
Vom Kritiker zum Kritisierten
Vor gut einem halben Jahr kritisierte Felix Magath noch den 1. FC Nürnberg dafür, aus seiner Sicht Jahr für Jahr zu viele wichtige Spieler abzugeben: „Deswegen ist nur schwer von einer Entwicklung zu reden“, sagte der ehemalige Clubtrainer im April im Zweitligatalk von Sky. Trotz seiner inzwischen 72 Jahre wechselte er nun wie angekündigt von der Rolle des Beobachters in die der sportlichen Verantwortung.
Seit Anfang November ist der gebürtige Aschaffenburger neuer Sportvorstand bei der SV Viktoria – in seiner Heimatstadt –, nachdem er diese Funktion seit August bereits interimistisch ausgeübt hatte. Und damit wurde aus dem Kritiker schnell der Kritisierte. Denn „in Teilen des Umfelds keimte zuletzt Unverständnis auf, dass sich Magath bisher nicht der Mannschaft vorgestellt habe, nur bei zwei Auswärtsspielen persönlich vor Ort gewesen sei und sich auch noch nicht inhaltlich geäußert habe“, schreibt der kicker. Magath begründete dies damit, dass seine Wahl bis dahin noch nicht offiziell erfolgt gewesen sei.
Magath sorgt für Personalbeben
Kaum offiziell im Amt, sorgte Magath bereits für ein deutliches Ausrufezeichen beim aktuellen Tabellensechzehnten der Regionalliga Bayern. Gleich mehrere Positionen in der sportlichen Führung wurden freigestellt: Cheftrainer Aytac Sulu, Co-Trainer Dusan Drakulic und Sportleiter Sandro Sirigu mussten ihre Posten räumen. „Die Analyse der jüngsten Entwicklungen hat gezeigt, dass wir unterschiedliche Standpunkte zur langfristigen Ausrichtung haben und wir sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, die Zusammenarbeit zum jetzigen Zeitpunkt und noch vor der Winterpause zu beenden“, begründete Magath diese Entscheidung.
Mit Benjamin Baier und Max Grün verließen zudem zwei noch aktive Spieler das Trainerteam. Beide gehören nicht mehr zum neu installierten Gespann um Cheftrainer Daniel Soldevilla sowie seine Assistenten Jürgen Bleistein und Gerald Mai. Innerhalb weniger Tage verursachte Magath damit ein echtes Personalbeben bei den Unterfranken.
Kampf ums Überleben
Ein erhoffter sportlicher Ruck blieb nach Magaths offizieller Übernahme jedoch aus. Seitdem verlor Viktoria Aschaffenburg zweimal deutlich mit 1:4 und 1:5 und wartet inzwischen seit sieben Ligaspielen auf einen Sieg – darunter auch eine 2:5-Niederlage am Valznerweiher. „In dieser Spielzeit geht es nur ums Überleben“, sagte Magath bereits im Zuge seiner Wahl. Das gilt nicht nur für die sportliche Lage, sondern auch für die finanziell angespannte Situation des Vereins: „Es wird nicht leicht und wir werden richtig anpacken müssen, um die nötigen Gelder zu akquirieren, damit wir diese Saison überstehen“, erklärte der mehrfache deutsche Meister dem kicker.
Umso spannender wird zu beobachten sein, wie Felix Magath Viktoria Aschaffenburg aus dieser schwierigen Lage führen will. Ende April, wenn Magaths Viktoria die U23 des 1. FC Nürnberg empfängt, dürfte man bereits deutlich besser einschätzen können, wohin der Weg für den seit sieben Jahren viertklassigen Klub dann hinführt.


