Neuer FCN-Trainer Klose: das kann er vorweisen

Der 1. FC Nürnberg verpflichtet mit Miroslav Klose einen unerfahrenen Trainer, der bei seiner ersten Station in Österreich scheiterte. Der CLUBFOKUS blickt genauer auf seine Spielphilosophie und taktische Herangehensweise, die auf den ersten Blick nicht für Euphorie sorgen.

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Foto: fcn.de

Noch unerfahrener Trainer: Miroslav Klose

Nun als doch die DFB-Kontakte. Der 1. FC Nürnberg verpflichtet Miroslav Klose als neuen Cheftrainer. Über seine Vergangenheit als Spieler muss wohl wenig berichtet werden – schließlich ist der Weltmeister von 2014 weltbekannt. Etwas weniger berühmt ist die Trainerkarriere des 46-Jährigen, die 2016 beim DFB als Co-Trainer unter Jogi Löw begann. Daher rührt auch die Verbindung zu FCN-Sportvorstand Joti Chatzialexiou, der sich für diese mutige Lösung entschied. Schließlich war Klose neben einem weiteren Co-Trainerposten beim FC Bayern unter Hansi Flick und einem Engagement als Trainer der U17 des FC Bayern erst einmal als Chef-Trainer tätig. Der CLUBFOKUS wirft einen genauen Blick auf Kloses Arbeit in Österreich.

Klose: Entlassung in Altach

Kloses erste und einzige Profi-Trainerstation beim SCR Altach in der österreichischen Bundesliga-Saison 2022/2023 kann nicht unbedingt als gelungen bezeichnet werden. Nach nur 9 Monaten Amtszeit musste Klose seinen Posten räumen. Mit nur 17 Punkten aus 22 Spielen war Altach Tabellenletzter nach Beendigung der Hauptrunde, weshalb sich die Österreicher gezwungen sahen, zu handeln. Allerdings war es wohl nicht nur die Punkteausbeute, die den Glauben an eine gemeinsame Zukunft schwinden ließen.

Spielerische Mängel unter Klose

Auch spielerisch war es alles andere als ein Leckerbissen, den Klose mit seiner Mannschaft anbot. Zwar lief man im 4-3-2-1 mit viel Ballbesitz (55%) für einen Abstiegskandidaten in den ersten 7 Spielen auf. Jedoch war auch hier schon zu erkennen, dass man wenig mit Ball anzufangen wusste. Insbesondere, wenn es darum ging, den Ball in die nächste Spielebene zu bringen, fehlte es der Mannschaft an Struktur. Dies sollte sich über die gesamte Amtszeit von Klose – auch nach einer Umstellung auf eine Dreierkette – nicht mehr ändern.

Offensive Ideenlosigkeit

Mit einem pragmatischen Ansatz versuchte man mit vielen langen Pässen in Richtung des Zielspielers ins letzte Drittel zu gelangen. Sturmspitze Atdhe Nuhiu musste über 13 Luftduelle pro 90 Minuten führen – die mit Abstand meisten aller Stürmer dieser Saison. Problem: das Nachrücken des Mittelfeldes funktionierte, auch aufgrund von verfrühten langen Pässen, nur behäbig, weshalb zu wenig zweite Bälle aufgesammelt werden konnte. War man mal im letzten Drittel, so wurde auch hier wieder Nuhiu mit hohen Bällen in Form von Flanken gesucht. Dass Altach unter Klose nur 1 Tor pro Spiel erzielte, spiegelte die offensive Ideenlosigkeit wider.

Lücken in der Defensive

Dass man auf der anderen Seite 2 Gegentore pro Spiel kassierte, weist auf Schwächen in der Defensive hin. Zunächst einmal ließ Klose sein Team den gegnerischen Spielaufbau hoch anlaufen – Altach gehörte unter Klose zu den Teams in der Bundesliga, die dem Gegner am wenigsten Pässe im Spielaufbau durch ihr aggressives Stören spielen ließen. Doch auch hier wurden Strukturprobleme offensichtlich. Durch einfache Rotation konnte das Altacher Pressing oftmals ausgehebelt werden. Zudem gab es immer wieder große Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld, die der Gegner bespielen konnte. Da auch das tiefere Verteidigen immer wieder Lücken offenbarte, kamen die Gegner regelmäßig zu guten Torchancen.

Was man Klose zugutehalten muss, ist, dass er mit dem SCR Altach ein Team übernahm, das aufgrund der fehlenden Qualität im Kader regelmäßig zu den Abstiegskandidaten in Österreich zählt. Was wiederum nicht für ihn spricht, ist, dass sein Nachfolger den letzten Platz noch deutlich hinter sich lassen und somit den Abstieg vermeiden konnte.

Gute Arbeit von Klose bei der U17 des FC Bayern

Etwas mehr Frohsinn für seine Zukunft beim 1. FC Nürnberg verbreitet Kloses Trainerstation bei der U17 des FC Bayern. Hier sammelte er in 49 Spielen 2.22 Punkte pro Spiel. Bezogen auf die U17 Bundesliga-Saison 2019/2020 war Klose mit seiner Mannschaft mit 66% Ballbesitz und einer für Jugendverhältnisse überragenden Passquote von 88% das mit Abstand dominanteste Team dieses Jahrgangs. Mit einem geduldigen Spielaufbau – häufiger im Dreieraufbau – und langen Ballbesitzphasen kombinierte man sich meist durchs Zentrum, um anschließend die dribbelstarken Flügelstürmer einzusetzen. Statt mit vielen Flanken zu hantieren, versuchte man die gegnerische Abwehr mit Tiefenläufen und Schnittstellenpässen auszuhebeln. Eine Art und Weise Fußball zu spielen, die schon eher zu den Vorstellungen des 1. FC Nürnbergs passt. Will Klose beim Club erfolgreich sein, so gilt es an diese Herangehensweise aus seiner Zeit als U17 Trainer beim FC Bayern anzuknüpfen.

Keine Euphorie, aber ..

Ja, seine Station beim SCR Altach sorgt auch beim CLUBFOKUS nicht für Euphorie. Statt sich auf das gescheiterte Engagement zu stürzen, könnte man allerdings auch eine wertvolle Erfahrung für einen noch jungen Trainer darin sehen. In den letzten Tagen wurde der ein oder andere erfolgreiche Jugendtrainer beim FCN gehandelt, der womöglich mehr Euphorie ausgelöst hätte. Rein nüchtern und statistisch betrachtet kann Klose ebenfalls eine erfolgreiche Arbeit als Jugendtrainer vorweisen – mit dem Unterschied, dass er bereits Erfahrung im Profi-Bereich – wenn auch keine glückliche – sammeln konnte. Dies muss er sich nun zu Nutze machen und aus seinen Fehlern lernen.

Faire Chance für Klose in Nürnberg

Dass Miroslav Klose eine ähnliche Spielidee wie Cristian Fiél verfolgt, sollte Grundlage für diese Verpflichtung gewesen sein. Zumindest, wenn man den Worten von Joti Chatzialexiou auf seiner Antritts-Pressekonferenz glaubt. Schließlich sprach er davon, den spielerischen Ansatz fortführen zu wollen und eine gewisse Intensität gegen den Ball an den Tag legen zu wollen. Klose kann diese Vorgaben zumindest ansatzweise in seiner noch jungen Trainer-Vergangenheit vorweisen. Letztendlich sollte Miroslav Klose eine faire, unvoreingenommene Chance in Nürnberg gegeben werden, um seine Ideen gemeinsam mit der Mannschaft zu entwickeln und auf den Platz bringen zu können. Trotzdem sind Zweifel an dieser Personalentscheidung nachvollziehbar.


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