Wie erwartet
Die Startaufstellungen des 1. FC Nürnberg und der Arminia Bielefeld sorgten beim direkten Aufeinandertreffen am 13. Spieltag nicht wirklich für Überraschungen. Beim FCN ersetzte Luka Lochoshvili nach seiner abgesessenen Gelbsperre Robin Knoche. Die Gäste nahmen im Vergleich zum 4:0-Erfolg vor der Länderspielpause gegen den KSC gar keinen Wechsel vor.
Viel Ballbesitz
Das Spiel begann so, wie auch nahezu die gesamte erste Halbzeit verlaufen sollte: Der Club hatte den Ball. Bielefeld verteidigte im 5-4-1, ging aus diesem kaum in (höhere) Pressingsituationen über und legte stattdessen viel Wert darauf, kompakt im Block zu verteidigen. Auf der anderen Seite legte die Klose-Elf ihr Spiel extrem variabel an, sodass fixe Positionierungen – vor allem in der Offensive – nur bedingt existierten. Stattdessen besetzten Julian Justvan, Mohamed Ali Zoma und Co. immer wieder andere Räume.
Wenig Torchancen
Was dem FCN vor der Pause jedoch abging, war Torgefahr. Das hatte sicherlich auch mit der Arminia zu tun. Gleichzeitig traf der Club jedoch auch einige falsche Entscheidungen im Spielvortrag. Das ein oder andere Mal war das Balltempo zu langsam, um zwischen die Linien des Gegners zu kommen. Es gab zudem einige Situationen, unter anderem bei Tim Janisch, in denen man das Spiel hätte aus der Defensive heraus beschleunigen können, aber stattdessen abdrehte und den erneuten Rückpass wählte.
Dadurch kam man selten vor – und vor allem kaum hinter die Bielefelder Fünferkette. Immer wieder, wenn man es mal schaffte, die Partie zu beschleunigen, wurde es auch gefährlich. Wie zum Beispiel in der neunten Minute, als Justvans Abschluss nach Hereingabe von Berkay Yilmaz zu schwach war.
Viel verhindert
Zwar verzeichnete man selbst kaum Strafraumaktionen, ließ aber noch einmal deutlich weniger zu. Zur Wahrheit gehört auch, dass der mitunter risikoarme Nürnberger Spielvortrag dazu führte, dass Bielefeld nicht in die gewünschten Balleroberungs- und Umschaltsituationen kam. Stattdessen war der Club im Gegenpressing extrem griffig – mit vielen Spielern in Ballnähe war man aktiv.
Und wenn Bielefeld es doch mal schaffte, ihre schnellen Spieler um Momoluh in Szene zu setzen, bewies die Nürnberger Abwehrkette ein gutes Timing. In jeder Situation, die im Ansatz hätte brenzlig werden können, stellte man die gegnerische Offensive ins Abseits. Das Gegenpressing und die Geduld waren vor der Pause also eine wichtige Facette – wenngleich das Spiel natürlich wenig spektakuläre Szenen bis hierhin bot.

Entscheidende Szene
Nach der Pause, in welcher Pape Diop für Zoma kam, wurde vieles anders. Zunächst war es ein Foul an Finn Ole Becker im Strafraum, das die 1:0-Führung durch Rafael Lubach vom Punkt aus ermöglichte. Vorausgegangen war ursprünglich ein Nürnberger Ballverlust im Spielaufbau. Den Konter der Bielefelder konnte man jedoch verhindern. Beim Gegenkonter zog Janisch diesmal das Tempo an, auf Strafraumhöhe waren Justvan und Diop so positioniert, wie es sich das Nürnberger Trainerteam vorstellen dürfte. Am Ende gab es den Strafstoß, der dem FCN merklich in die Karten spielte.
Spielfreude
Was sich nach der Halbzeit auch änderte, war das Bielefelder Spiel gegen den Ball. Man wollte nach und nach mehr nach vorne verteidigen und aus der Grundordnung herausstechen, was der Club aber zu bestrafen wusste. Vor allem natürlich beim 2:0, das in der Entstehung sehr gut herausgespielt war. Positionierung, Steil-Klatsch, erster Kontakt, zwischen den Linien, Timing und Boxbesetzung sind nur einige Schlagworte, die den Treffer, den am Ende Becker sehenswert nach Yilmaz-Flanke erzielte, treffend beschreiben. Es war zweifelsfrei die beste Nürnberger Phase am Sonntagnachmittag. Mit viel Spielfreude kombinierte man sich nun gut zwischen den gegnerischen Linien – und war einmal mehr effizient. Spielfreude und Effizienz waren also die nächsten entscheidenden Facetten.

Wegverteidigen
Danach dauerte es jedoch nicht lange, bis sich die Statik des Spiels drehte. Bielefeld wurde nach und nach aktiver, der FCN fiel hingegen relativ tief. Dass Adam Markhiyev verletzt raus musste, war ebenfalls alles andere als förderlich. Die Arminia riskierte nun mehr, stellte irgendwann auf 1-gegen-1 zu und hatte von nun an deutlich mehr vom Spiel. Spätestens als Klose dann auf ein 5-3-2 umstellte, wollte man vor allem die eigene Box schützen.
Gegen die gefühlt unzähligen Flanken, Hereingaben und Standards der Gäste half diese Maßnahme. Die ein oder andere heikle Situation musste man zwar überstehen, tat dies aber auch. Nach vorne ging dann zwar nichts mehr, weshalb der letzte Abschluss der Franken aus der 75. Minute resultierte, aber das kann man im Nachhinein sicherlich verkraften. Schließlich zeigte man in der Schlussphase die letzten entscheidenden Facetten für den 2:0-Heimerfolg: Resilienz und Leidensfähigkeit.
Es läuft
So steht unter dem Strich das sechste ungeschlagene Spiel in Folge für den 1. FC Nürnberg, was die derzeit längste Serie der 2. Bundesliga ist. Gegen die Arminia zeigte man in verschiedenen Momenten des Spiels verschiedene Stärken, die am Ende den Unterschied machten. Dass man derzeit auch das Spielglück, wie etwa die Entstehung des Elfmeters kurz nach der Halbzeit, auf seiner Seite hat, steht außer Frage. Ebenfalls außer Frage steht, dass der Sieg auch tabellarisch ein wichtiger war. Schließlich rückt man durch den Erfolg erstmals in der laufenden Saison in die obere Tabellenhälfte. Der Blick auf die Tabelle ist nach 13 Spieltagen zwar nicht entscheidend, aber sicherlich ein netter Nebeneffekt.



