FCN: Wie sich eine „Trainingsmaschine“ in die erste Elf spielte

Vom Bankdrücker zur festen Option – eine Entwicklung, die vor einigen Wochen noch nicht absehbar war.

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Foto: DO IT NOW Media

Überraschende Entscheidung

76 Minuten auf Schalke; das war bis vor kurzem der kürzeste Einsatz von Finn Ole Becker im Trikot des 1. FC Nürnberg, nachdem er im Sommer zum FCN gewechselt war. Der 25-Jährige stand meist in der Startelf und wurde – wenn überhaupt – nur in den Schlussminuten ausgewechselt. Nach seiner fünften gelben Karte musste er gegen den KSC am 22. Spieltag erstmals passen. Dass er eine Woche später in Bochum erneut auf der Bank saß, überraschte dennoch – und wäre vor einigen Wochen kaum vorstellbar gewesen.

Schwieriger Start

Dass Nürnbergs Trainer Miroslav Klose auf den ehemaligen Hoffenheimer verzichtete, hängt stark mit Tom Baack zusammen. Im Sommer war der gebürtige Essener nach seinem Wechsel zum Club schnell kritisiert worden – auf dem Feld wirkte er zunächst unsicher. Das höhere Spieltempo, die Intensität und ein anderer Spielstil machten sich bemerkbar. „Ich habe mit meinen Leistungen zu Saisonstart auch Fläche geboten und keinen Hehl daraus gemacht, dass ich selbst unzufrieden war“, sagt er im Interview auf fcn.de. Zwischen dem 4. und 13. Spieltag blieb er sogar komplett ohne Einsatzminute.

Trainingsmaschine und eine echte Option

Nachdem neben Becker auch Rafael Lubach gesperrt fehlte, durfte Baack jedoch gegen Karlsruhe das erste Mal in der Rückrunde von Beginn an auflaufen, was ihm auch seine Mitspieler gönnten. Besonders geschätzt wird Baacks Fleiß. Als „eine Trainingsmaschine“ tituliert ihn Julian Justvan, der auch die Geduld Baacks hervorhebt: „Er hat auf seine Chance gewartet, ist immer da und gibt immer 100 %. […] Er ackert fürs Team, solche Spieler brauchst du.“ Zur Belohnung durfte er zuletzt zweimal in Folge von Beginn an spielen.

Mittlerweile scheint Klose in ihm eine echte Option zu sehen. Zwar agiert er im Ballbesitz relativ unspektakulär, löst sicherlich weniger Drucksituationen als Becker und Co. auf, bringt aber dafür eine extreme Laufstärke mit und eine hohe Workrate gegen den Ball, durch die er viele Löcher zuläuft. Beim 1:1 in Bochum bereitete er nach einem guten Laufweg und einer starken Flanke zudem den Nürnberger Führungstreffer von Mohamed Ali Zoma vor.

Markhiyev-Ersatz

„Nur weil ich zwei Spiele von Anfang an gespielt habe, bin ich noch kein Stammspieler“, bleibt Baack dennoch gewohnt demütig. Dass er am kommenden Wochenende in Berlin erneut von Beginn an auflaufen wird, ist angesichts der Gelbsperre von Adam Markhiyev wahrscheinlich. Gut möglich, dass er dann sogar auf der Sechserposition eingesetzt wird – dort feierte er sogar sein Startelfdebüt für den FCN am 17. Spieltag gegen Hannover, als Markhiyev ebenfalls fehlte. „Wir fahren da hin und wollen gewinnen“, möchte Nürnbergs Nummer 5 bei der Hertha erneut Grund zum Feiern haben.