FCN-Auftritt gegen Düsseldorf wirft viele Fragen auf

123 Ballverluste, kaum Torgefahr – warum die Niederlage mehr als ein Ausrutscher war.

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Foto: DO IT NOW Media

Zwei Ausfälle

Es war nicht der Tag des 1. FC Nürnberg – schon vor dem Anpfiff gegen Fortuna Düsseldorf musste der FCN die erste schlechte Nachricht hinnehmen. Mohamed Ali Zoma fiel aufgrund von Schulterproblemen aus und wurde durch Noah Maboulou ersetzt. Zudem kehrte Adam Markhiyev nach seiner Sperre zurück, wofür Rabby Nzingoula weichen musste. Die schlechten Nachrichten gingen bereits zu Spielbeginn weiter, als Kapitän Fabio Gruber nach wenigen Minuten mit muskulären Problemen ausgewechselt werden musste.

Zu viele Fehler

Wirklich besser wurde das Spiel aus FCN-Sicht nicht. Zwar variierte man bezüglich der Struktur mit Ball, da Markhiyev mal in den Dreieraufbau abkippte und mal die erste Anspielstation vor den Innenverteidigern war, aber das half nicht. Egal, wie man sich positionierte, es war zumeist sehr statisch, mit wenig Bewegung – und technisch unsauber. Die Spieler trafen zudem keine guten Entscheidungen, wodurch man im Spielaufbau selten den besser positionierten Nebenmann fand.

Fehlendes Timing

Dass der Club keine Idee hatte, wie man Räume freiziehen wollte, kann man nicht behaupten. Unter anderem beim eigenen Torabstoß gab es gleich mehrere Varianten. Mal schoben bis auf Jan Reichert, Luka Lochoshvili und Styopa Mkrtchyan alle Spieler hoch, um beim Abstoß ein 3-gegen-2 ausspielen zu können. Das führte jedoch ebenso wenig zum Erfolg wie die 4-2-4-Variante. Dadurch konnte man zwar oft den eigenen Zehnerraum freispielen, kam aber viel zu selten in diesen hinein. Und wenn doch, dann stimmte spätestens im letzten Drittel die Anschlussaktion nicht.

Vor allem das Timing war beim Club ein permanentes Problem. Bot sich der Ball in die Tiefe an, ging der Laufweg zum Ball hin – und umgekehrt. Es wirkte wenig aufeinander abgestimmt, das Sturmduo ist hier das vielleicht größte Beispiel, das keinerlei Bindung zum Spiel und zum Nebenmann fand. Am Ende waren es 123 Ballverluste bei der Klose-Elf, was den Höchstwert der Rückrunde bedeutet.

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Ohne Mohamed Ali Zoma ging beim FCN nicht viel. // Foto: DO IT NOW Media

Kein gutes Fußballspiel

Auf der anderen Seite stand mit der Fortuna ein Team gegenüber, das besser, aber lange Zeit ebenfalls keine gute Leistung zeigte. Dennoch war man in den direkten Duellen überlegen und hatte einen ordentlichen Ballvortrag aus dem eigenen Positionsspiel heraus, das man nach gut einer halben Stunde an das Spiel anpasste und vom Dreieraufbau zu invers agierenden Außenverteidigern überging.

Dem Club hingegen ging die Intensität aus dem 4-3-3 gegen den Ball ab, wodurch man kaum hohe Balleroberungen verzeichnete und Düsseldorf kaum in Umschaltsituationen verwickeln konnte. Stattdessen schaffte es die Fortuna, zu oft ihre individuell gut besetzte Offensive einzusetzen. Insgesamt 77 Offensivduelle führte die Mannschaft von Markus Anfang – nie zuvor waren es in der Saison mehr.

Verdienter Rückstand

Was dem Club fast das ganze Spiel über abging, war Torgefahr. Vor allem in der ersten Halbzeit war davon wenig zu sehen, den ersten Abschluss gab es erst in der 35. Minute – am Ende waren es immerhin acht. Die durchschnittliche Schussentfernung betrug jedoch fast 23 Meter – und sagt entsprechend einiges über deren Qualität aus. Mehr als 23 Meter waren es beim FCN zuletzt 2022/23. Düsseldorf hatte bis hierhin zwar auch nicht viele gute Abschlüsse, ging dann kurz nach der Pause aber verdient durch Shinta Appelkamp in Führung. Zuvor hatte der Club einen gegnerischen Tiefenlauf aus dem Halbraum heraus ungenügend verteidigt.

Ansätze

Danach zeigte der Club hin und wieder gefällige Ansätze – und schaffte es ein paar Mal, sich aus dem Druck zu befreien, den freien Mann zu finden und von dort aus das Spiel zu beschleunigen. Dadurch wurde es ab und zu auch gefährlich, aber zu selten zwingend. Dass man in der Schlussviertelstunde – obwohl man in Rückstand lag – weniger Ballbesitz als der Gegner hatte, kann durchaus als Beleg dafür dienen. Ähnlich wie die 2:6 hohen Balleroberungen aus Sicht des Clubs in den letzten 15 Minuten. Die Expected Goals der Schlussphase (0,06 zu 2,07) sprechen sogar eine sehr eindeutige Sprache.

Besorgniserregend

Durch die Niederlage hat sich der FCN in die Lage gebracht, nächste Woche in Kiel mal wieder ein absolutes Schlüsselspiel vor der Brust zu haben. Dass Trainer Miroslav Klose so eindeutige Worte („Totalversagen“) an seine Mannschaft richtet, kommt selten vor – und zeigt die Unzufriedenheit des Weltmeisters über seine Mannschaft, die einfach keine Konstanz und nachhaltige Entwicklung in ihr Spiel zu bringen scheint.

Der FCN hatte zwar im Spielaufbau und Übergangsspiel die ein oder andere neue Idee, machte daraus aber viel zu wenig – gegen ein Düsseldorf, das laut Julian Justvan „viele Räume“ anbot. Räume, die zwar da waren, vom FCN aber kaum bespielt und belaufen wurden. Und wenn doch, dann nur bespielt, aber nicht belaufen – oder andersherum. Folglich waren die Nürnberger Spieler mit den meisten erfolgreichen Offensivzweikämpfen Adam Markhiyev (6), Berkay Yilmaz (6) und Justin von der Hitz (4) – die nominellen Angreifer hingen hingegen in der Luft.

Lichtblicke

So war es im Endeffekt eine enttäuschende Nürnberger Leistung, in der sich jedoch immerhin einige Lichtblicke auftaten. Neben Torwart Jan Reichert, der die etlichen Umschaltsituationen und das damit verbundene 0:2 der Fortuna verhindern konnte, wusste auch von der Hitz vor allem im Spiel nach vorne zu gefallen. Das Innenverteidiger-Duo aus Luka Lochoshvili und dem eingewechselten Mkrtchyan verteidigte zumindest viele Situationen gut weg, wodurch sie auch die beiden Spieler mit den meisten Balleroberungen der Partie waren. Am Ende steht nichtsdestotrotz eine verdiente Niederlage, durch welche der FCN mit acht Punkten aus acht Spielen mit dem Start in die Rückrunde nicht zufrieden sein kann.