FCN zerlegt den KSC: Was diesmal komplett anders lief

Der 1. FC Nürnberg präsentiert sich zielstrebig, effizient – und mit klaren Vorteilen im Zentrum. Auch wenn es nach 20 Minuten noch nicht zwingend so aussah.

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Foto: DO IT NOW Media

Fünf Wechsel

Miroslav Klose ist während seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg noch nicht durch viele Wechsel in der Startformation aufgefallen. Am 22. Spieltag, als der FCN auf den Karlsruher SC traf, änderte sich dies. Gleich fünf neue Spieler brachte er im Vergleich zur Vorwoche von Beginn an aufs Feld.

Finn Ole Becker und Rafael Lubach mussten aufgrund ihrer Sperre passen und wurden durch Rabby Nzingoula und Tom Baack ersetzt. Fabio Gruber kehrte nach abgesessener Gelbsperre für Styopa Mkrtchyan zurück in die Startelf. Ansonsten durfte Adriano Grimaldi für Piet Scobel beginnen und Justin von der Hitz kam rechts hinten – anstelle von Tim Janisch – zu seinem Zweitligadebüt.

Ausgeglichen

Dass es am Ende ein sehr deutlicher Nürnberger Sieg werden würde, deutete sich in der Anfangsphase noch nicht zwingend an. Auch der KSC zeigte hier den ein oder anderen fußballerischen Ansatz. Es war jedoch früh erkennbar, dass die Gäste dem Club einige Räume anbieten würden – beispielsweise nach Ballverlusten, als die Abstände durch die Karlsruher Struktur sehr groß wurden.

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Der FCN brachte von Anfang an eine gute Energie auf den Platz, lief etwa 119 km (nur zweimal mehr in dieser Saison). Gegen den Ball agierte man aus dem 4-3-3 heraus mutig und häufig im 1-gegen-1 in der Defensive.

Den FCN-Spielaufbau versuchten die Badener relativ hoch zu pressen – etwas, was sie ansonsten eher selten machen. Vermutlich auch, da beim Club Spieler wie Becker oder Lubach fehlten, die sich aus solchen Situationen regelmäßig spielerisch befreien können. Dennoch ergaben sich auch hier Freiräume und vor allem im Zentrum Überzahlsituationen für die Klose-Elf. Gegen das 4-4-2 der Gäste hatte man in der ersten Aufbaulinie Überzahl, da neben den beiden Innenverteidigern entweder Torwart Jan Reichert in den Dreieraufbau schob oder sich Adam Markhiyev hineinfallen ließ. Auch eine Reihe weiter vorne hatte man durch die Raute eine numerische Überzahl, aus der man zunächst jedoch noch kein Kapital schlagen konnte.

Effizient

Der Club hatte sicherlich schon bessere Anfangsphasen in der Rückrunde gespielt als am Freitagabend. Für diese belohnte man sich jedoch zumeist nicht. Gegen Karlsruhe zeigte man sich diesmal besonders effizient. Das 1:0 entsteht nach einem langen Ball Berkay Yilmaz’, den Mohamed Ali Zoma mit außergewöhnlicher Sprungkraft behauptet und auf Adriano Grimaldi verlagert. Über Umwege landet der Ball bei Julian Justvan, der mit etwas Glück zur Führung trifft. Gäste-Trainer Christian Eichner sprach nach dem Spiel von „dilettantischem Abwehrverhalten“ bei seiner Mannschaft – was auch bei diesem Treffer zutraf.

Paradebeispiel

Das zweite Tor war ein Paradebeispiel für die bereits erwähnten Räume, die der FCN vorfand. Der KSC verliert im Spielaufbau den Ball und ist in dieser Situation sehr offensiv positioniert. Vier Spieler stehen ganz vorne, beide Außenverteidiger sind ebenfalls weit aufgefächert. Der FCN hingegen ist mit vielen Spielern im Zentrum positioniert. Grimaldi bekommt den Ball, kann sich aufdrehen, dribbeln und den ebenfalls freien Justvan bedienen, der seinen Doppelpack perfekt macht.

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Gut eingestellt war der Club auf die Karlsruher Struktur, wodurch sich nach Balleroberungen sehr große Freiräume im Zentrum ergaben. Auch die Zielstrebigkeit, mit der man diese ausspielte, war nicht immer vorhanden. Hier: Szene vor dem 2:0 – Justvan blockt einen gegnerischen Pass ab, wenige Sekunden später erhöht er mit seinem Doppelschlag.

Das dritte Tor ist abermals sehr schlecht verteidigt – und vom FCN gut ausgenutzt. Reicherts langer Ball landet bei Grimaldi, der ihn festmacht, den tiefgehenden Nzingoula bedient, dessen Hereingabe Zoma verwandelt. Der KSC fiel auseinander, der Club nutzte seine Gelegenheiten sehr effizient.

Früh entschieden

Nach der Halbzeit versuchten die Gäste noch einmal, alles zu riskieren. Drei Wechsel zur Halbzeit und Mann-gegen-Mann in der Defensive sollten die Wende bringen. Der FCN fokussierte sich vor allem auf eine stabile Defensive und Umschaltsituationen. Als Zoma in der 50. Minute nach Vorarbeit von Justvan und Nzingoula das 4:0 erzielte, war die Partie endgültig entschieden.

Zwar konnte der KSC nach einem Foulspiel von von der Hitz durch Wanitzeks Elfmeter noch einmal verkürzen, Zoma stellte jedoch kurze Zeit später den 5:1-Endstand her.

Positive Geschichten

So lohnt es sich kaum, in der zweiten Halbzeit auf Details einzugehen, obwohl der FCN in der Schlussphase beispielsweise seine Formation gegen den Ball hin zum 4-2-3-1 änderte. Vor allem sind jedoch die Einsatzminuten von Marko Soldic oder Ayoub Chaikhoun zu erwähnen. Auch für Justvan, der zuletzt viel kritisiert wurde, tat das Spiel gut. Aus den vielen Räumen im Zentrum konnte Nürnbergs Zehner viel Gefahr initiieren. In der Defensive war Luka Lochoshvili einmal mehr Fels in der – nicht allzu wilden – Brandung.

Zoma machte mit der gegnerischen Defensive nahezu, was er wollte, auch Grimaldi brachte einen deutlichen Mehrwert und war an mehreren Toren in der Entstehung beteiligt. Auffällig war zudem das Mismatch mit der Karlsruher Innenverteidigung. Franke und Scholl, die von Anfang an aufliefen, kamen am Ende auf einen Top-Speed von 28,9 respektive 26,1 km/h – Zoma und Grimaldi verzeichneten hingegen 34,4 bzw. 32,7 km/h.

Viele Faktoren

Am Ende waren es viele Faktoren, die zum deutlichen Erfolg beitrugen. Auch, dass man ohne Becker und Lubach deutlich schneller die vertikale Lösung in Richtung Sturm suchte, trug dazu bei – und kam den Profilen Baacks und Nzingoulas entgegen. Nicht nur die Positionierungen nach Balleroberungen waren gut, auch die Zielstrebigkeit, mit der man die Angriffe ausspielte, bereitete dem Gegner Probleme. Die außergewöhnlich effektive Chancenverwertung sorgte schließlich für den zweiten Sieg mit mehr als einem Tor und den ersten Saisonsieg mit mehr als zwei Toren Vorsprung überhaupt.