Verlieren verboten
Wenn der 1. FC Nürnberg am Samstag bei Holstein Kiel gastiert, lastet auf beiden Teams viel Druck. Die Störche rutschten auf den 17. Tabellenplatz ab, der Vorsprung des Clubs auf den Relegationsplatz schmolz auf lediglich vier Zähler. Beide Teams blieben bislang auch in der Rückrunde hinter den eigenen Erwartungen zurück – Kiel ist mit sechs Punkten Letzter, der FCN sammelte 2026 auch nur zwei Zähler mehr.
Walterball
Die Franken erwartet ein Gegner, der mit dem 1:1 aus dem Hinspiel nicht zu vergleichen ist. Seit zwei Spieltagen ist Tim Walter im Amt. „Das ist schon eine andere Mannschaft als sie vorher aufgetreten ist“, hat auch Miroslav Klose klare Veränderungen festgestellt. So verzeichneten die Störche beispielsweise schon im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel gegen die SV Elversberg mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse und einen höheren Expected-Goals-Wert.
Walter, dessen Teams für den „Walterball“ bekannt sind, steht für eine sehr spezielle und extreme Art, Fußball zu spielen. Viele Positionswechsel, das Spielen und Gehen der Innenverteidiger, immer wieder flache Lösungen in den Druck hinein und im Allgemeinen extrem viele fußballerische Lösungen zeichnen seinen Stil aus. „Man sieht schon, was Tim Walter reingebracht hat. Auch wenn man sich die letzten beiden Spiele anschaut und wie viele Möglichkeiten sie sich von hinten raus erspielt haben“, analysiert Klose.
Systemwechsel
Bislang holte Walter einen Punkt gegen Elversberg und verlor 0:2 in Darmstadt, wo man vor dem Platzverweis gegen sich jedoch die bessere Mannschaft war. Der 50-Jährige änderte das System, sodass Kiel mittlerweile nicht mehr mit drei Innenverteidigern, sondern in einem 4-3-3 aufläuft und bereits viel Überzeugung für die dominante Spielweise ausstrahlt.
Gegen den Ball versucht man, an die physisch starken Daten bezüglich Laufleistung, Sprints und intensiven Läufen (jeweils Top-3) anzuknüpfen und diese in mehr hohe Balleroberungen umzumünzen. Auf den Club wartet somit ein Team, das in jeder Spielphase maximal aktiv sein möchte, dem Gegner mit seinem riskanten Ansatz aber auch Räume anbietet.
Offenes Spiel
Walter erwartet aufgrund der Nürnberger Spielweise ein „gepflegtes Fußballspiel“, in welchem beide um Lösungen mit Ball bemüht sein werden. Der Club wird entsprechend eine andere Intensität benötigen als zuletzt. Kompaktes Verteidigen, das Aufnehmen gegnerischer Läufe gegen den Ball sowie mehr Qualität am Ball und Zug zum Tor werden von der Klose-Elf gefragt sein. Mit der Rückkehr von Mohamed Ali Zoma sollte sich auch die ein oder andere Gelegenheit für das Spiel in die Tiefe anbieten.
Nachdem der FCN fünf der vergangenen sechs Auswärtsspiele verlor, sollte man nicht ohne Punkte aus Kiel nach Hause fahren. Mit einem Sieg könnte man die Lage sowohl tabellarisch als auch bezüglich der Stimmung hingegen deutlich beruhigen.



