Klose über FCN-Rückrundenstart: „Da entsteht eine Euphorie“

Der Trainer sieht klare Fortschritte – und verrät zwei wichtige Prinzipien seiner Mannschaft.

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Auch wenn erst zwei Rückrundenspiele absolviert sind, kann man schon von einem veränderten 1. FC Nürnberg sprechen. Gegen Elversberg gab man 27 Abschlüsse ab, was den Bestwert der FCN-Spielzeit bedeutete. Die 19 Abschlüsse in Darmstadt bedeuten den dritthöchsten Wert aus Clubsicht. „Drei wirklich gute Halbzeiten“, hat auch Trainer Miroslav Klose von seiner Mannschaft gesehen. „Ich glaube schon, dass wir in die richtige Richtung gehen“, ist er entsprechend zufrieden mit der Entwicklung – mahnt aber dennoch aufgrund der engen Tabellenkonstellation: „Aber es ist alles eng und es wird auch alles eng bleiben. Wir müssen punkten.“

Flüssiger und leichter

Klose betont, dass man im Vergleich zur Hinrunde „auch einfach anders auftreten“ möchte und scheint nicht immer mit den Leistungen seines Teams einverstanden gewesen zu sein. „Mutiger und frecher“ nimmt er seine Schützlinge seit der Wintervorbereitung wahr. Zudem habe man auch am Kopf gearbeitet, da aus Sicht des Weltmeisters einige Akteure sich von einzelnen Spielsituationen zu schnell aus der Bahn haben werfen lassen und den Glauben an ihre Stärken verloren haben. „Und ich finde, das sieht man auch auf dem Platz – es ist flüssiger und leichter“, erkennt er auch hier entsprechende Fortschritte.

Daran gearbeitet

2025 gab es einige Spiele, in denen die guten Ansätze der Franken im letzten Drittel endeten. Klose gesteht, dass man den Fokus in der Trainingsarbeit zunächst auf andere Bereiche gelegt hatte. Torschüsse und das Verhalten rund um die gegnerische Box habe man „selten trainiert“. Seit Ende November „ging es dann schon mehr um den Sechzehner und was den letzten Pass angeht“.

Eines der Prinzipien, die dem FCN unter anderem zur Torchance von Eric Porstner in Darmstadt verholfen haben, ist, sich „so breit wie nötig und hoch wie möglich“ zu positionieren. Also dass die Spieler auf der Außenbahn nicht ganz breit stehen, sondern so weit einrücken, dass sie den Ball dennoch ohne Gegnerdruck empfangen können – und gleichzeitig so weit vorne wie möglich das Spielgerät in Empfang nehmen. In Darmstadt funktionierte dies beispielsweise, als der FCN sich von rechts in das Zentrum spielte und von dort aus auf das entsprechend positionierte Eigengewächs nach links verlagerte. Lediglich der Abschluss fehlte.

„Viel Detailarbeit und Automatismen“ sind entsprechende Abläufe für Klose, der dafür zusammen mit seinem Trainerteam auch die Übungseinheiten aufzeichnet. „Da sind wir die ganze Zeit am Arbeiten und am Trainieren, das ist auch schon viel besser geworden, aber noch nicht so, wie ich es gerne hätte“, sieht er seine Spieler auf dem richtigen Weg. In Darmstadt hätte er sich aber natürlich mehr Effizienz gewünscht: „Da muss ein Tor rumkommen.“

Auch verbessert

Ein weiteres Thema, das sich beim FCN immer wieder zeigte, war das Verteidigen von gegnerischen Hereingaben. Mal waren es Flanken auf den zweiten Pfosten, zuletzt – beispielsweise gegen Elversberg – vermehrt flache Hereingaben in den Rückraum. „Das waren auch unsere Wehwehchen, die wir immer hatten. Dass wir die Wege nicht frühzeitig schließen konnten“, analysiert der 47-Jährige, der gegen Darmstadt damit aber deutlich zufriedener war. Dabei erinnert er sich an eine Szene, in der ein langer Ball aus der gegnerischen Innenverteidigung Nürnbergs Rechtsverteidiger Tim Drexler überspielt – weil dieser eines der FCN-Prinzipien nicht einhielt.

Er orientierte sich in dieser Situation am Gegenspieler, anstatt zunächst den Ball im Blick zu haben. Dadurch öffnete er die Innenbahn, die sein Gegenspieler Luca Marseiler entsprechend belaufen konnte. „Wir orientieren uns erst mal am Ball und nicht am Gegenspieler, das kommt zuletzt“, legt Klose Wert auf das Prinzip, das viele Trainer im Fußball anwenden. Primär soll man im Spiel gegen den Ball seine Positionierung anhand des Balles anpassen, als zweites am Mitspieler und erst als letztes am Gegenspieler.

„Wie wir danach verteidigt haben, das 3+2 in der Box hergestellt haben“, war Klose mit der Reaktion der Mitspieler aber umso zufriedener, da der Rückraum diesmal frühzeitig mit zwei Spielern abgedeckt wurde.

Euphorie

Laut Klose sind viele der Kleinigkeiten dafür verantwortlich, dass der Club in der Rückrunde gegen zwei Aufstiegsaspiranten über sehr weite Strecken überzeugen konnte. „Da passiert was mit der Mannschaft, die nimmt es an. Das Wichtigste ist für mich, die pusht sich jetzt gegenseitig“, lobt er entsprechend. „Da entsteht eine Euphorie und eine Gemeinschaft, die Kabine funktioniert. Und das ist für mich als Trainer schön zu sehen“, blickt er zuversichtlich auf die nächsten Aufgaben.