Eckball zur frühen Führung
Durchwachsene Wochen hatte der 1. FC Nürnberg vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hinter sich. In der Vorwoche gegen Kiel konnte man immerhin drei essenziell wichtige Punkte einfahren – und hatte vor allem in Umschaltsituationen einige gute Aktionen auf der Habenseite. Dass der FCN beim darauffolgenden Heimspiel eine solche Performance abliefern würde, bahnte sich dennoch nicht wirklich an. Gegen den FCK brachte Miroslav Klose Fabio Gruber und Piet Scobel anstelle von Tarek Buchmann und Rafael Lubach von Beginn an.
Es dauerte keine zwei Minuten, ehe die Fans im heimischen Max-Morlock-Stadion das erste Mal jubeln durften. Vorausgegangen war ausgerechnet ein Eckball – bislang alles andere als eine Stärke der Franken. Mit sechs Spielern besetzte man den gegnerischen Fünfmeterraum, die Hereingabe von Julian Justvan konnte Luka Lochoshvili zum 1:0 einköpfen. Insgesamt 11 Ecken erarbeitete man sich am Samstag – so viele wie noch nie in dieser Spielzeit. Es sollte das erste Werkzeug eines gut gefüllten Koffers sein.
Pressing
Gegen den Ball agierte der Club deutlich verändert als noch im Hinspiel. Nürnbergs Trainer lobte nach dem Spiel vor allem die außergewöhnliche Energie, die seine Mannschaft an den Tag legte. Diesmal attackierte und presste man die Pfälzer sehr hoch und mutig und lief am Ende sogar fast fünf Kilometer mehr. Bereits nach Abstößen Kaiserslauterns hatten diese große Schwierigkeiten. Der FCN setzte in der Defensive auf ein 2-gegen-1 mit den beiden Innenverteidigern gegen Kaiserslauterns Sturmspitze Mergim Berisha. Den gegnerischen Spielaufbau wollte man nach außen lenken, um von dort aus den unkontrollierten langen Ball zu erzwingen.
Am Ende lief nicht nur der gesamte Club fast fünf Kilometer mehr als der Gast, man war auch in den entscheidenden direkten Duellen fast immer überlegen. Unter anderem Lochoshvili, der gegen den zweifachen deutschen Nationalspieler Berisha in den meisten Fällen als klarer Sieger hervorging – und am Ende starke 88% seiner Kopfballduelle für sich entschied.

Tiefe
Ein Mann-gegen-Mann-Pressing zu bespielen, gehörte nicht immer zu den Stärken der Franken. Gegen den FCK trugen die Gäste sicherlich auch dazu bei, dass es diesmal sehr gut funktionierte – dennoch sollte man den Nürnberger Anteil nicht kleinreden. Man agierte nicht nur mit vielen Spurwechseln und Positionsrochaden in der Offensive – so schob beispielsweise auch Kapitän Gruber immer wieder mutig mit an. Vor allem schaffte man es, die sich bietenden Räume hinter den gegnerischen Schienenspielern zu attackieren.
Auch hier hatte man verschiedene Werkzeuge parat. Sowohl Tom Baack als auch Rabby Nzingoula streuten viele Tiefenläufe ein. Durch das konsequente Bespielen dieser Räume, auch durch das gezielte eingesetzte Spielen und Gehen, kam man immer wieder in den Rücken der Gegenspieler. So kam es bereits in der ersten Halbzeit zu zahlreichen Durchbrüchen am Flügel.
14 Flanken in der ersten Halbzeit waren ebenfalls Saisonbestwert. Da diese meist von der Grundlinie und nicht aus dem Halbfeld geschlagen wurden und die Nürnberger Boxbesetzung stimmte, hätte man hier schon frühzeitig das Spiel entscheiden können oder sogar müssen.
Steil-Klatsch
Auch ansonsten waren die Passwinkel und Positionierungen im Nürnberger Spiel sehr stimmig. Auffällig war, wie oft man sich durch Steil-Klatsch-Kombinationen in die nächste oder sogar übernächste Ebene durchspielen konnte und mit Blick zum gegnerischen Tor auf den Gegner zulief. So kamen am Ende 85% der raumgewinnenden Pässe der Franken beim Mitspieler an – so viele wie nie zuvor unter Klose.
Überstanden
Bereits in vorherigen Spielen hatte der Club schon gute Phasen. Diese wurden durch gegnerische Aktionen jedoch oftmals wieder eingebremst – diesmal nicht. Der FCK deutete in den Minuten vor der Halbzeit an, dass der FCN nach Hereingaben und Verlagerungen anfällig sein kann. Diese Phase überstand der Club diesmal jedoch – ohne daraufhin in Passivität zu verfallen.
Tempoangriffe
Kaiserslautern versuchte, mit zunehmender Spieldauer offensiver zu werden. Dafür spielte man später sogar mit drei nominellen Angreifern, an der Nürnberger Überlegenheit änderte sich jedoch nichts. Nach der Pause waren es vermehrt Umschaltsituationen – entweder nach Balleroberung oder aus dem eigenen Ballbesitz heraus –, die sich der Heimmannschaft boten. Vor allem die Räume vor der gegnerischen Kette konnte man nun immer wieder anspielen. Aus einem solchen Schnellangriff entstand auch das 2:0 durch Adam Markhiyev per Elfmeter, nachdem zuvor Mohamed Ali Zoma gefoult wurde.
Beste Saisonleistung?
Danach war das Spiel mehr oder weniger entschieden. Vom Gast kam kaum noch etwas, der FCN agierte extrem souverän und hatte sichtbar Freude daran, das Torekonto auszubauen. Das gelang erneut Lochoshvili – und wieder nach einem Eckball, diesmal legte Scobel vor.
Das 3:0 bedeutete zugleich den Endstand einer Partie, die man durchaus als die beste Nürnberger Saisonleistung bezeichnen kann. Sowohl mit als auch gegen den Ball machten die Franken sehr vieles richtig. Besonders gefallen dürfte dem Trainerteam, dass man nicht nur durch ein Muster, sondern durch viele verschiedene Facetten gefährlich wurde. Der Werkzeugkoffer war bestens gefüllt – und die Spieler wussten im richtigen Moment, welches Mittel die beste Lösung war. Dass Kaiserslautern an diesem Tag nur wenig dagegenzusetzen hatte, spielte dem FCN zusätzlich in die Karten



