Fokus auf die eigenen Stärken
Da der 1. FC Nürnberg nicht genau wusste, was für ein Gegner ihn angesichts des zuvor stattgefundenen Trainerwechsels erwarten würde, richtete FCN-Trainer Miroslav Klose das Hauptaugenmerk auf die eigene Mannschaft: „Dementsprechend haben wir mehr Fokus auf uns gelegt, dass wir die Sachen gut machen.“ Nimmt man als Bewertungsgrundlage die erste Halbzeit und vor allem die Anfangsphase heran, lässt sich kein positives Urteil fällen. Vom Fokus auf die eigenen Stärken war kaum etwas zu sehen – beziehungsweise führten sie nicht wirklich zu nennenswerten Torraumszenen.
Wenig los
Offensiv fand der Club nicht statt. Gerade einmal vier Ballaktionen im gegnerischen Strafraum verzeichnete die Klose-Elf, was seit dem dritten Spieltag mit Abstand der schwächste Wert war. Es fehlte dem Nürnberger Spiel an Mut und vor allem Tiefe. Obwohl die Fürther in einem flachen 4-4-2 tief verteidigten, spielte der Club im ersten Durchgang nur 23 Pässe im Angriffsdrittel, die Fürther trotz deutlich weniger Spielanteilen immerhin 16 – bei beiden Teams lag die Präzision dabei bei unterdurchschnittlichen 59 %. Dass diese Statistik nach dem Wiederanpfiff auf 53:9 gespielte Pässe im letzten Drittel auseinanderging, hatte seine Gründe.
Mehr Dynamik
So ereignisarm der erste Spielabschnitt war, so sehr änderte sich dies nach der Pause. Das hatte vor allem auch mit dem FCN zu tun. Bereits während der ersten 45 Minuten waren einige Anpassungen zu sehen, später formierte man sich dann konsequent im 3-1-5-1 mit Ball, was dem Nürnberger Spiel sichtlich guttat. Dadurch schuf man hinter jeder Fürther Kette Anspielstationen. Diese konnte man nun oft finden und die Angriffe mit deutlich mehr Dynamik vortragen – auch weil die Spieler ihre Aktivität in Form von Läufen ohne Ball deutlich erhöhten. Aus solchen Läufen ohne Ball (Vorderlaufen/Hinterlaufen/Spielen und Gehen) entstanden nicht zufällig auch die meisten Chancen der Franken, von denen es nun zumindest mehr gab. Dass man die Anzahl der intensiven Läufe von 223 vor der Halbzeit auf 260 danach hochschrauben konnte, während sich die der Fürther von 247 auf 227 reduzierten, passt dabei ins Bild.

Deutlich verbessert
24 Angriffe – so viele wie zuvor nur einmal in der Saison – verzeichnete der Club in den zweiten 45 Minuten und kreierte daraus sechs Abschlüsse; zuvor waren es nur zehn Angriffe mit einem Abschluss aus dem geordneten Spiel heraus. Auch die Anzahl der Strafraumaktionen (22) nach der Halbzeit wurde in dieser Saison noch nicht übertroffen. Deshalb gab der neunfache deutsche Meister alles in allem ein stark verbessertes, mutigeres und gefährlicheres Bild ab.
Zu einfach
Demgegenüber steht eine Defensivleistung, die dem Gegner auch nicht allzu viele Chancen zugestand. Bei einer davon hatte man Glück und Torwart Jan Reichert auf seiner Seite. Bei den beiden Gegentoren funktionierte in der Entstehung das Pressing nicht, sodass beim 1:1 mit einem Ball auf die Fürther Sechserposition Adriano Grimaldi, Finn Ole Becker und Julian Justvan aus dem Spiel sind und der Gegner das Spiel beschleunigen kann. Im Strafraum steht dann am Ende Felix Klaus mehrere Augenblicke kurz vor dem Fünfmeterraum, die Nürnberger Defensive verteidigt im Raum nahe vor dem eigenen Tor – und lässt Klaus unbedrängt einschießen.
Irgendwo dazwischen
Deswegen steht das Frankenderby aus Nürnberger Sicht ein Stück weit symbolisch für die gesamte Saison. Nach einem holprigen Start hat man an den richtigen Hebeln angesetzt. Gleichzeitig schafft man es zu selten, konstant innerhalb einer Partie auf hohem Niveau zu performen – und kassiert im Zweifel unnötige Gegentore. Dennoch stehen 15 Punkte aus den letzten acht Partien zu Buche. Kritiker sagen hingegen, dass man gegen die zuvor auf Rang 18 und 17 platzierten Magdeburger und Fürther nur einen Punkt einfahren konnte. Recht haben damit irgendwo beide Seiten, weshalb die verbleibenden Spiele auf Schalke und gegen Hannover für das Stimmungsbild rund um den 1. FC Nürnberg zur Weihnachtszeit sehr entscheidend sein werden.



