Zwei Wechsel
Zum Rückrundenauftakt empfing der 1. FC Nürnberg den Tabellenzweiten aus Elversberg. Beim FCN fehlte Adriano Grimaldi krankheitsbedingt, sodass Piet Scobel zu seinem Startelfdebüt in der 2. Bundesliga kam. So rückten im Vergleich zur Vorwoche, als der Club sein Testspiel gegen Zürich souverän gewann, lediglich Adam Markhiyev sowie Tim Drexler für Tom Baack und Tim Janisch zurück in die Startelf. Die Gäste mussten nach dem Abgang von Top-Torjäger Younes Ebnoutalib auch auf den besten Vorlagengeber Bambasé Conté krankheitsbedingt verzichten.
Aktiver FCN
Während Elversberg in den Anfangsminuten noch ganz gut im Spiel schien, übernahm die Mannschaft von Miroslav Klose schon bald die Kontrolle im heimischen Max-Morlock-Stadion. Die Franken dominierten die Partie, konnten sie in die gegnerische Hälfte verlagern und waren stets aktiv – nicht nur im Spiel gegen den Ball. Hier setzte man auf ein 4-3-3, aus dem man das Zentrum schloss und von innen nach außen verteidigte. Die vorderste Reihe sollte den Ball auf den Flügel lenken, was für die Spieler dahinter als Pressingauslöser diente. Schaffte es der Gegner, in die Mitte zu spielen, verteidigte die Defensive sehr aktiv nach vorne. Hatten die Gäste Abstoß, stellte man diesen im Mann-gegen-Mann zu.

Variationen
Vor allem im eigenen Ballbesitz war es ein Club, den man so in der Hinrunde kaum zu sehen bekam. Die von Klose gewünschten Variationen waren klar erkennbar. Zum einen strukturell – mal reihte sich seine Elf im 4-Raute-2 auf, woraus sich in Phasen (zum Beispiel beim eigenen Torabstoß) auch ein 4-2-2-2 bildete. Situativ rückte Drexler in den Dreieraufbau, wogegen Elversberg nur schwer Zugriff bekam.
Auch, weil der FCN – vor allem durch Adam Markhiyev und Finn Ole Becker – nahezu fehlerfrei unter Gegnerdruck agierte und sich technisch zumeist sauber befreien konnte. Dennoch streute man relativ oft auch den langen Ball in Richtung Scobel ein. Der konnte viele seiner Luftduelle für sich entscheiden und den Ball in Richtung Mohamed Ali Zoma verlängern, dessen Tempo und Tiefgang permanent für Gefahr sorgte.
Gute Positionierungen
Auffällig waren zudem die höheren Positionierungen. Berkay Yilmaz positionierte sich sehr offensiv – mitunter sogar auf Höhe der letzten Linie. Gleiches galt für Scobel und Zoma, die die gegnerische Defensive dadurch banden. Gleichzeitig verfügte das Nürnberger Mittelfeld über sehr gute Positionierungen, durch die man viele verschiedene Passwinkel ermöglichte und kurze Abstände hatte. Immer wieder konnte man sich so zwischen den Linien kombinieren – und diese entweder durch 1-gegen-1-Situationen, Steil-Klatsch-Kombinationen oder durch das Aufdrehen in engen Räumen auflösen.
Viele Abschlüsse
So konnte man sich auch aus Drucksituationen befreien. Ein Beispiel dafür war der sehenswerte Distanzschuss von Julian Justvan, der in der 19. Minute nur am Aluminium landete. Auch ansonsten verzeichnete der Club in seiner besten Phase im ersten Spielabschnitt gefühlt Abschlüsse im Minutentakt. Was Klose besonders gefallen dürfte, war die Entstehung dieser. Auch Eckbälle, die anders als in der Hinrunde oftmals vom Tor weggetreten wurden, strahlten Torgefahr aus. Lange Bälle in Richtung der Stürmer waren fast immer gefährlich, wobei auch der ein oder andere gegnerische Abwehrspieler seinen Anteil daran hatte.
Der vielleicht größte Unterschied im Vergleich zur Hinrunde war die Nürnberger Zielstrebigkeit. Immer, wenn sich Freiraum ergab, versuchte man, diesen mit Tempo zu bespielen. So suchte man früh die Tiefe oder beschleunigte die Partie, indem beispielsweise Yilmaz auf der linken Seite viele Vorstöße nach vorne wagte und dabei das Spiel schnell machte. „Dass Nürnberg in der ersten Halbzeit extrem viel investiert hat“, sah auch SVE-Trainer Vincent Wagner.

Pausenrückstand
Da der Club seine Chancen aber nicht in Tore ummünzen konnte, ging man ohne eigenen Treffer in die Halbzeit. Nachdem Rafael Lubach in der 39. Minute den Ball nach einem unglücklichen ersten Kontakt verlor, schalteten die Gäste schnell um. In der eigenen Box zeigte sich im Anschluss ein Problem, das der FCN anscheinend auch über die Winterpause nicht abstellen konnte. Die gegnerische Hereingabe verteidigte man nicht gut, sodass am Ende Zimmerschied vom Fünfmeterraum unbedrängt zur glücklichen Führung einschießen durfte.
Hin und Her
Nachdem die Franken vor der Pause das Spiel komplett im Griff hatten, wurde es nach dem Seitenwechsel etwas offener. Diesmal war es jedoch der Club, der einen gegnerischen Ballverlust ausnutzen konnte. Yilmaz eroberte den Ball, trug ihn nach vorne und steckte auf Torschütze Justvan durch. Spätestens jetzt entwickelte sich eine wilde Partie mit viel Hin und Her.
Elversberg konnte sich vor der 1:2-Führung aus dem Nürnberger Pressing nach dem eigenen Abstoß befreien und den Ball auf die ballferne rechte FCN-Defensivseite spielen. Dort war Linksverteidiger Lasse Günther nicht aufzuhalten. Ein ähnlicher Pass in den Rückraum wie vor dem 0:1 wurde vom Club erneut nicht gut verteidigt, sodass Malanga zur erneuten Führung traf.
Doppelpacker Scobel
Das sollte jedoch noch lange nicht das Ende gewesen sein. Nach einem Distanzschuss von Lubach, der am Pfosten landete, glich Scobel aus. Vorausgegangen war erneut eine Nürnberger Umschaltsituation, die zielstrebig und mit viel Personal ausgespielt wurde.
Es wurde nicht weniger dramatisch: In der Schlussphase entschied der Schiedsrichter nach einer unglücklichen Aktion Yilmaz’ auf Strafstoß für Elversberg. Jan Reichert parierte jedoch. So blieb es bis zum Schluss heiß umkämpft, ehe Scobel den vielumjubelten 3:2-Endstand erzielte. Nach einem Einwurf konnte sich der Club auf der Außenbahn durchkombinieren, Yilmaz brachte den Ball in die Box – und Nürnbergs Doppelpacker traf per wuchtigem und platziertem Kopfball zum Sieg, der über 90 Minuten absolut in Ordnung geht.
Ein anderer FCN
Nach dem fulminanten Auftakt ins Jahr 2026 darf man auf das nächste Spiel mit Nürnberger Beteiligung gespannt sein. Gegen Elversberg sah man eine Klose-Elf, die in ihrer Herangehensweise etwas pragmatischer, aber umso zielstrebiger und geradliniger in Richtung gegnerisches Tor spielte. Eine Offensivleistung, wie man sie lange nicht mehr gesehen hatte. Den Finger in die Wunde legen muss man bei beiden Gegentoren, die der FCN in dieser Art schon zu oft kassierte. Dennoch war es alles in allem eine richtig gute Leistung, dank der man guten Mutes am Freitagabend in Darmstadt zur nächsten schwierigen Aufgabe reisen dürfte.



