Gegen das eigene Spiegelbild: „Wir wollen Tore schießen“

Nicht nur in der Tabelle, sondern auch bei der fußballerischen Herangehensweise liegen der 1. FC Nürnberg und der SC Paderborn nah beieinander. Gegen einen flexiblen Gegner will FCN-Trainer Cristian Fiél Tore und drei Punkte sehen. Der CLUBFOKUS gibt einen Ausblick auf den kommenden Gegner bzgl. Taktik, Aufstellungen sowie Stärken und Schwächen. Vorbericht zum 30. Spieltag der 2. Bundesliga.

Spielvorschau Analyse 1. FC Nürnberg SC Paderborn Fiél Hecking
Foto: fcn.de

Einige Parallelen zwischen FCN & SCP

Mit dem SC Paderborn empfängt der 1. FC Nürnberg ein Team, das durchaus einige Parallelen zum Club mitbringt. Beide verfügen über viele junge Spieler, wollen aktiven Fußball spielen und verzeichneten in dieser Spielzeit bereits mehrere Höhen und Tiefen. Nach einem schwierigen Saisonstart stabilisierte sich die Kwasniok-Elf und befand sich bis vor wenigen Spieltagen sogar noch in Schlagdistanz im Kampf um die Aufstiegsplätze. Die Form spricht aber zumindest statistisch für die Fiél-Elf. Denn während der Club seit 4 Partien auf einen Sieg wartet, sind es beim kommenden Gegner ganze 6 Spiele. Durch das 1:1 am vergangenen Wochenende gegen den Karlsruher SC konnte Paderborn aber bereits die magischen 40 Punkte knacken. Dies will der FCN am Freitagabend im Heimspiel nachholen, wie auch Cheftrainer Cristian Fiél vor der Partie unterstreicht: „Es gilt, von Beginn an diese Form an den Tag zu legen, die zeigt, dass wir nichts anderes als diese drei Punkte wollen.“


„Spiegelbild ist vielleicht zu krass ausgedrückt. Aber bezüglich der Wellentäler auf jeden Fall. [..] Und beide versuchen, den fußballerischen Ansatz zu wählen.“

Cristian Fiél
auf die Frage, ob beim Spiel zwischen dem FCN und dem SCP zwei Spiegelbilder aufeinander treffen


Nürnberg trifft auf viel Flexibilität

Die Vorbereitung auf das Spiel gegen den SCP ist für das Cluberer Trainerteam einer der schwierigeren in dieser Spielzeit. Paderborn agiert nahezu jede Woche aus anderen Räumen heraus und arbeitet diesbezüglich mit vielen Gegneranpassungen, wodurch man nie genau weiß, in welcher Struktur sie aufbauen oder auch anlaufen. Die prinzipielle Ausrichtung ist aber sehr eindeutig: offensiv. In der Rückrunde ist man etwas vertikaler als noch in 2023 ausgerichtet. In der vergangenen Saison hatte man mit 61% Ballbesitz den höchsten Anteil der Liga. Die leichte Abkehr davon hat wohl auch mit dem Abgang von Florent Muslija zum SC Freiburg im Winter zutun. Häufig sucht man die Tiefe, die unter anderem durch den schnellen Conteh (über 36km/h Top-Speed) belaufen wird. Trainer Lukas Kwasniok fordert aber auch nach wie vor kontrollierte und spielerische Lösungen ein. So ähnlich wiederholte er dies vor der PK gegen Nürnberg nochmal. Man definiere sich über Ballbesitz, denn „wenn wir den Ball zu häufig abgeben, dann sind wir nicht so gut“.

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Intensität notwendig

In einer Hinsicht treffen aber zwei komplette Gegensätze aufeinander. Während der Club in puncto Sprints in 2024 den letzten Platz belegt, thront Paderborn in dieser Kategorie auf dem ersten Platz. Paderborn spielt in diesem Jahr mit sehr hoher Intensität, verzeichnet viele hohe Balleroberungen und agiert im Spiel nach vorne variabel. Man beherrscht es, fußballerische Lösungen durch das Zentrum zu finden. Über Aaron Zehnter hat man auf der linken Schiene einen Spieler mit guten Flankenqualitäten. In der Offensive verfügt man über verschiedene Spielertypen. Grimaldi, Conteh, Bilbija, Kostons und Co. bringen alle unterschiedliche Stärken mit. Vom Zielspieler über den schnellen Sprinter bis hin zum spielintelligenten Zocker im Halbraum. Wie früh der Nürnberger Spielaufbau unter Druck gesetzt wird, ließ Kwasniok noch etwas offen. Dabei scheint es 2 Optionen zu geben: „Wir verteidigen nach vorne: wirklich mit dem aller letzten Schritt. Oder wir bleiben in der Kompaktheit zusammen, ansonsten sind die Räume zu groß.“ Der Gästetrainer betonte auch immer wieder seinen Respekt vor dem FCN, der laut ihm über eine „sehr interessante Mannschaft“ verfügt.

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Nürnbergs Credo: Räume im Umschaltspiel nutzen

Außer Frage steht aber gleichzeitig, dass der SCP durchaus verwundbar ist. Vor allem nach Balleroberung passt die Abstimmung nicht immer. So auch letzte Woche beim Ausgleichstreffer der Karlsruher, die den Ball im eigenen Strafraum eroberten und nach einem schlechten Gegenpressing-Moment des SCP viel grüne Wiese vor sich fanden. Auch die Statistik bestätigt dies: mit 10 Kontergegentoren und 11 Gegentreffern nach eigenem Ballverlust belegen die Gäste in dieser Hinsicht Platz 18 und 17 im 2. Liga-Ranking. Für den Club gilt es somit, zum einen aufgrund der Paderborner Offensivqualitäten selbst die Tiefe gut zu sichern. Zum anderen finden sich sicherlich mehr Freiräume als zuletzt auf Schalke, die es besser und sauberer auszuspielen gilt. Auch FCN-Trainer Cristian Fiél formuliert seine Ansprüche an die Partie sehr deutlich: „Mehr unser Gesicht zeigen, wie wir es in Berlin gezeigt haben. […] Intensiver spielen. […] Dass wir uns durchsetzen. Dass wir hinter ihre letzte Kette kommen. Wir wollen torgefährlich sein. Wir wollen Tore schießen.“

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Spielertyp Gyamerah und Brown: Raphael Obermair

Nicht nur beim 1. FC Nürnberg ziehen die beiden Außenverteidiger im eigenen Ballbesitz häufig in die Spielfeldmitte. Auch die Gäste nutzen immer wieder solche Abläufe. Am Freitagabend wird es aber zumindest nicht Raphael Obermair sein. Der 28-Jährige agiert in der Regel als rechter Schienenspieler und schiebt mit Ball in Richtung Zentrum. Zuletzt bot ihn Lukas Kwasniok aber etwas überraschend im Mittelfeldzentrum als defensiven Part vor der 3er-Kette auf. Gegen den FCN wird er nach starker Leistung aller Voraussicht nach erneut im Zentrum agieren. Obermairs Stärken sind sehr vielseitig. Er verfügt über einen hohen Offensivdrang, eine starke Ballführung, über ein gutes Auge für seine Mitspieler im letzten Drittel und über eine sehr hohe Dynamik. Vor 2 Wochen im Heimspiel gegen die Hertha trat er mit einem wundervoll verwandelten Freistoß auch als Torschütze in Erscheinung.

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Mehr als nur 40 Punkte im Blick

Die Stimmung im Nürnberger Umfeld war sicherlich schon mal besser im Laufe der Saison. Gerade deshalb ist es am Freitagabend extrem wichtig, gut zu performen und in der Folge im besten Fall auch 3 Punkte einzufahren. Mit dann endlich 40 Punkten könnten auch die aller letzten Restzweifel in Bezug auf die Ligazugehörigkeit ad acta gelegt werden. Der Gegner aus Paderborn ist sicherlich kein leichter, aber vor allem zu Hause zweifelsfrei ein machbarer. Noch immer ist das Hinspiel sehr präsent, das aber natürlich von den Gegebenheiten sowohl beim Club als auch bei den Gästen nicht als Blaupause herangezogen werden kann. Wenngleich man sich im Frankenland natürlich einig ist: ein 3:1 für den FCN wäre eine feine Sache.


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