC Nürnberg am 23. Spieltag der 2. Bundesliga.

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Foto: Granada, 20190714 OEFBL friendly SK Rapid Wien - 1.FC Nürnberg Enrico Valentini 850 1292, CC BY-SA 4.0

Drei Spiele ohne Niederlage oder vier Spiele ohne Sieg?

Blickt man positiv auf die letzten Spiele zurück, kann man behaupten, dass der 1. FC Nürnberg seit 3 Partien ungeschlagen ist. Gleichzeitig wartet man allerdings seit 4 Spielen auf einen Sieg. Tatsächlich waren die letzten Auftritte der Fiél-Elf eher enttäuschend. Vor allem, da die Partien gegen Hannover, Osnabrück und Kaiserslautern verschiedene Probleme offenbarten. Gegen sehr hoch pressende 96er fand man keine Lösungen, sich aus dem Druck zu befreien. Gegen das Tabellenschlusslicht aus Osnabrück verfiel man im 2. Durchgang in eine komplette Passivität. Und zu guter Letzt das Spiel vom vergangenen Wochenende – beim Funkel-Debüt zeigte man sich über weite Phasen ideenlos im eigenen Ballbesitz und gleichzeitig anfällig für gegnerische Umschaltaktionen. Gut, dass das Derby ansteht. Denn mit einem Sieg kann man all dies vergessen machen. Nicht zurückgreifen können wird Christian Fiél hierfür auf Schindler, Lawrence, Hayashi, Lohkemper, Gyamerah und Hübner. Was dem Club durch den Gyamerah-Ausfall im Derby fehlen könnte, erfahrt ihr hier!

Drei Niederlagen in Folge!

Nach dem punktetechnisch schwachen Saisonstart konnte sich die Zorniger-Elf mit 9 Partien ohne Niederlage zwischenzeitlich auf den 2. Tabellenplatz vorschieben. Zuletzt gab es aber gegen St. Pauli, Hertha und Hannover 3 Niederlagen in Folge. Die Leistungen hätten durchaus mehr verdient gehabt. Vor allem in den letzten beiden Partien war man lange Zeit das überlegene und aktivere Team und verlor beide Spiele durch gegnerische Standardsituationen. Dennoch rangiert Fürth mit Platz 5 nach wie vor in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen. Lediglich 3 Punkte liegt man hinter dem HSV auf dem Relegationsplatz zurück.


„Sie bringen eine enorme Intensität ins Spiel und das sollten wir wissen.“

Cristian Fiél
auf der Spieltagspressekonferenz über den kommenden Gegner


Zornigers Fürth: intensiv, aggressiv und Tempo

Das Fürther Spiel ist geprägt von einer hohen Intensität. Nicht zufällig steht das Kleeblatt in puncto Laufdistanz und Intensive Läufe jeweils in den Top-5 der 2. Fußball-Bundesliga. Auch wenn man im Laufe der Saison bezüglich der Pressinghöhe flexibler wurde, läuft man den Gegner in der Regel früh an und verzeichnet viele Balleroberungen im Mittelfeld- und Angriffsdrittel. Während man gegen den Ball mit 3 Verteidigern in der letzten Linie agiert, ändert sich dies im Spiel mit Ball. In den letzten Wochen war es regelmäßig Maximlian Dietz, der sich als linker Innenverteidiger im Spielaufbau eine Reihe weiter nach vorne schob. Damit nimmt er den Platz neben Robert Wagner ein, während er etatmäßige zweite zentrale Mittelfeldspieler Julian Green nach links in den Halbraum abkippt. Halbrechts hingegen ist häufig Branimir Hrgota derjenige, der den rechten Schienenspieler Simon Asta unterstützt. Im letzten Drittel ist das Spiel aber sehr flexibel ausgelegt und so rochieren auch die beiden Stürmer Sieb und Lemperle häufig ihre Positionen.

Pressing und Gegenpressing

Dass die Fürther Stärken im „kontrollierten Chaos“ liegen, zeigen auch die Statistiken. Bereits 8 Treffer konnte man nach einem gegnerischen Ballverlust erzielen – Ligabestwert. Das liegt zum einen daran, dass man durch das sehr aggressive Vorwärtsverteidigen viele Bälle schon frühzeitig erobert. Zum anderen daran, dass die Fürther über ein sehr gutes Spiel in die Tiefe verfügen. Kein Zweitligist bringt mehr seiner Pässe hinter die gegnerische Abwehrkette zum Mitspieler. Das relativ vertikale Spiel nach vorne sorgt natürlich auch für den ein oder anderen Ballverlust. Dank enger Abstände und einer hohen Aktivität im Gegenpressing können die Gegner aber nur selten Kapital daraus schlagen. Ein Indiz aus Daten-Sicht ist hierfür auch, dass die Mannschaft von Alexander Zorniger mit 2 Kontergegentoren so wenige kassierte wie kein anderes Team in der Liga.

Hier bietet Fürth etwas an

Ja, das Pressing und Gegenpressing ist eine große Stärke der Fürther und sucht in dieser Qualität in der 2. Bundesliga seines Gleichen. Gleichzeitig bietet es dem Gegner allerdings eine Chance, die sich daraus ergebenden Räume zu nutzen. Denn durch die hochstehende Kette des Kleeblatts können bei Auflösung von Drucksituationen oder schnellem Umschalten bei Ballgewinn vielversprechende Schnellangriffe entstehen. Dies lässt sich auch statistisch belegen. Nur der FCK und der SC Paderborn ließen bisher mehr Pässe hinter die eigne Abwehrkette zu. Insbesondere bei schnellen Spielverlagerungen könnte der Club somit in 1-gegen-1-Situationen kommen, was zu den großen Stärken der Fiél Truppe zählt. Solcher Momente vorausgehend ist jedoch eine kompakte Defensive, die beim Club zuletzt nicht immer zu sehen war, und die wiederum der SpVgg Greuther Fürth zuletzt große Probleme bereitete.


Im Ballbesitz, in dem wir versuchen unsere Chancen zu kreieren, müssen wir gut positioniert sein, um bei Ballverlust nicht zu viele Räume herzugeben.“

Cristian Fiél
weist auf die Umschaltstärke der Fürther hin


Unterschiedsspieler: Kapitän Branimir Hrgota

Der wichtigste und stärkste Fürther ist zweifelsohne deren Spielführer Branimir Hrgota. Hrgota ist der Fixpunkt im letzten Drittel. Der Schwede kann sowohl durch Pässe in die Tiefe, durch 1-gegen-1-Situationen, durch Standards und durch seine Schusstechnik für Gefahr sorgen. Er genießt in der Offensive viele Freiheiten und bewegt sich sehr frei im Angriff, wodurch er für den Gegner schwer zu greifen ist und im Kollektiv verteidigt werden muss. Auch im Spiel gegen den Ball initiiert Hrgota viele Pressingaktionen und führt viele Zweikämpfe im gegnerischen Ballbesitz. Mutmacher für den FCN: seine Bilanz gegen den Club. Denn in 9 seiner 10 Spiele gegen Nürnberg blieb Hrgota ohne eigene Torbeteiligung.

So kann der Club dem Rivalen wehtun

Sowohl Hertha BSC Berlin als auch Hannover 96 hatten gegen Greuther Fürth deutlich weniger Ballbesitz als üblich. Auf der anderen Seite hatte Fürth in den beiden Partien so oft den Ball wie seit Oktober nicht mehr. Die Endergebnisse der Partien sind bekannt. Grundlage war für Hertha und Hannover eine gute Organisation gegen den Ball, wodurch sich Fürth schwertat, aus dem Spiel heraus Chancen zu kreieren. Der Club sollte in der Spielvorbereitung aber vor allem auf die eigenen Offensivstandards einen genauen Blick werfen: die letzten 4 Fürther Gegentore resultierten nämlich aus solchen. Gegen Hertha waren es 2 Ecken, gegen Hannover 1 Eckball und 1 Einwurf. Obwohl der Club bisher mit Standardtoren geizte: seit Sebastian Andersson strahlt der FCN eine größere Gefahr nach ruhenden Bällen aus. Dies gilt es, ähnlich wie in Wiesbaden durch Marquez, in Zählbares umzumünzen.

Marquez dürfte nach Gelbsperre in die Innenverteidigung neben Horn zurückkehren. Für den erkrankten Gyamerah könnte Kapitän Enrico Valentini als Emotional-Leader die Rechtsverteidigerposition einnehmen. Der zuletzt formverbesserte Wekesser könnte auch dank seiner Standards den Platz in der Start-11 behalten. Für den formschwachen Okunuki könnte Goller wieder in die Mannschaft zurückkehren. Mit Hungbo, Okunuki und Hofmann hätte Fiél somit drei dynamische Flügelspieler von der Bank zu bieten.

272. Frankenderby: mehr als drei Punkte

Am Sonntag steht das 272. Frankenderby an. Die Partie ist übrigens das am häufigsten ausgetragene Fußballderby Deutschlands. Über die Bedeutung für beide Vereine muss nicht lange diskutiert werden. Zwar gibt es auch für dieses Spiel nur drei Punkte. Jedoch nimmt es insbesondere auf die Stimmungslage einen großen Einfluss. Bleibt der 1. FC Nürnberg fünf Spiele ohne Sieg oder rückte er auf zwei Punkte an den Rivalen heran? Fakt ist, dass es eine deutliche Leistungssteigerung der Fiél Elf im Vergleich zu den Vorwochen braucht. Schließlich zählen die Fürther zu den heimstärksten Teams der 2. Bundesliga. Um den 2.500 mitreisenden Club-Fans einen schönen Sonntag zu bescheren, braucht es von vorne bis hinten, von Defensive bis Offensive, von Minute 1 bis 90, eine rundum geschlossene Mannschaftsleistung. Da dies in den vergangenen Monaten eher selten zu sehen, wäre das Derby nun der perfekte Zeitung dafür, um das Stimmungspendel wieder in die richtige Richtung ausschlagen zu lassen.

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