Box-to-Box-Spieler gefunden?
„Einen Box-to-Box-Spieler, einen, der Wucht ins Spiel bringt“ sowie „die physische Komponente“ wollte Joti Chatzialexiou fürs Mittelfeld des 1. FC Nürnberg verpflichten. Mit Finn Ole Becker von der TSG Hoffenheim möchte der Sportvorstand nun – nach langem Warten – endlich einen Neuzugang für diese Position präsentieren. Der 25-Jährige würde mit drei Jahren Bundesliga-Erfahrung nach Nürnberg wechseln und soll laut „Kicker“ kurz davor stehen, einen Drei-Jahresvertrag zu unterschreiben. Die Ablöse soll ausschließlich leistungsbezogen sein.
Kaum Stammspieler
Stammspieler war Becker in dieser Zeit allerdings selten. Von 102 möglichen Bundesligaspielen in den letzten drei Saisons kam er 48-mal zum Einsatz – davon nur 18-mal in der Startelf. Schon vor seinem Wechsel 2022 war der gebürtige Schleswig-Holsteiner beim FC St. Pauli nicht durchgängig gesetzt, kam dort in der 2. Bundesliga aber immerhin auf eine Startelfquote von 74 %. Insgesamt bringt es Becker auf 132 Erst- und Zweitligaspiele.
Kein Castrop-Typ
Dass Becker beim FCN künftig die erwähnte „Box-to-Box“-Rolle als Castrop-Nachfolger übernehmen würde, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Der Linksfuß überzeugt eher durch Spielintelligenz und Technik als durch Dynamik und Physis. Dribblings und Tempoläufe sind nicht sein bevorzugtes Mittel, um das Spiel nach vorne zu tragen – seine entsprechenden Daten aus der Bundesliga fallen im Vergleich zu Jens Castrop eher zurückhaltend aus.
Allerdings zeigte Becker während seiner Zeit beim FC St. Pauli, dass er durchaus ein Spieler sein kann, der zwischen den Strafräumen Meter macht. In der 2. Liga kam er auf fast fünf Dribblings und Läufe mit Ball pro 90 Minuten – also nicht allzu weit entfernt von Castrops knapp sieben aus der Vorsaison. Was die Maximalgeschwindigkeit angeht, kam Becker in den letzten drei Jahren nie über 32,4 km/h hinaus (Castrop: 34,6 km/h) – gilt aber dennoch als laufstark.
Option auf der Sechs?
Heißt: Becker ist durchaus variabel, seine Stärken liegen aber klar in Handlungsschnelligkeit, Übersicht und Pass- und Kombinationsspiel – Eigenschaften, mit denen er dem zuletzt stockenden Übergang ins letzte Drittel helfen kann. Damit wird er auch zu einer denkbaren Option als Taktgeber auf der Sechserposition.
Einerseits, weil er als pressingresistent gilt und bei der TSG in der Vorsaison unter allen Spielern mit mindestens 500 Minuten die vierthöchste Erfolgsquote unter Druck aufwies. Andererseits, weil er es versteht, gegnerische Angriffe zu antizipieren – sei es durch das Abfangen von Pässen oder gutes Timing im direkten Duell.
Ob Becker weiträumig genug verteidigt, um alleiniger Sechser vor der Abwehr zu sein, darf bezweifelt werden. Auf einer Doppelsechs neben Caspar Jander – etwa in einem 4-2-2-2 – wäre der spielintelligente Techniker hingegen gut vorstellbar. Dort könnte er Jander absichern und diesem mehr Freiheiten mit Ball verschaffen. Beckers Aktionsradius im letzten Drittel ist ohnehin gering. Eine ähnliche Rolle hatte Becker in der Rückrunde auch bei der TSG, als er sich kurzzeitig in die Startelf spielte und zu Jahresbeginn neun Spiele im Mittelfeldzentrum absolvierte. Zuvor fiel er mit einem Meniskusschaden aus.
Variable Verstärkung
Aufgrund seiner Vielseitigkeit wäre spannend zu beobachten sein, wie der FCN Becker einbauen möchte. Im Mittelfeld spielte er bereits jede Position von der Sechs über die Acht bis zur Zehn – zuletzt aber eher defensiver. In Nürnberg könnte er daher erneut auf einer der tieferen Positionen eingesetzt werden. Fest steht: Mit seiner Technik, Übersicht und Spielintelligenz brächte Finn Ole Becker Qualität – in welcher Rolle auch immer.