Kloses Mut
Miroslav Klose und sein Trainerteam bewiesen Mut, indem sie dem 19-jährigen Tim Janisch seinen zweiten Startelfeinsatz in der 2. Bundesliga ermöglichten – ausgerechnet gegen einen in der Liga so gefürchteten Linksaußen wie Fabian. Doch beim 0:0 des 1. FC Nürnberg bei Hertha BSC machte das Eigengewächs eine starke Partie auf der rechten Schiene, gewann 75 % seiner Defensiv-Zweikämpfe und präsentierte sich auch mit Ball sehr mutig, mit einer Passpräzision von starken 90 %.
Apropos Mut: Auch diesen verlor die Klose-Elf trotz des aggressiven Berliner Pressings selten. Dennoch blieb man seiner Philosophie treu und forcierte stets die flache Lösung im Spielaufbau. Nur 6 % Anteil an langen Pässen (Saisonschnitt 10 %) ist angesichts des Gegnerdrucks beeindruckend. Dass man dennoch kaum Zug nach vorne hatte, ist ein anderes Thema.
Offensive Totalausfälle
Denn in der Offensive war das Nürnberger Spiel nahezu ein Totalausfall. Nur drei Abschlüsse und ein xG-Wert von 0,24 sind – wenig überraschend – Saisontiefstwerte. Zu viele Unsauberkeiten prägten das fränkische Ballbesitzspiel, weshalb viele Angriffe bereits im Keim erstickt wurden. Über 120 Ballverluste gab es vorher nur bei den Niederlagen in Hannover und Gelsenkirchen – und nun eben auch in Berlin.
Besonders enttäuschend waren dabei die drei offensivsten Cluberer. Der häufig auf sich allein gestellte Stefanos Tzimas versuchte es zu oft mit dem Kopf durch die Wand, verlor in der Folge 83 % seiner Offensiv-Zweikämpfe und blieb ohne Abschluss. Julian Justvan war noch nie im FCN-Trikot so wenig eingebunden, kaum in gefährlichen Zonen anspielbar und wenn doch, mit schlechter Ballverarbeitung und Entscheidungsfindung. Zudem verfiel Jens Castrop in alte Muster: eine unnötige gelbe Karte, viele Schludrigkeiten, Leichtsinnsfehler und die meisten Ballverluste aller FCN-Spieler auf dem Platz.
Defensive Stabilität
Dass man trotz der offensiven Harmlosigkeit einen Punkt aus Berlin entführen konnte, ist einmal mehr der disziplinierten Defensivarbeit zu verdanken. Nach nur zwei Spielen ohne Gegentor an den ersten 16 Spieltagen blieb man seitdem in sieben Spielen viermal gegentorlos – dreimal davon sogar in den letzten vier Spielen.
Diese neugewonnene Stabilität in der Verteidigung lässt sich auch anhand der gegnerischen Expected Goals belegen. Demnach konnte man seit Spieltag 17 die Qualität und Quantität der gegnerischen Torchancen insgesamt um 37 % verringern, aus dem laufenden Spiel heraus sogar um 44 %. Die vor der Winterpause angekündigte Nacharbeit in der Abwehr trägt inzwischen immer mehr Früchte, wodurch man bei offensivem Totalausfall zumindest das zweitbeste Ergebnis – nämlich ein 0:0 – einfahren konnte und dadurch seinen Positivlauf fortsetzt.