Nürnberger Debüt
Am vierten Rückrundenspieltag gastierte der 1. FC Nürnberg beim SC Paderborn – und wollte nach der unglücklichen Niederlage in Darmstadt sowie dem unnötigen Remis gegen Münster zurück in die Erfolgsspur. Für den gelbgesperrten Kapitän Fabio Gruber durfte Neuzugang Styopa Mkrtchyan erstmals für den FCN auflaufen und übernahm fußverkehrt die Position des halbrechten Innenverteidigers. Ansonsten verzichtete Miroslav Klose im Vergleich zur Vorwoche auf Wechsel.
Ausgeglichener Beginn
Beim Club war Torwart Jan Reichert stark in den Spielaufbau eingebunden. Zudem kippten die beiden Achter Finn Ole Becker und Rafael Lubach auffällig weit nach außen. Der Spielbeginn war aus FCN-Sicht ordentlich, sodass man zunächst auch mehr Spielanteile für sich verbuchen konnte. „Die ersten Minuten gehen an Nürnberg“, gestand später auch SCP-Trainer Ralf Kettemann.
Wenig Zugriff
Nach und nach änderten sich jedoch die Kräfteverhältnisse – und die Franken verloren zunehmend den Zugriff. Man versuchte, hoch zu pressen und formierte sich dafür im 4-1-4-1, was mit einer Mischform aus Raum- und Mannorientierungen interpretierte. Die Zuordnungen passten dabei jedoch nicht immer, sodass sich Gegenspieler mehrfach im Rücken lösen konnten.
Noch schwieriger war es, über die Flügel Zugriff zu bekommen. Der SCP besetzte die Außenbahnen konsequent doppelt. Die Klose-Elf schaffte es weder, auf der Ballseite frühzeitig hinzuschieben, um Verlagerungen zu verhindern, noch verteidigte man die ballferne Seite sauber. Oftmals verlagerte Paderborn von rechts nach links, wo Raphael Obermair gegen die rechte Nürnberger Defensivseite rund um Tim Janisch kaum zu stoppen war.
Unnötig
Der erste Gegentreffer war dennoch maximal unnötig – und resultierte nach einem Foulspiel von Mkrtchyan aus einem Elfmeter. Der Treffer in der 26. Minute zeigte Wirkung beim FCN, der sich davon vor der Pause nicht mehr erholen konnte. Beim 2:0 in der 29. Minute stimmte in der Nürnberger Defensive entsprechend wenig.

Schwache Leistung
In den Folgeminuten fand Nürnberg kaum noch statt. Im eigenen Ballbesitz hatte man große Schwierigkeiten, das Paderborner Pressing zu überspielen. Immer wieder lenkte der SCP den Spielaufbau von innen nach außen, woraufhin der Club viele Bälle verlor. Nach vorne kam man entsprechend selten, hätte aber dennoch durch Adam Markhiyev noch vor der Pause verkürzen können, vergab jedoch freistehend.
Unter dem Strich stand zur Halbzeit ein verdienter 0:2-Rückstand. Nach zuvor drei starken ersten Halbzeiten war es diesmal ein enttäuschender Auftritt bis hierhin.
Überraschende Umstellung
Zur Pause reagierte Klose überraschend. Die Umstellung auf eine Dreierkette war nachvollziehbar, nachdem man vor der Pause große Probleme hatte, die Breite im Paderborner Spiel zu verteidigen. Dass Markhiyev in die Innenverteidigung und Mohamed Ali Zoma auf die rechte Schienenspielerposition rückte, war in dieser Form allerdings nicht zu erwarten. Für Janisch kam mit Adriano Grimaldi ein großgewachsener Stürmer, der gemeinsam mit Piet Scobel für mehr Präsenz sorgen sollte. Grimaldi wich dabei oft auf die linke Seite aus, um lange Bälle zu sichern – allerdings nur mit überschaubarem Erfolg.

Unterzahl
Das Nürnberger 3-4-1-2 war jedoch schnell wieder Geschichte. Nach einem Ballverlust von Lubach sah dieser für das anschließende Foulspiel in der 51. Minute die rote Karte. Danach schien es zunächst, als würde Paderborn auf das 3:0 drängen. Nach und nach agierte der Aufstiegskandidat jedoch passiver, was den Club im Spiel hielt. Zwar deutete sich der Anschluss nicht zwingend an, doch in der 75. Minute nahm Luka Lochoshvili nach einem Einwurf von Berkay Yilmaz den Ball stark an und vollendete ebenso sehenswert zum Anschlusstreffer.
Verdiente Niederlage
Es entwickelte sich eine spannende Schlussphase. Der FCN kam nun zu einigen guten Abschlüssen, gleichzeitig wurde auch der SCP wieder aktiver. Viel Hin und Her war die Folge. In dieser Phase konnte man dem Club, der nun vermehrt mit langen Bällen agierte, wenig vorwerfen. Der Ausgleich fiel jedoch nicht mehr, sodass unter dem Strich eine verdiente Niederlage steht. Sowohl mit als auch gegen den Ball gab es zu viele Phasen, in denen wenig funktionierte.
Rückschritt
In Paderborn zu verlieren, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Dennoch war das Spiel – und vor allem die Phase nach dem Rückstand bis zur Schlussphase – leistungstechnisch ein Rückschritt, nachdem sich der FCN in den vorherigen Wochen oft gut präsentierte. Durch die Niederlage rutscht der Club mit sieben Punkten aus zehn Spielen in der Auswärtstabelle auf den letzten Platz ab. Der Druck vor dem kommenden Heimspiel gegen den Karlsruher SC steigt somit, wenngleich man zu Hause seit sechs Spielen ungeschlagen ist.



