Gegnervorschau: Warum der Tabellenletzte Osnabrück kein Selbstläufer wird

Vorschau zum 20. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga: der 1.FC Nürnberg empfängt den Tabellenletzten VfL Osnabrück. Der CLUBFOKUS blickt analytisch auf die Partie: Aufstellungen, Taktik, Stärken, Schwächen & was der 1. FCN machen muss, um den Hannover-Auftritt vergessen zu machen.

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Bildquelle Uwe Koschinat: VfL Osnabrück

Nach dem 3:0-Heimerfolg gegen Hansa Rostock folgte für den 1.FC Nürnberg vergangenes Wochenende in Hannover eine herbe Enttäuschung. Eine Woche später ist man nach wie vor auf der Suche nach dem aktuellen Leistungsstand. Derzeit rangiert man auf Platz 9. In der Tabelle trennen den Club sowohl nach oben als auch nach unten einige Punkte, weshalb man grundsolide im Mittelfeld rangiert. Um nicht aus der oberen Tabellenhälfte abzurutschen, scheint der kommende Gegner perfekt geeignet. Schließlich kommt mit dem VfL Osnabrück das abgeschlagene Tabellenschlusslicht ins Frankenland zu Besuch. Die Mannschaft von Uwe Koschinat belegt mit 10 Punkten den letzten Tabellenplatz, der Abstand auf die Plätze vor ihnen beträgt ebenfalls 10 Punkte, was die nahezu aussichtslose Situation der Niedersachsen nochmal unterstreicht. Ein Sieg gegen Paderborn, als man über 70 Minuten in Überzahl agierte, hätte die Situation etwas aufbessern können. Am Ende blieb es aber beim torlosen Remis.

Aufwärtstrend unter Uwe Koschinat?

Der ehemalige Nürnberger Co-Trainer und Osnabrücker Aufstiegstrainer Tobias Schweinsteiger musste im Laufe der Hinrunde seinen Posten abgeben. Nachfolger wurde Uwe Koschinat, der in der vergangenen Saison als Trainer mit Arminia Bielefeld im Rückspiel sich mit 2:2 vom FCN trennte. Unter Koschinat stabilisierte man sich zuletzt und konnte unter anderem gegen St. Pauli, Hertha und Paderborn punkten. Zwar verlor man nur eine der letzten 4 Partien. Mit 3 Unentschieden holte man aber selbst in dieser Phase deutlich zu wenig Punkte, um den Anschluss an die anderen Teams noch einmal herzustellen.

Osnabrücks Spielstil unter Koschinat: hohe Aktivität, viel Flügelspiel

Unter Uwe Koschinat zeigte man sich in den letzten Wochen deutlich kompakter als noch zu Saisonbeginn. Verteidigte man in dessen ersten Partien noch deutlich tiefer, störte man zuletzt den Gegner schon früh bei dessen Spielaufbau. Mit einer Mischung aus sehr strikten und klaren Mannorientierungen im Zentrum und einer eher raumorientierten Positionierung am Flügel versucht man, den Gegner vom eigenen Tor wegzuhalten. Durchaus erfolgreich – der VfL verzeichnete zuletzt sehr viele Balleroberungen im Mittelfeld und ging situativ sogar in das Angriffspressing über. Idealtypisch verläuft das Umschaltspiel nach Ballgewinn gegen einen ungeordneten Gegner über die eigenen Flügelspieler. Prädestiniert hierfür ist vor allem Rechtsaußen Christian Conteh, der mit über 36 km/h Top-Speed der schnellste Spieler der 2. Fußball-Bundesliga ist. Im eigenen Ballbesitz zeigen sich aber nach wie vor die großen Osnabrücker Probleme. Es fehlen die spielerischen Mittel, um einen kompakten Block auseinander zu ziehen und zu knacken. Zu selten findet man Lösungen durch das – in der Theorie um Cuisance & Co. durchaus spielstarke – Zentrum. Stattdessen spielt man früh den Ball auf die Außenbahn, um nicht in den gegnerischen Druck reinzuspielen. Viele überwiegend ungefährliche Hereingaben aus dem Halbfeld sind die Folge.

Neugewonnnene Stärke: Kompaktes Kollektiv

Auch wenn es sich für einen Tabellenletzten mit 40 Gegentoren durchaus skurril anhört: die Osnabrücker Stärke ist das Spiel gegen den Ball und die zuletzt gezeigte Kompaktheit. Immerhin 2 der letzten 3 Partien konnte man ohne Gegentor absolvieren. Mit vielen Sprints und – anders als in der Hinrunde – viel Intensität bearbeitet und verschiebt der VfL konsequent, um die Abstände gering zu halten. Wie bereits erwähnt, verteidigte Osnabrück zuletzt relativ hoch. Man zeigte aber unter anderem in der Wintervorbereitung gegen St. Pauli, dass man gegen den entsprechenden Gegner auch sehr tief und kompakt stehen kann. Am Ende gewann man das Vorbereitungsspiel gegen den Ligaprimus sogar.

VfL-Probleme: Fehlende Kreatvität

Dass Erik Engelhardt, ehemaliger Jugendspieler des Clubs, mit 6 Scorerpunkten mit Abstand der Top-Scorer des Aufsteigers ist, sagt vieles über die Offensivausbeute des Tabellenletzten. Vor allem aus dem Mittelfeld fehlen die Ideen, um auch mit Ball für Ertrag zu sorgen. Die Ausbeute der Torvorlagen spricht hier Bände. Der eigentliche Stratege und Standardschütze Cuisance kommt auf 0 Torvorlagen. Routinier Robert Tesche auf 1. Dave Gnaase, der zuletzt als Quarterback vor der Viererkette agierte, verzeichnet so viele wie Cuisance. Unter dem Strich sicherlich auch eine Frage der fehlenden Qualität. Gelingt es dem VfL Osnabrück nicht, durch Umschaltsitutionen oder Balleroberungen im Anlaufen oder Gegenpressing für Gefahr zu sorgen, hatten die Gegner bis dato nur wenig Probleme, die Osnabrücker Angriffe zu verteidigen.

Key Player: Ex-Cluberer Erik Engelhardt

Als Fixpunkt im Angriff spielt der beim 1. FCN ausgebildete und in Oberfranken geborene Erik Engelhardt eine sehr wichtige Rolle beim VfL Osnabrück. Mit seiner Körperlichkeit ist der 25-jährige Stürmer unabdingbar für den VfL, wenn es darum geht, die gegnerischen Linien mit langen Pässen zu überspielen. In der Folge betreibt Engelhardt einen hohen Abnutzungskampf gegen die gegnerischen Innenverteidiger und führte bisher die meisten Zweikämpfe aller Spieler der 2. Bundesliga. Statt auf einschussbereite Bälle zu hoffen – was beim VfL Osnabrück in dieser Saison ohnehin unrealistisch wäre – weicht er auch viel in die Halb- und Zwischenräume aus. Auch deshalb spulte Engelhardt bis dato die meisten Kilometer aller Osnabrücker ab. Aufgrund der angesprochenen Offensiv-Probleme des Tabellenletzten rückt seine eigentliche Kernaufgabe als Mittelstürmer oftmals ins zweite Glied. All zu viel Platz sollte man dem Linksfuß dennoch nicht geben. Denn über die Hälfte seiner Abschlüsse gehen aufs Tor. Zudem sind seine 5 Tore in 19 Einsätzen angesichts der Osnabrücker Gesamtausbeute von nur 16 Toren keine schlechte Quote.

Key to Win: offensives & defensives 1-gegen-1

Für den 1. FC Nürnberg wird es gegen den VfL Osnabrück von großer Bedeutung sein, eine eigene große Stärke einzusetzen: das 1-gegen-1. Schließlich gibt es in der bisherigen 2. Bundesliga-Saison kaum eine Mannschaft, die mehr Dribblings gewann. Gegen einen kompakt verteidigenden Gegner wie den VfL gilt es daher, das Spielfeld möglichst breit zu machen, um 1-gegen-1-Duelle auf dem Flügel herzustellen. Die dribbelstarken Nürnberger um Okunuki, Goller & Uzun können dadurch ihre Tempovorteile gegen die Verteidiger der Lila-Weißen besser nutzen und Richtung Sechzehner ziehen. Dass diese Herangehensweise dem Tabellenletzten Probleme bereiten kann, zeigt die Statistik. Denn die Niedersachsen lassen nicht nur sehr viele Ballführungen des Gegners in den Strafraum zu. Darüber hinaus ist man mit Abstand das Team der 2. Liga, dass die meisten Tore nach vorangegangen Dribblings des Gegners kassiert. Diese Anfälligkeit des kommenden Gegners sollte der Spielanlage des 1. FC Nürnbergs entgegenkommen.

Bevor der Club jedoch über Offensivaktionen nachdenken kann, müssen die in Hannover so schmerzlich vermissten Basics abgerufen werden. Die nur 55% gewonnenen Defensiv-Zweikämpfe stellten für den FCN den zweitschwächsten Wert der laufenden 2. Bundesliga-Saison dar. Insbesondere gegen körperbetonte Osnabrücker wird eine gewisse Zweikampfhärte die Grundlage sein, um das Spiel positiv zu gestalten. Sollte man den Gästen die Chancen geben, sich über diese Komponente ins Spiel zu beißen, könnte es ein unangenehmes Heimspiel für die Fiel-Elf werden.

Cristian Fiél bei der Spieltags-PK vor Osnabrück, angesprochen auf den letzten Auftritt in Hannover

Ausblick: Geduldsspiel für den 1. FC Nürnberg?

Auch wenn der letzte und bislang einzige Saisonsieg der Osnabrücker bereits viele Monate zurückliegt, bewies man in den vergangenen Wochen, dass man mit jedem Team dieser Liga mithalten kann. Dies will man sicherlich auch von der ersten Minute an den 1. FC Nürnberg spüren lassen. Auf Nürnberger Seite wird man hingegen interessiert daran sein, den desolaten Auftritt in Hannover vergessen zu machen. Sollte man wie im letzten Heimspiel gegen Rostock diszipliniert verteidigen können, stehen die Chancen auf ein Zu-Null-Spiel gegen bisher offensiv harmlose Osnabrücker gut. Da der Club allerdings selbst nicht als Tormaschine bekannt ist und der VfL immerhin in zwei der letzten 4 Spiele die Null halten konnte – dazu ein 1:1 gegen den Tabellenführer St. Pauli – könnte sich ein Geduldsspiel am 20. Spieltag im Achteck zu Nürnberg entwickeln.

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