Fehlt es dem Club an Intensität?

Bezüglich Laufdaten und Intensität stürzte der 1. FC Nürnberg in der Rückrunde rapide ab. Wie aussagekräftig ist dies? Resultieren daraus sogar viele vermeidbare Gegentreffer? Der CLUBFOKUS liefert Antworten.

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Foto: FCN

Laufdaten wie absolvierte Kilometer, Sprints und Intensive Läufe haben nur bedingt Aussagekraft im Fußball. Zwar sind in der 2. Liga die beiden Spitzenreiter Holstein Kiel und St. Pauli in diesen Kategorien weit vorne, aber es gibt gleichzeitig ausreichend Gegenbeispiele für eine mögliche Korrelation zwischen Laufdaten und Erfolg. Beim 1. FC Nürnberg zeigt sich hier aber ein klarer Trend, der keinem gefallen dürfte. Vor allem, weil er indirekt auch mit vielen vermeidbaren Gegentreffern zusammenhängt.


„100%. […] Da haben wir schon das ein oder andere Mal drüber gesprochen. Wenn es um Intensität geht – sowohl nach hinten, als auch nach vorne – da haben wir sicherlich noch Verbesserungspotenzial.“

Cristian Fiél
auf die Frage, ob ihm auf Schalke Bereitschaft und Bewusstsein für Sprints nach Ballverlust fehlten.


Nürnberg als Schlusslicht

Blickt man auf die Laufdaten in der Rückrunde, steht der Club auf dem letzten Platz. Lediglich im Spiel gegen den VfL Osnabrück lief man etwas mehr als der Gegner, ansonsten hatte man hier stets das Nachsehen. Sicherlich gibt es Argumente und Erklärungen hierfür. Zum Beispiel, dass man in 2024 wesentlich mehr auf Kompaktheit und Räume schließen im Spiel gegen den Ball fokussiert ist. Auch, dass man im Derby und gegen Kiel lange Zeit in Unterzahl agieren musste. Und dennoch lassen sich einige – unnötige – Gegentore auch auf zu wenig abgespulte Meter schieben. „Es sind 2 Situationen, in denen wir ihren Außenverteidiger laufen lassen.“ – nennt Fiél als Beispiel das Spiel gegen die Hertha. Der Nürnberger Flügel, in diesem Fall Okunuki, dachte sich „das macht schon der Kollege“. Dem war nicht so. Aus solchen Situationen kassierte man in Berlin 2 Gegentreffer in wenigen Minuten und gab so eine komfortable Führung aus der Hand. Es fehlt also mitunter am Wahrnehmen und Erkennen von gefährlichen Situationen, was sich dann auch in den Laufdaten widerspiegelt.

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Von Platz 1 auf 18

In der Hinrunde war es die große Nürnberger Stärke, sich in den richtigen Situationen spielerisch aus Gegnerdruck zu befreien. Nach Ballverlust war man häufig eng positioniert, um die nötige Restverteidigung aufrecht zu halten. Das hat sich gar nicht so sehr geändert. Klar verliert man den ein oder anderen Ball zu viel – und vor allem auch unnötig – aufgrund falscher Entscheidungen und technischer Fehler. Die Frage ist jedoch auch immer, wie man darauf reagiert. Vor allem hier machte man im Vergleich zum Saisonstart einen deutlichen Schritt zurück. In der Hinrunde war man mit lediglich einem Gegentreffer nach eigenem Ballverlust das beste Team der Liga. In der Rückrunde kassierte man auf diese Art und Weise bereits 6 (!) Gegentreffer und rutschte von Platz 1 auf 18 ab. Zuletzt auch zwei mal auf Schalke.

Fehlende Bereitschaft?

Nach dem Spiel auf Schalke spricht man über ähnliche Themen wie zuletzt häufig. „Es gibt keinen Grund, den Ball zu verlieren“ – moniert Fiél zu Recht. Und zum anderen findet das Umschalten in Richtung Defensive nicht statt. Ein Zeichen fehlender Bereitschaft, die nötigen intensiven Meter auch nach hinten zu machen? Zumindest die Daten belegen diese These durchaus. Wirft man einen Blick auf die absolvierten Sprints, hat sich der Club auch hier rapide verschlechtert. Stand man nach der Hinrunde noch auf Platz 7 in dieser Kategorie, ist man mittlerweile auf dem letzten Rang anzusiedeln. 25 Sprints weniger pro Spiel absolviert die Fiél-Elf in 2024 im Vergleich zu den ersten 17 Spieltagen. In jedem Spiel war man in der Rückrunde dem Gegner in dieser Hinsicht unterlegen.

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Ein Puzzleteil

Sicherlich lassen sich die Gegentreffer nicht nur durch fehlende Intensität erklären. Die Kombination aus dieser und dem oftmals fehlenden Bewusstsein und Wahrnehmen von Gefahrensituationen ist allerdings keine gute. Und auch abschließend sei nochmal gesagt, dass es keine zwingende Korrelation zwischen Laufdaten und Erfolg gibt. Es gilt, diese in den richtigen Zusammenhang zu stellen. Beim Club tut man sich aktuell aber schwer, diesen Zusammenhang positiv zu interpretieren. Vor allem, da diese Fehler über den taktisch-technischen Bereich oftmals hinausgehen, was auch das Argument der noch jungen Mannschaft ausräumt.


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