Warum der FCN in Berlin keinen Zugriff fand

Zu große Abstände, Probleme auf der rechten Seite – und wenig Mut mit Ball.

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Rechtzeitig zurück

Stellt der 1. FC Nürnberg sein System um? Feiert ein Talent sein Startelfdebüt in der 2. Bundesliga – oder rückt Berkay Yilmaz auf die Achterposition? Es wäre spannend gewesen, wie der FCN Rabby Nzingoula bei der Hertha in Berlin ersetzt hätte. Der Franzose wurde jedoch rechtzeitig fit, sodass der Club im Vergleich zur Vorwoche lediglich den gelbgesperrten Adam Markhiyev ersetzen musste. Dessen Position übernahm Finn Ole Becker, ansonsten verzichtete man auf Änderungen im Vergleich zur Vorwoche in Bochum.

Ohne Zugriff

Dass die Mannschaft von Miroslav Klose bei einer Hertha gastierte, die zuletzt viele Punkte liegen ließ und massiv in die Kritik geriet, war nicht zu sehen. Die Berliner machten von Beginn an den aktiveren Eindruck, während der FCN viel hinterherlief. Daran änderte auch nichts, dass man schon nach wenigen Minuten vom engen 4-3-3 auf ein breiter angelegtes 4-1-4-1 mit einem rausrückenden Achter gegen den Ball umstellte. Dass die Hertha zur Halbzeit unter anderem bei der Passquote (88 %) und den durchschnittlich gespielten Pässen pro Ballbesitzphase (5,6) einen eigenen Saisonbestwert aufstellte, war die Folge.

Vor allem auf der rechten Seite hatte man große Schwierigkeiten, Zugriff auf den Gegner zu bekommen. Die Berliner Innenverteidigung wurde nur selten gestört und konnte immer wieder in Ruhe den Ball nach links spielen. Dort schlich sich entweder Linksverteidiger Niklas Kolbe im Rücken Julian Justvans weg oder zog diesen aus seiner Position heraus, sodass Josip Brekalo den Ball ungestört bekam und immer wieder auf den überfordert wirkenden Justin von der Hitz zudribbeln konnte. Dadurch kam man relativ oft in Überzahlsituationen vor oder hinter die letzte Linie des Clubs.

Zu oft – und zu einfach kam Hertha lange Zeit in den Rücken Justvans und von dort aus hinter von der Hitz.

Chancen gab es dennoch nicht viele. Das Berliner Führungstor war entsprechend auch nicht großartig herausgespielt, sondern resultierte aus einem langen Nürnberger Ball. Auf den zweiten Ball reagierte man nicht gut, Fabio Gruber konnte den Ball nicht klären, hinten war man nicht rechtzeitig zurück und am Ende konnte Luka Lochoshvili den Schuss Brekalos ins lange Eck nicht blocken.

Kaum existent

Doch nicht nur gegen den Ball hatte der FCN einige Defizite in puncto Timing, Zuordnung und Aktivität. In den ersten 45 Minuten verzeichnete der Club darüber hinaus kaum Offensivmomente, abgesehen von einigen wenigen Durchbrüchen über die linke Seite. Im Spielaufbau, wie beispielsweise beim eigenen Torabstoß, setzte man auf eine Art 4-2-2-2 mit Tom Baack und Julian Justvan in den Halbpositionen, eng hinter Mohamed Ali Zoma und Adriano Grimaldi. Die Offensivspieler schaffte man aber kaum in Szene zu setzen, Bälle konnten vorne nicht behauptet werden, es gab nur wenig Spielfluss – und die Tiefe konnte man so gut wie gar nicht bespielen. Es schien, als würde man die eigenen Prinzipien in dieser Phase nicht abrufen können.

So stand auf Seiten des Clubs eine Passquote von 79 %, was in der ersten Halbzeit zuletzt am 10. Spieltag in Kaiserslautern unterboten wurde. Sobald man nach vorne spielte, wurde es sehr unsauber und unpräzise. 65 % angekommene Vertikalpässe bedeuteten sogar den schwächsten Saisonwert. Dass man dennoch mit dem 1:1 in die Halbzeit kam, lag daran, dass der einzige FCN-Abschluss in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Weg ins Tor fand. Hervorgegangen war eine der wenigen ruhigen Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte, eine Verlagerung auf von der Hitz, dessen Flanke Baack einköpfte, nachdem Grimaldi seinen Gegenspieler auf den kurzen Pfosten zog.

Stabiler

Zur Halbzeit reagierte Klose und wechselte Tim Janisch für von der Hitz ein. Dieser erlebte trotz seiner Torvorlage sehr schwierige 45 Minuten, brachte lediglich 30 % seiner Pässe beim Mitspieler an und bekam seine Seite gegen den Ball nie dicht. Das lag sicher auch an ihm – und daran, dass er über die gesamte Zeit kein Timing fand, wann er auf Brekalo herausstechen sollte und wann nicht. Aber auch nicht nur daran, da er sowohl von vorne als auch von der Seite wenig Unterstützung bekam – und nun mal kein Rechtsverteidiger ist.

Dennoch wurde das Nürnberger Spiel gegen den Ball danach stabiler. Die Hertha hatte nun deutlich mehr Schwierigkeiten, sich zwischen die Linien zu spielen und mit Tempo auf die FCN-Defensive zuzulaufen. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren geringer, die Anlaufwinkel waren nun andere und auch die Aktivität der elf Spieler erhöhte sich.

Ausgeglichen

Gleichzeitig agierte der Club auch mit Ball nun besser. Man war mutiger, dribbelte öfter an, konnte sich vermehrt aus dem gegnerischen Pressing befreien und war gleichzeitig deutlich besser bei zweiten Bällen. Chancen blieben dennoch lange Zeit auf beiden Seiten Mangelware, sodass nach der Pause ein relativ ausgeglichenes, aber von wenigen Highlights geprägtes Spiel zu sehen war.

Im späteren Verlauf stellte Klose dann auf ein 4-2-3-1 um, indem er Mickael Biron für Nzingoula brachte – der 28-Jährige konnte angesichts seiner lediglich drei Ballkontakte jedoch keinerlei Offensivimpulse setzen. Auch Standards, wie beispielsweise die sechs Eckbälle, verpufften ohne Torgefahr. Die größte Chance vergab Zoma in der Schlussphase nach einer Hereingabe Scobels.

Unnötig

Dass man das Spiel am Ende verlor, wäre gegen eine relativ biedere Hertha nicht nötig gewesen. Den Doppelpack Brekalos verteidigte man jedoch abermals sehr schlecht. Biron, Becker, Janisch und Baack schafften es nicht, den Abschluss ins lange Eck zu verhindern. So fuhr man am Ende ohne Punkte nach Hause. Während man vor der Pause eine sehr enttäuschende Partie ablieferte, der Matchplan nicht gut ausgeführt wurde und auch viele Spieler individuell auf ihren Positionen keinen guten Tag erwischten, konnte man das Spiel nach der Halbzeit ausgeglichen gestalten. Viele gefährliche Abschlusssituationen hatte die Hertha in 90 Minuten nicht, setzte sich am Ende jedoch aufgrund der individuellen Qualität Brekalos nicht unverdient durch.