Die U19 des 1. FC Nürnberg hat sich dank ihrer intensiven, aktiven und offensiven Spielweise für die Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga qualifiziert. Mit 24 Punkten aus 12 Spielen landete das Team auf dem zweiten Platz der Gruppe D. Im exklusiven Gespräch mit dem CLUBFOKUS erklärt Trainer Michael These, wie seine Mannschaft spielt, welche Fortschritte sie gemacht hat und welche Ziele für 2026 anstehen.
Servus, Michael! Glückwunsch zur Qualifikation deiner U19 für die Hauptrunde der DFB-Nachwuchsliga. Du bist sicherlich zufrieden mit deiner Mannschaft. Wenn du an den zweiten Spieltag zurückdenkst, als ihr zu Hause gegen Eintracht Frankfurt mit 0:4 verloren habt: Wo siehst du seitdem die größte Entwicklung? Schließlich habt ihr danach von zehn Partien nur noch eine knapp verloren, sieben Spiele gewonnen und lediglich elf Gegentore kassiert.
Servus und vielen Dank! Eine der größten Entwicklungen ist, dass wir mittlerweile erwachsener Fußball spielen. Sowohl mit als auch gegen den Ball agieren wir nicht mehr so fahrlässig, wodurch sich auch die Defensive und die Anzahl der Gegentore stabilisiert haben. Vor allem muss ich sagen, dass in der Vorrunde hinsichtlich Leistung und Art und Weise fast jedes Spiel gut war. Vielleicht war mal eine Halbzeit dabei, die nicht ideal lief, aber insgesamt bin ich mit unserer Performance sehr zufrieden. Aus meiner Sicht sind wir daher auch verdient weitergekommen. Ein großes Lob geht dabei auch an meinen Staff und meine Trainerkollegen, von denen jeder einen hervorragenden Job macht und ein wichtiges Puzzlestück für den Erfolg ist.
Wenn man auf den Sieger eurer Gruppe, den VfB Stuttgart, blickt, wart ihr in vielen statistischen Parametern sogar besser. Der VfB erzielte aus 31 Expected Goals 43 Tore, ihr aus 31 Expected Goals „nur“ 27. Hat euch – auch durch den verletzungsbedingten Ausfall von Stürmer Levin Chiumento – die Chancenverwertung ein früheres Weiterkommen erschwert?
Zu 100 Prozent. Wie schon gesagt, die Leistungen waren wirklich gut. Auch bei der 0:4-Niederlage gegen Frankfurt waren wir phasenweise dominant, haben uns aber nicht belohnt. Deshalb kann man klar sagen, dass die Chancenverwertung ein Faktor war, warum wir lange um den Einzug in die Hauptrunde kämpfen mussten. Im Jugendfußball geht es mir aber vor allem um die Leistungen und darum, dass man als Zuschauer gute Spiele sieht. Das ist mir extrem wichtig – ebenso, dass die Chancen überhaupt entstehen. Natürlich wäre es noch besser, wenn sie dann auch konsequent genutzt werden.
Ihr lagt in der Vorrunde sechsmal in Rückstand, habt davon aber nur zwei Partien verloren und zweimal sogar noch gewonnen. Darauf und auf die damit verbundene Mentalität bist du sicher stolz.
Ja, absolut. Da muss ich der gesamten Mannschaft ein großes Lob aussprechen – und dazu zählen alle Spieler im Kader. Wir konnten von der Bank oft frischen Wind bringen und dadurch Spiele verändern. Das zeigt unsere Stärke als Einheit und unseren Teamgeist, auf den wir sehr stolz sind. Mit einer besseren Chancenverwertung hätten wir sogar noch mehr Spiele drehen können.

Ihr verzeichnet im Schnitt 18 hohe Balleroberungen pro Partie – der mit Abstand höchste Wert eurer Gruppe. Auch in anderen Pressingparametern gehört ihr deutschlandweit zur Spitze. Ist hohes Pressing ein zentraler Bestandteil eurer Identität?
Wir haben eine klare Philosophie, die wir gemeinsam mit der Mannschaft erarbeitet haben. Damit kann sich das Team identifizieren. Hoch und aggressiv zu verteidigen ist dabei eine wichtige Basis und weitgehend unverhandelbar. Dennoch kann es sein, dass wir in der A-Runde je nach Gegner Anpassungen vornehmen, um noch flexibler zu sein. Grundsätzlich ist hohes Pressing aber ein fester Bestandteil unserer Spielweise. Die Statistiken bestätigen das – und das funktioniert nur, wenn die Mannschaft voll dahintersteht. Das hat sie eindrucksvoll bewiesen.
Sind dir in dieser U19-Saison neue taktische Trends aufgefallen, vielleicht auch im Vergleich zur Vorsaison?
Das lag auch an unserer Liga, aber viele Teams haben mit zwei Stürmern gespielt. Das macht es bei einer Viererkette auf der letzten Linie nicht einfach, da man häufig in Gleichzahl verteidigt. Gegen den Ball war zudem bei vielen Mannschaften ein 4-1-3-2 oder eine starke Mannorientierung auffällig. Darauf muss man immer wieder neue Lösungen finden.
Mannorientiertes Verteidigen nimmt generell zu. Was ist aus deiner Sicht entscheidend, um das zu bespielen?
Vor allem eine hohe Ballsicherheit. Wichtig ist auch, den Gegner durch viel Bewegung in Räume zu ziehen, in denen er sich unwohl fühlt – zum Beispiel, indem man einen Innenverteidiger aus der Kette lockt. Anschließend gilt es, den frei werdenden Raum in der Tiefe zu attackieren und idealerweise auch zu bespielen. Viel läuft über einen Mix aus manipulativen Laufwegen, Rotation und Qualität am Ball. Man kann den Ball selten in Ruhe annehmen, da fast immer ein Gegenspieler im Rücken ist. Umso wichtiger ist ein gutes Nachrückverhalten, damit der Passempfänger klatschen lassen kann.
Viele Spieler, die noch U19 spielen könnten, sind bereits bei der U23 oder den Profis dabei. Wie läuft der Austausch mit Klose und dem Trainerteam, wenn Spieler benötigt werden?
Ich bin dabei in erster Linie mit Dominik Schmitt, unserem Übergangskoordinator, im Austausch. Wir schauen uns auch viele Einheiten der Profis an und kommen so automatisch ins Gespräch. Pino und Miro sind extrem zugänglich und nehmen sich viel Zeit für uns. Da ich mit Andy Wolf im selben Kabinentrakt sitze, haben wir gemeinsam verschiedene Entwicklungswege für die Jungs erarbeitet. Es ist beeindruckend, wie viele Spieler der 1. FC Nürnberg ausbildet und wie breit wir im Juniorenbereich aufgestellt sind – zumal viele Talente aus der Metropolregion Nürnberg stammen. Extern haben wir in der U19 uns vor der Saison lediglich mit Torhüter Lindsay Gutaj aus Gladbach verstärkt, der Großteil spielt schon seit Jahren für den Club.
Die Einteilung für die A-Liga steht fest. Ihr trefft auf Union Berlin, Mainz 05, Bayer Leverkusen, den SC Paderborn und die TSG Hoffenheim. Wie groß ist die Vorfreude und wo siehst du noch Entwicklungspotenzial?
Ich freue mich vor allem für die Jungs, dass sie sich mit diesen Teams messen dürfen. Wir haben eine hohe Qualität und haben das auch in direkten Duellen mit dem VfB Stuttgart und anderen Gegnern gezeigt. Auf diesem Niveau werden wir oft der Underdog sein und phasenweise weniger Ballbesitz haben. Umso mehr wollen wir uns mit den Besten messen und ihnen alles abverlangen, um die Spieler bestmöglich weiterzuentwickeln. Für die Verteidiger wird es wichtig sein, jede Sekunde hochkonzentriert zu sein, da uns Top-Stürmer gegenüberstehen werden. Gleichzeitig wird es für unsere Offensive schwieriger, sich gegen starke Defensivreihen viele Chancen zu erspielen. Ich hoffe, dass wir es dennoch schaffen, auch gegen Favoriten Phasen zu haben, in denen wir das Spiel dominieren. Das ist der nächste Schritt in unserer Entwicklung.
Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Du hast bereits mehrere Spieler – unter anderem auch Finn Jeltsch – auf ihrem Weg zu den Profis begleitet, bist trotz deines jungen Alters lange beim FCN, hast laut transfermarkt.de den besten Punkteschnitt aller U17-Trainer des Clubs und bist aktuell mit der U19 sehr erfolgreich. Was könnte für dich der nächste Schritt sein?
Ich nehme es, wie es kommt. Ich kann mir genauso vorstellen, 15 Jahre die U19 zu trainieren, wie auch wieder eine U12 zu übernehmen. Mir macht es einfach Spaß, mit Menschen zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Was darüber hinaus kommt, wird man sehen. Aktuell bin ich sehr glücklich, für den FCN arbeiten zu dürfen.
Vielen Dank für das sehr angenehme Interview und alles Gute für den weiteren Saisonverlauf.



