FCN nach Magdeburg-Pleite: Rückschlag oder nur ein Stolperer?

Die guten Ergebnisse der Vorwochen scheinen vergessen – doch die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

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Oben dabei

Der 1. FC Nürnberg steht auf dem vierten Platz – und liegt gerade mal einen Punkt hinter dem dritten sowie zwei Zähler hinter dem zweiten Rang. So sieht zumindest die Formtabelle der 2. Bundesliga seit dem achten Spieltag aus. Die Stimmung rund um den FCN macht jedoch seit dem Spiel am Samstagabend nicht gerade den Eindruck, als hätte der Club zuvor viele gute Ergebnisse in Folge – unter anderem drei Siege am Stück – eingefahren.

Nicht alles verdient

Dass die Mannschaft von Miroslav Klose sechsmal in Folge ungeschlagen blieb, hatte sicherlich mit einem verbesserten FCN zu tun. Aber auch mit mehr Spielglück und vor allem Effizienz als beispielsweise zu Saisonbeginn. So hätte der Club nicht zwingend 14 Punkte in sechs Spielen holen müssen. Die Expected Goals auf beiden Seiten waren in fast allen Partien relativ ausgeglichen, in der Mehrzahl der Spiele gab man sogar weniger Abschlüsse als der Gegner ab. Und dennoch verdienten sich die Franken einen Großteil der Punkte; den Expected Points zufolge waren es immerhin etwas über zehn.

Guter Fußball

Besonders erfreulich war, dass viele der erzielten Tore sehr gut herausgespielt waren. Oftmals entstanden sie aufgrund der Nürnberger Spielweise, durch die viele Treffer aus ähnlichen Mustern resultierten. Nach dem Spiel in Magdeburg scheint dies jedoch vergessen. Irgendwo verständlich. Denn der FCN zeigte zwar Ansätze in der Partie, brachte aber mit fortlaufender Spieldauer keine gute Leistung. Dass nach der 39. Minute nur noch ein Abschluss folgte – und dieser tief in der Nachspielzeit stattfand – spricht für sich.

Noch nie in der Saison hatte man zudem weniger Ballbesitz (40%), nur einmal war die Passquote schwächer (79%), nur einmal spielte man anteilig mehr lange Bälle (11,5%) und nur einmal gestattete man dem Gegner mehr Pässe im Spielaufbau (PPDA = 18,5). Zahlen, die nicht immer über „gut“ oder „schlecht“ etwas aussagen müssen, aber in diesem Fall ins Bild passen. 

Schwächen

Doch ebenso wenig wie nach den guten Ergebnissen rund um den FCN nicht alles gut war, ist jetzt nicht alles schlecht. Nutzt der Club eine seiner Chancen beim Stand von 0:0 im Topspiel, hätte das Spiel auch anders ausgehen können. Vor allem die Konstellation in Magdeburg war keine glückliche. Schließlich ist es nicht neu, dass der 1. FC Nürnberg gegen Teams, die – vor allem in der ersten Linie – sehr mannorientiert verteidigen, mehr Probleme hat, in sein Spiel zu finden. Wenn dann auch noch Adam Markhiyev fehlt, der es wie kein anderer im Zentrum versteht, eine Manndeckung auszuhebeln, und zudem mehrere Spieler einen schlechten Tag erwischen, wird es entsprechend schwierig.

Die Wahrheit liegt in der Mitte

Warum der FCN Schwierigkeiten hat, ein Mann-gegen-Mann zu bespielen, hängt auch mit dem Nürnberger Spielstil zusammen. Einfach gesagt: Zwingt der Gegner den Club zu langen Bällen, sind die Positionierungen und Abläufe dafür nicht ideal. Dass man mit 50% die zweitschwächste Präzision bei langen Bällen der 2. Bundesliga verzeichnet, ist kein Zufall. Gleichzeitig erzielte man in den letzten Wochen genau wegen dieser Spielweise sehr sehenswerte Treffer. Und auch vor der Pause war man in Magdeburg nicht chancenlos. 

Deshalb ist der neunfache deutsche Meister mit seiner Entwicklung noch lange nicht am Ende, aber weder personell noch inhaltlich so schlecht, wie es ein schwaches Spiel und Ergebnis vermuten lassen würde. Und zugleich deutlich weiter als der kommende Gegner aus Fürth, was die FCN-Profis am Sonntag unter Beweis stellen müssen.