Markhiyev wackelt fürs Derby
Unmittelbar nach der 0:3-Niederlage in Magdeburg herrschte beim 1. FC Nürnberg noch Zuversicht, dass der verletzungsbedingt ausgefallene Adam Markhiyev rechtzeitig fürs Frankenderby zurückkehren könnte. Mittlerweile jedoch mehren sich die Zweifel, ob der 23-jährige Taktgeber am Sonntag gegen die SpVgg Greuther Fürth auflaufen kann. „Bei Adam müssen wir wieder von Tag zu Tag sehen. Er wird weiter individuell belastet. Wir hoffen, dass es fürs Wochenende klappt. Gott sei Dank ist das Spiel ja erst am Sonntag“, sagte Miroslav Klose am Dienstag der BILD.
Karafiat als Lösung?
Entsprechend laufen im Hintergrund längst die Gedankenspiele, wie man einen möglichen Markhiyev-Ausfall kompensiert – zumal Rafael Lubach nach seiner Gelb-Roten Karte in Magdeburg fehlen wird. Ein Name, der bei vielen Fans sofort auftaucht: Ondrej Karafiat. Der 31-Jährige avancierte in der Vorsaison vom Probespieler zum Fanliebling, spielt in dieser Saison aber kaum noch eine Rolle und bringt es bislang auf lediglich zwei Ligaeinsätze.
Erfahrung als Sechser
Der Gedanke, Karafiat auf die Sechs zu stellen, ist dennoch nachvollziehbar. In früheren Stationen lief der gelernte Innenverteidiger immer wieder auch im defensiven Mittelfeld auf. Über 2.200 Einsatzminuten auf dieser Position dokumentieren, dass er die Rolle grundsätzlich kennt – rein von seiner defensiven DNA her wirkt der Tscheche also durchaus wie ein Kandidat.

Spiel mit Ball essenziell
Nicht jedoch in der Art und Weise, wie der FCN die Rolle seines einzigen defensiven Mittelfeldspielers interpretiert haben möchte. Hinter zwei Achtern ist diese Position sowohl gegen den Ball als auch im Ballbesitz hoch anspruchsvoll. Während Karafiat in puncto Zweikampfverhalten durchaus Qualitäten mitbringt, ist das Spiel mit Ball für die Nürnberger Solo-Sechs entscheidend – und genau dort liegen seine größten Defizite. Zudem kommt er aufgrund von Mängeln im Stellungsspiel selbst in der Innenverteidigung eher für eine Fünfer- als für eine Viererkette infrage.
Karafiat kein pressingresistenter Aufbauspieler
Dass Spielaufbau und Pressingresistenz – gerade mit dem Rücken zum Tor – nicht zu seinen Stärken zählen, zeigte sich schon in der Vorsaison. Seine Passquote unter Druck lag mit rund 70% nur knapp über Tim Drexler (68%) und Stefanos Tzimas (68%) und war damit die drittschwächste aller FCN-Spieler mit mindestens einem Drittel der Einsatzzeit.
In seinen erfassten Partien als defensiver Mittelfeldspieler kommt er sogar nur auf eine Gesamtpassquote von 69% – für einen Sechser ein klar unterdurchschnittlicher Wert, was auch daran liegt, dass er in dieser Rolle fast jeden fünften Ball lang spielte. Ein deutlicher Kontrast zu Markhiyev, der über 90% seiner Zuspiele anbringt und weniger als 4% davon lang spielt. Der Unterschied im Profil könnte kaum größer sein.

Karafiats Qualitäten nicht gefragt
Unbestritten: Mit Leidenschaft und Zweikampfstärke gegen den Ball sowie unorthodoxen Laufwegen mit Ball kann Ondrej Karafiat als Halbverteidiger absolut wertvoll sein. Auf der Sechs jedoch sind genau diese Qualitäten kaum gefragt – dort benötigt der 1. FC Nürnberg saubere Lösung unter Druck und ein präzises Passspiel. Das alles entspricht nicht Karafiats Profil.
Realistisch dürfte er daher keine Option sein – es sei denn, Klose und sein Trainerteam würden das Anforderungsprofil der Position radikal verändern und dort bewusst einen klassischen „Zerstörer“ einsetzen. Viel wahrscheinlicher ist, dass im Falle eines Markhiyev-Ausfalls der spielstärkere, gelernte Mittelfeldspieler Tom Baack die Nase vorne hat.



