FCN: Die Parallelen zwischen Klose und Fabregas

Beim Spielaufbau zeigt sich: Nürnbergs Trainerteam setzt auf Ideen, die auch einer der spannendsten jungen Trainer Europas nutzt.

1. FC Nürnberg FCN News CLUBFOKUS Analyse Miroslav Klose Cesc Fabregas
Foto: DO IT NOW Media / SPORTSFILE

Große Namen


Die Trainer des 1. FC Nürnberg und von Como 1907 eint gleich mehrere Dinge. Zum einen bringen Miroslav Klose und Cesc Fàbregas sehr klangvolle Namen mit. Namen, die sie sich in ihrer Laufbahn als Aktive aufbauten. FCN-Coach Klose wurde immerhin Weltmeister und ist noch heute WM-Rekordtorschütze. Fabregas gewann mit Spanien Welt- und Europameisterschaft und wurde sowohl in Spanien als auch in Italien Meister.

JTA-Parallele


Auch ihre Arbeitgeber eint ein Ansatz: Beide Vereine setzen stark auf datenbasierte Transferentscheidungen. Deshalb arbeiten sowohl der Club als auch Como mit dem Unternehmen Jamestown zusammen. Deutliche Unterschiede gibt es hingegen zwischen den finanziellen Voraussetzungen und dem sportlichen Erfolg. Während der FCN seit Jahren im Mittelfeld der 2. Bundesliga beheimatet ist, steht Como derzeit auf dem vierten Platz der Serie A.

Ballbesitztrainer

Näher aneinander liegen die Idealvorstellungen der beiden Trainer. Klose und Fabregas favorisieren Ballbesitzfußball. Die Italiener verzeichnen mit 61% sogar die meisten Spielanteile ihrer Liga – der FCN hingegen „nur“ durchschnittliche 50%, verbucht aber immerhin die sechstbeste Passquote der Liga.

Manndeckung bespielen

Was das Ballbesitzspiel in der heutigen Zeit erschwert, sind die vielen Mannorientierungen, mit denen die meisten Teams verteidigen. Dagegen spielerische Lösungen zu finden, gilt ebenso wie das Aufbrechen sehr tief verteidigender Gegner als eine der Königsdisziplinen mit Ball.

Selbstverständlich gibt es diesbezüglich immer wieder neue Lösungen und Ansätze. Beispielsweise beim eigenen Torabstoß, der als statische Situation etwas unterschätzt wird und entsprechend gut vorzubereiten ist. Das versuchte auch der Club, sich am vergangenen Wochenende zunutze zu machen.

Abstoß wie Como

Um die gegnerische Manndeckung auszuhebeln, positionierte man sich zwischenzeitlich beim Torabstoß lediglich mit Torwart Jan Reichert sowie den beiden Innenverteidigern in Ballnähe. Die restlichen Spieler schoben fast bis in Richtung Mittellinie. Fortuna Düsseldorf reagierte so, wie fast jeder Gegner darauf reagieren würde. Sie gingen mit ihren Gegenspielern weit nach hinten, lediglich die beiden für die Innenverteidiger verantwortlichen Angreifer blieben vorne.

Dadurch schafft man es, in der ersten Aufbaulinie eine 3-gegen-2-Überzahl gegen die beiden Stürmer herzustellen. Vor allem jenes Como, das von Fabregas trainiert wird, ist dafür bekannt, immer mal wieder diese Variante je nach Gegner einzustreuen. Ansonsten sieht man diese Variante nur sehr selten – in Deutschland probierte es Borussia Dortmund in dieser Saison beispielsweise schon einmal.

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Durch die Positionierungen ergibt sich die Überzahl im Spielaufbau. Entscheidend ist die Folgeaktion, um den nächsten freien Mann zu finden – vor allem, wenn der Torwart vom gegnerischen Stürmer angelaufen wird. Möglich ist das beispielsweise über einen entgegenkommenden Sechser, der den Ball auf den freien Innenverteidiger klatschen lässt. Oder der Torhüter findet den Innenverteidiger direkt, der in der Folge viel grüne Wiese zum Andribbeln vor sich hat.

Moderne Ansätze


Situationen wie diese zeigen, dass Miroslav Klose – oder zumindest das Trainerteam als Verbund – keineswegs vor modernen Ideen aus dem internationalen Fußball zurückschreckt. Varianten wie die beschriebene Abstoßstruktur gehören dabei längst zum Repertoire moderner Ballbesitztrainer. Vor allem Fabregas, der aktuell zu den meistgehypten Coaches der Welt gehört, nutzt sie bei Como regelmäßig, um in der ersten Linie eine Überzahl zu schaffen.

Der Unterschied zwischen ihm und dem Nürnberger Trainerteam liegt somit weniger in der Idee an sich als in der Konstanz der Umsetzung. Dass der FCN jedoch nach ähnlichen Ansätzen sucht, ist positiv hervorzuheben. Wenngleich die Ausführung und Folgeaktion auch gegen Düsseldorf nicht ganz aufgingen, weshalb man mit fortlaufender Spieldauer zu „bewährten“ Mustern zurückkehrte. Dass man über keinerlei Ideen oder Ansätze verfügt, stimmt jedoch nicht.