Verlässt Cristian Fiél den 1. FC Nürnberg?

Die Aussagen von Cristian Fiél nach dem Sieg des 1. FC Nürnberg gegen die SV Elversberg hinterließen viel Diskussionsstoff - auch weil der FCN-Trainer bestimmte Dinge unausgesprochen und seine Zukunft offen ließ.

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Foto: fcn.de

Fiéls große Erleichterung?

Die Erleichterung schien groß nach dem 3:0-Erfolg des 1. FC Nürnbergs gegen die SV Elversberg. Nach einer Misere von nur einem Punkt aus 7 Spielen machte der FCN endlich die 40 Punkte-Marke voll und damit den Klassenerhalt fix. Trainer Cristian Fiél ging unmittelbar nach Schlusspfiff auf die Knie, als sei ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen – hätte man zumindest vermuten können. Denn nach Abpfiff verriet Fiél im Sky-Interview, „dass andere Dinge überwiegen“, die nach eignen Aussagen „nicht hierhin“ gehören. Über welche Dinge der 44-Jährige spricht, lässt sich nur spekulieren. Auch wenn er bei der Pressekonferenz im Nachgang der Partie ebenfalls betonte, dass jene Dinge seine Freude mindern ließen:


„Es überwiegt nicht die Freude. Mir ist schon bewusst, was die letzten Wochen passiert ist, was für Leistungen wir gezeigt haben. Ich weiß, dass jetzt die Frage kommt, wie ich mir das erkläre: die letzten Wochen und dann solch eine Leistung heute. Ich habe keine Erklärung dafür. Doch ich habe sie. Aber die gehört nicht hierhin.“

Cristian Fiél
auf der Pressekonferenz nach dem Sieg gegen die SV Elversberg


Heckings Entlassung als Befreiung für Fiél?

Offensichtlich zerrten die letzten Wochen nicht nur am Gemüt der Club-Fans, sondern auch an Cristian Fiél. Dass der FCN ausgerechnet wenige Tage nach der Entlassung von Sportvorstand Dieter Hecking erstmals seit Wochen wieder auf dem Fußballplatz gefiel, lässt einen direkten Zusammenhang vermuten. Zumal häufig über einen großen Einfluss von Hecking auf die Trainerarbeit Fiéls spekuliert wurde. Ob dies nun wirklich die von Fiél angedeutete Erklärung für den plötzlichen Leistungsumschwung sein könnte, ist fraglich. Insbesondere, weil Fiél einen selbstbewussten Trainertyp verkörpert, bei dem es nur schwer vorstellbar wäre, sich beeinflussen zu lassen. Aber auch er ist „keine Maschine“, wie er selbst im Nachgang des Spiels erzählte.

Fiéls Unzufriedenheit mit der Mannschaft

Eine weitere Interpretationsmöglichkeiten der getätigten Aussagen von „Fiélo“ wäre ein Rundumschlag gegen die eigene Mannschaft. Dies scheint sogar die wahrscheinlichere Antwort zu sein, wenn man sich seinen Nachschub über das dauerpräsente Thema der Intensität seiner Mannschaft gegen den Ball in der PK vor Augen führt:


„Es ist eine Sache, die sich bei uns durch die komplette Saison gezogen hat, weil wir nicht fleißig genug waren. [..] Unser Job ist es, auf den Platz zu gehen und alles dafür zu tun, Spiele zu gewinnen. Da gehört es dazu, wenn der Gegner den Ball hat, alles dafür zu tun, ihn wieder zu erobern.“

Cristian Fiél
auf der Pressekonferenz nach dem Sieg gegen die SV Elversberg


Was Fiél in den letzten Wochen immer wieder andeutete, sprach er nach dem gesicherten Klassenerhalt nochmal in aller Deutlichkeit aus: seiner Mannschaft fehlte es augenscheinlich am Bewusstsein, die Arbeit gegen den Ball in höchster Qualität und Quantität durchzuführen. Die bestätigten auch die harten Zahlen der Rückrunde, nach denen man in puncto gelaufenen Kilometern, absolvierten Sprints und intensiven Läufen auf dem Niveau eines Abstiegskandidaten performte. Es scheint so, als hätte ihm die Arbeitseinstellung bestimmter Spieler beim Defensivverhalten nicht gefallen. Eine Einstellung, die von jedem Spieler als Grundlage verlangt werden darf und eigentlich nicht zur Diskussion bei einer Profi-Mannschaft stehen sollte. Für Fiél war es jedoch ein Thema, das ihn – so wirkte es zumindest – wochenlang ratlos zurückließ.

Fiél: Wechsel zur Hertha ..

Nicht nur, dass, sondern auch wie Fiél diese Aussagen nach dem Spiel tätigte, wird von vielen als Vorbau eines Abschieds aus Nürnberg nach dieser Spielzeit verstanden. Tatsächlich wirkte Fiél nicht so, als würde er sich schon jetzt auf die Zukunft mit dem 1. FC Nürnberg freuen, was angesichts der kräftezerrenden letzten Wochen und unmittelbar nach Spielende auch verständlich ist. Nichtsdestotrotz ließ er nach konkreter Nachfrage im Sky-Interview auf seine berufliche Zukunft Raum für Spekulationen und verwies auf ein „Kucken wir einfach“. Bekanntermaßen wird sein Name für die Nachfolge vom scheidenden Pal Dardai bei Hertha BSC in Verbindung gebracht. Erst letzte Woche ließ Transferexperte Florian Plettenberg verlauten, dass ein Wechsel im Sommer bei einem passenden Angebot möglich sei. Nun soll es laut Information des Kickers bereits Gespräche zwischen Fiél und dem Hauptstadtklub gegeben haben.

.. oder Appell an FCN-Verantwortliche?

Freilich könnten Fiéls Aussagen auch als Appell an die Verantwortlichen des FCN verstanden werden, dass der Kader im Sommer mehr nach seinen Vorstellungen bestückt werden müsse. Aktuell scheint es allerdings wahrscheinlicher, dass Cristian Fiél sich ernsthaft über einen Wechsel zur Hertha Gedanken mache. Dazu passt jedenfalls seine vage Aussage bezüglich seiner Zukunft – auch wenn solche Statements im heutigen Geschäft des Fußballs nicht unüblich sind und auch wenn er nach dem Spiel sagte, dass er zuletzt überhaupt nicht die Zeit dafür hatte, sich über die Hertha Gedanken zu machen und ohnehin Vertrag habe. Doch dafür gäbe es bekanntlich Berater.

Berliner Weg oder Nürnberger Umbruch?

Letztendlich sind Cristian Fiéls Aussagen in viele Richtungen interpretierbar. Die Tatsache, dass Fiél diesen Spielraum offenlässt, könnte darauf hinweisen, dass er sich selbst noch nicht über seine Trainerzukunft bewusst ist. Sollte die Hertha tatsächlich bei ihm angeklopft haben, so wäre es nur verständlich, dass er sich damit beschäftigt. Schließlich könnte er in Berlin mit einer jungen, talentierten Mannschaft seine Art von Fußball spielen lassen und das Thema Aufstieg offensiv angehen. Andererseits blickt er beim 1. FC Nürnberg auf eine lehrreiche Saison zurück, die umso wertvoller für die nächste Saison sein könnte. Zudem könnte er entscheidend am anstehenden Umbruch mitwirken und eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen aufbauen. Jener Umbruch wäre bei einem Verbleib von Cristian Fiél – sofern der neue Sportvorstand ihn behalten möchte – wohl umso nötiger. Denn die letzten Wochen scheinen das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft nicht unbeschadet gelassen zu haben, wie Fiéls Aussagen vermuten lassen.


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1 Kommentar

  1. Ich möchte hier nicht weiter mutmaßen über persönliche Probleme zwischen Vorgesetzten und Spieler, denn dafür gibt es zu wenig Kenntnisse. Das Spiel von Samstag möchte ich aber zum Anlaß nehmen um ein paar Bemerkungen zu machen über die Relevanz von Spielsysteme auf das Ergebnis des Spiels. Das Ergebnis waren drei Punkte, die nicht durch das Spielsystem zu erklären sind, sondern lediglich durch die Bereitschaft viel mehr zu rackern und viel mehr Energie auf dem Platz zu lasssen. Die daraus folgende Unordnung beim Gegner konnte Can Uzun nutzen um sein Spiel aufzuziehen und Gefahr vor dem gegnerischen Tor zu stiften; Ergebnis 3 Tore. Für mich stellt sich daraus die Frage wie wichtig das Spielsystem wohl ist und ob es sich überhaupt lohnt bei normal veranlagten Spielern damit viel Zeit zu verbringen. Wäre es nicht viel klüger viel mehr Trainingsarbeit in Laufbereitschaft, Motivation und Kondition zu investieren statt in die kollektive Umsetzung von Spielsysteme? Ein guter Fußballer und 10 Arbeiter haben uns den Sieg gebracht und dabei hat sich Can Uzun durch seinen Instinkt und nicht durch seinen Trainer führen lassen. Wenn Herr Fiel die manglenden Einsatzbereitschaft der Mannschaft rügt, sollte er sich an die eigene Nase fassen, denn dafür trägt er die Verantwortung. In jede Unternehmung muss man als Vorgesetzte seine Mittel optimal einsetzen; also gemessen am Ergebnis. Unser Kader hat wesentlich unter seine Möglichkeiten geleistet. Eine einstellige Plazierung in der Rangliste hätte sie erreichen können und sollen. Aufstieg wäre mit dem Kader nicht drin gewesen.

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