Kleine Fehler, große Wirkung – Deswegen verliert der FCN auf Schalke

Durch eigene Fehler im Spiel mit Ball verbaut sich der 1. FC Nürnberg nicht nur eigene Angriffe. Zudem lud man damit den FC Schalke 04 bei der 0:2-Auswärtsniederlage zu Kontersituationen ein. Der CLUBFOKUS erklärt Cristian Fiéls Matchplan und analysiert die Partie inklusive Spielerbenotungen.

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Foto: fcn.de

Nürnberger Überladungen auf dem Flügel und fehlende Verlagerungen

Gegen die sehr extremen Schalker Mannorientierungen beorderte Cristian Fiél Sebastian Andersson zurück in die Startelf. Der Schwede sollte als Empfänger für lange Bälle, die Schalke erzwingen wollte, fungieren. Ansonsten positionierte sich der 1. FC Nürnberg zwar ähnlich, aber doch etwas anders als sonst häufig. Wie in den letzten Partien ließ sich Florian Flick zwischen die beiden Innenverteidiger fallen – die Position auf der 6 übernahmen dafür Gyamerah und Brown. Auffällig war aber vor allem die Positionierung von Can Uzun und Jens Castrop. Beide besetzten zusammen mit Goller und Schleimer die Außenposition. Ziel war es, in den Rücken der beiden äußeren Schalker Mittelfeldspieler aus deren Raute zu kommen. In der ersten Seite spielte man vor allem häufig über die rechte Seite nach vorne. In der Folge verschoben die 4 Zentrumsspieler der Königsblauen sehr ballnah auf die Seite. Die Fiél-Elf verpasste es, von hier das Spiel auf die andere Seite zu verlagern. „Du hast sie auf einer Seite und dann wollen wir nochmal dribbeln, wir wollen kurz kommen. Dafür gibt es gar keinen Grund. […] Sie kommen ballnah dazu, dann musst du auf der anderen Seite raus.“ – so bestätigte auch der Nürnberger Trainer die falschen Entscheidungen seiner Spieler in diesen Situationen.

Nürnberg Schalke Analyse Taktik Geraerts Fiél Spielaufbau
Nürnberger Spielaufbau in der 1. Halbzeit gegen Schalkes Mannorientierungen: Überladen der Flügel mit Uzun und Castrop. Hatte man das Schalker Zentrum auf eine Seite gelockt, verpasste man aber den richtigen Moment, um das Spiel auf die verwaiste ballferne Seite zu verlagern.

Technische Unsauberheiten und falsche Entscheidungen

Die beiden Gegentore, allen voran der erste sind natürlich Paradebeispiele für Ballverluste, die man sich nicht erlauben darf. Der Club erlaubte sich am Samstagabend deutlich zu viele davon. Nicht nur im Spielaufbau, auch im letzten Drittel. Allgemein sind falsche Entscheidungen ein Thema, das immer wieder präsent ist. Man verpasste es, das Spiel im richtigen Moment zu beschleunigen. Wenn doch, fand man in der Theorie aussichtsreiche Situationen. So beispielsweise in der 8. Minute, als Goller nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte auf die Reise geschickt wird, aber die Situation mit zu vielen kleinteiligen Kontakten nicht ausnutzt. Fiél nannte auch das fehlende Kreuzen Gollers in dieser Situation. Ein weiteres Beispiel für falsche Entscheidungen und einfache Fehler, wie der Pass in den Rücken, anstatt in den Vorderfuß, ist die 34. Minute. Jan Gyamerah dribbelt sich sehr stark durch das Zentrum und entzieht sich der Schalker Manndeckung. Goller steht rechts frei – der Pass Gyamerahs kommt aber leider in den Rücken, wodurch auch diese Situation nicht gefährlich (genug) endet. Auch im 2. Durchgang blieb es bei diesen Fehlern. So auch vor der Entstehung des Schalker Elfmeters im 2. Durchgang. Schleimer wird in aussichtsreicher Situation angespielt – verliert aber den Ball. Wenige Sekunden später gab es Elfmeter für die Knappen.

Defensives Umschaltspiel und zweite Bälle am Pranger

Durch die unnötigen Ballverluste blieben auch die Schalker durch Umschaltaktionen immer gefährlich. „Es gibt keinen Grund, diesen Ball zu verlieren.“ – bemängelt Cristian Fiél explizit beim ersten Gegentreffer. Anstatt das versuchte Aufdrehen Uzuns, ohne zu sehen, was in seinem Rücken stattfindet, wäre eine „einfachere“ Lösung gefragt gewesen. Auch wenn Kaminski gut nach vorne verteidigt und die Situation antizipiert, darf der Ballverlust – vor allem in dieser Situation – definitiv nicht passieren. Genauso wenig darf allerdings die darauffolgende Reaktion nach Ballverlust passieren. Beziehungsweise die nicht folgende Reaktion einiger Spieler. Im Moment des Ballverlustes steht der Club mit 4-gegen-3 Überzahl hinter dem Ball, wenige Sekunden später ist Schalke zuerst mit 5 Spielern im Nürnberger Strafraum. Uzun liegt am Boden, Gyamerah bleibt stehen, Castrop trabt zurück und Schleimers Vollsprint kommt nach kurzem Abwinken leider zu spät. „Wenn es um Intensität geht, sowohl nach hinten als auch nach vorne – da ist sicherlich noch Verbesserungspotenzial“, attestiert auch Cristian Fiél nach der Partie.

Nürnberg Schalke Analyse Taktik Geraerts Fiél Ballverlust
Situation vor dem 1:0 für Schalke. Gyamerah spielt auf Uzun, der sich aufdrehen möchte, was Kaminski gut antizipiert und entsprechend nach vorne beteiligt. Während die Schalker nach Balleroberung sofort lossprinten, dauert es beim Nürnberger Mittelfeld deutlich zu lange.

Kleine Zweikämpfe, große Wirkung

Letztendlich war es wie so oft in den letzten Wochen: der FCN erleichtert durch eigene Fehler dem Gegner das Punkten. Den einfachen Schalker Fußball wusste man nicht konsequent zu verteidigen. Obwohl hinlänglich bekannt war, dass Königsblau mit vielen langen Pässen und zweiten Bällen arbeiten würde, gewannen die Schalker gefühlt jeden wichtigen Ball in und rund um den Sechzehner des 1. FC Nürnbergs. Insbesondere den Raum vor der Abwehr konnte der Club nicht kontrollieren. Mit einem 4-3-1-2 gegen den Ball war zumindest personell eine hohe Zentrumspräsenz gegeben. Dies machte sich S04 zu Nutze, indem man nach Eroberung des zweiten Balles schnell auf den Flügel spielte. Ganze 28 von 31 Ballbesitzangriffen der Gastgeber erfolgten über den Flügel, viele davon über den agilen Kabadayi. Entscheidend waren allerdings wie vor dem Spiel bekannt die kleinen Zweikämpfe, die große Wirkungen (ebenso wie „kleinen“ Ungenauigkeiten beim Passspiel) nach sich zogen. So ähnlich formulierte es auch Fiél im Nachgang der Partie. Da der FCN die Mehrzahl dieser Duelle verlor, konnte Schalke 04 sein wuchtiges Spiel aufziehen und am Ende verdient gewinnen.


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