So will der Club gegen Kiel punkten und das Hinspielergebnis wiederholen

Mit Holstein Kiel kommt eine der variabelsten Mannschaften der 2. Bundesliga ins Max-Morlock-Stadion. Worauf der 1. FC Nürnberg achten muss und wie man das Hinspiel-Ergebnis wiederholen kann, analysiert der CLUBFOKUS! Taktik, Aufstellungen sowie Stärken und Schwächen des Gegners. Vorbericht zum 28. Spieltag der 2. Bundesliga.

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Foto: fcn.de

Gute Erinnerungen an das Hinspiel in Kiel

Am vergangenen Wochenende gegen die Hertha überzeugte der 1. FC Nürnberg mit Fußball, den man aus der Hinrunde noch in bester Erinnerung hatte. Unter anderem aus der Partie in Kiel. Bei den Störchen gewann die Fiél-Elf mit 0:2 durch Treffer von Tim Handwerker und Can Uzun. Nicht nur das Ergebnis, auch die Art und Weiser war sehr überzeugend und gilt bis heute als eine der besten Nürnberger Saisonleistungen. In Kiel stand Lukas Schleimer in der Startelf – auch im Rückspiel deutet vieles daraufhin. Denn in Berlin konnte „Schleimi“ nicht nur mit einem Treffer, sondern auch mit klugen Bewegungen ohne Ball und einer hohen Intensität einen wichtigen Beitrag zur starken Cluberer Leistung beitragen. Das Nürnberger Offensivspiel wirkte ohne klaren Zielspieler deutlich flexibler. Apropos Flexibilität: das ist die große Kieler Stärke.

Nach Reese, Bartels & Wahl: Umbruch gemeistert

Obwohl die Störche vor der Saison mit Fabian Reese, Hauke Wahl und Finn Bartels Leistungsträger abgeben mussten, meisterten sie und Trainer Marcel Rapp den Umbruch sehr gut. Von Beginn an mischt Holstein ganz oben mit, stand lediglich einmal außerhalb der Top-6 und befindet sich seit dem 13. Spieltag konstant in den Top-3 der 2. Bundesliga. Zwischenzeitlich durfte man sogar die Herbstmeisterschaft feiern. Unter anderem, weil man im Kader eine gute Mischung aus talentierten Spielern wie Tom Rothe und Marko Ivezic sowie erfahrenen Akteuren á la Holtby und Skrzybski vorweisen kann. Die Kieler werden mit viel Selbstvertrauen ins Frankenland reisen. Denn die letzten 3 Partien konnten sie allesamt zu-Null für sich entscheiden. Schmerzlich vermisst wird der U-21 Nationalspieler und Abwehrspieler Collin Kleine-Bekel, der an einem Kreuzbandriss laboriert. Finn Porath fehlt zudem gelbgesperrt und auch hinter Ex-Cluberer Patrick Erras steht noch ein Fragezeichen.

Variable und intensive Kieler

Holstein Kiel beherrscht es, aus verschiedenen Formationen und Strukturen heraus zu agieren. Ähnlich variabel ist der Matchplan von Marcel Rapp häufig, der seine Elf immer wieder gut auf den Gegner einstellt. In der Folge gelingt es Kiel regelmäßig, die gegnerischen Stärken aus dem Spiel zu nehmen. So kam beispielsweise Hansa Rostock letzte Woche nicht in die gewünschten direkten Duelle, in der Partie zuvor ließ man Elversberg nicht zu Umschaltaktionen kommen, die den Aufsteiger auszeichnen. Gleichbleibend ist allerdings die Kieler Intensität, die auch Fiél hervorhebt: „Sehr dominant. Eine Mannschaft, die sehr intensiv spielt. […] Sowohl mit als auch gegen den Ball – Läufe in die Tiefe.“ Im Spiel nach vorne forciert Kiel häufig die linke Seite, indem sie diese mit viel Personal bewusst überladen. Schienenspieler Tom Rothe ist extrem aktiv, auch Stürmer Machino kippt häufig in den linken Halbraum ab.


„Es ist schwierig. Du weißt nicht: kommen sie mit einer 4[er-Kette] oder 5[er-Kette]. Diese Variabilität […] macht’s nicht so einfach.

Cristian Fiél
auf die Frage, ob die Kieler Variabilität deren größte Stärke sei.


Fiéls Ex-Kollege Holtby als Unterschiedsspieler

In allen Spielphasen ist der ehemalige DFB-Nationalspieler einer der entscheidenden Figuren. Im eigenen Spielaufbau findet er kluge Positionierungen und kippt mal nach hinten zwischen die Innenverteidiger ab oder bietet sich am Flügel an, um sich aus dem Druck zu befreien. „Dann ist er flach, dann läuft er einfach durch, dann kommt er wieder auf eine Außenbahn. Das ist nicht so einfach“ – ist sich auch Club-Coach Fiél, der gemeinsam mit Holtby in Aachen spielte, um dessen Qualitäten bewusst. Lediglich 4 zentrale Mittelfeldspieler spielen mehr Pässe pro 90 Minuten als Holtby. Von dort aus fungiert er als Taktgeber und kann das Spiel mit präzisen Vertikalpässen in Richtung Offensive beschleunigen. Auch selbst tritt er immer wieder vom dem gegnerischen Tor in Erscheinung und konnte neben seinen 12 Scorerpunkten (4 Tore, 8 Assists) auch die meisten Kieler Chancen kreieren. Gegen den Ball ist er in der Lage, aussichtsreiche Pressingsituationen zu erkennen und dementsprechend im richtigen Moment Druck auf den Gegner auszuüben.

Darauf muss Nürnberg aufpassen

16 Treffer nach ruhendem Ball, 8 Tore nach Balleroberung, 7 Kontertore, die zweitmeisten Sprints, die meisten Großchancen und vieles mehr. Auch ein Blick auf die Daten bestätigt, dass Holstein Kiel über verschiedene Arten Torgefahr entwickeln kann. Vor allem verfügen die Gäste über viele kluge Lauf- und Passwege in der Offensive. Die 3 Angreifer Machnio, Skrzybski und Bernhardsson aus der letzten Woche ließen sich immer wieder in die Zwischenräume vor der Rostocker Abwehr fallen. In der Nürnberger Defensive bedarf es guter Kommunikation, um keine Lücken vor und hinter der Viererkette zu offenbaren, da die Kieler Stürmer ansonsten sehr gut die Tiefe attackieren. Dass der Club prinzipiell in der Lage ist, flexiblen gegnerischen Offensiven nur wenig Raum anzubieten, bewies man gegen St. Pauli und vor allem in Magdeburg. Allerdings wird eine gute Mischung aus tiefem Verteidigen und höherem Attackieren wichtig sein. „Mein Wunsch ist, dass wir morgen das ein oder andere Mal die Kontrolle haben über dieses Spiel und den Ball haben.“

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Häufiges Spielszenario der Kieler: Überladen der linken Seite sowie gut getimte Tiefenläufe hinter die gegnerische Abwehrkette. So ähnlich traf man auch letzte Woche gegen Rostock zum 1:0.

Hier ist Kiel anfällig

Dadurch, dass Holstein Kiel relativ mannorientiert und mit vielen direkten Duellen verteidigt, könnte der Club durch erfolgreiche 1-gegen-1-Duelle Überzahlsituationen und Durchbrüche kreieren. Neben Can Uzun und Kanji Okunuki könnte auch Joe Hungbo als Joker hier in den Vordergrund rücken, der sich im Dribbling durchsetzen kann. Dribblings können auch auf der anderen Seite eine wichtige Rolle spielen. Für den Club gilt es, gut im Raum zu verteidigen und sich nicht locken zu lassen. Denn Holstein verzeichnet die schwächste Quote im offensiven 1-gegen-1 und gewinnt lediglich 50% dieser.

Auf der Spieltags-PK deutete Fiél zwischen den Zeilen an, dass Schleimer erneut von Beginn an spielen könnte. Auch Hungbos Defizite im Spiel gegen den Ball wurden thematisiert, weshalb ein Start-11-Einsatz unwahrscheinlich scheint. Bis auf Lawrence könnte Fiél auf den kompletten Kader zurückgreifen.

Fiél will Kontrolle gegen Kiel

Um die Kieler Stärken im Spiel mit Ball möglichst selten aufkommen zu lassen, betonte Fiél auf der Spieltags-Pressekonferenz, selbst aktiv das Spiel gestalten zu wollen. Mit dieser Herangehensweise könnte man nicht nur an das letztwöchige Unentschieden in Berlin, sondern auch an das starke Hinspiel anknüpfen. In Kiel zeigte der 1. FC Nürnberg mit und gegen den Ball einer der stärksten Saisonleistungen. Gegen das Hinspiel-Ergebnis von 2:0 für den FCN hätte Fiél auch im Rückspiel nichts einzuwenden, wie er selbst sagte.


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