Die Leiden des jungen Gollers – darum ist er auf dem richtigen Weg!

Viele Offensiv-Aktionen von Benjamin Goller enden aktuell sehr unglücklich. Dennoch zeigt der Flügelstürmer des 1. FC Nürnbergs immer wieder starke Ansätze und ist gefühlt nur eine Aktion vom großen Glück entfernt. Eine Analyse seines Spiels anhand des Beispiels Braunschweig.

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Foto: FCN

Benjamin Goller: vom Jubel zum Haareraufen

Nach gutem Saisonstart mit 4 Scorerpunkten aus den ersten 10 Ligaspielen sorgt FCN-Außenstürmer Benjamin Goller inzwischen regelmäßig für Haareraufen bei den Fans. Insbesondere beim Heimspiel gegen Braunschweig wurde offensichtlich, dass der 25-Jährige derzeit stark mit dem Quäntchen Glück und der Entscheidungsfindung vor dem Tor hadert. Dabei konnte man eine Woche zuvor in den ersten Minuten im Derby einen klaren Formanstieg bei Goller beobachten.

Goller mit Formanstieg seit Derby?

Die Flanke vor dem 1:0-Führungstreffer war schließlich sein erster Scorerpunkt seit dem 10. Spieltag. Wenig später verhinderte nur der Pfosten einen Goller-Treffer, nachdem er zuvor einen sehr gut getimten Tiefenläufe ansetzte. Wie die Partie danach weiterging, ist hinlänglich bekannt. Nichtsdestotrotz schien diese erste halbe Stunde Benjamin Goller Grund für mehr Selbstvertrauen zu geben.

Goller gegen Braunschweig gut im Spiel

Diesen Aufschwung konnte man durchaus auch in der Anfangsphase beim eingangserwähnten Spiel gegen Braunschweig beobachten. Auch hier fand Goller wieder gut ins Spiel und wusste sich durch clevere Läufe hinter die gegnerische Abwehrkette in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Im Laufe der zweiten Halbzeit wurde sein Tempo immer wieder bei Konterangriffen gesucht. Folglich war der schnelle Rechtsfuß gut ins Spiel integriert und verzeichnete letztendlich sogar viele Best-Werte unter allen Spielern auf dem Feld. 6 geschlagenen Flanken und 7 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum waren genauso mit Abstand Best-Werte in dieser Partie, wie seine 14 empfangenen progressiven Pässe. Letztere bedeuten, dass der 1. FC Nürnberg immer wieder über Goller als Anspielstation für viel Raumgewinn sorgen konnte, was ihn gleichzeitig in gute Situationen brachte.

Wie so oft derzeit: Gollers Folgeaktion ungenügend

Nun folgt allerdings die Kehrseite der Medaille. Denn je länger das Spiel dauerte, je häufiger Goller gefährlich vors Tor kam, und je weniger ihm gelang, desto mehr konnte man seine Zweifel bei der Entscheidungsfindung spüren. Dies schlägt sich ebenfalls in der Statistik dieses Spiels nieder. Gollers Passquote von 55% war Tiefstwert beim Club. Nie spielte Nürnbergs Nummer 14 in dieser Saison mehr Fehlpässe (10) in einer Partie. Zudem kam tatsächlich keine seiner Flanken beim Mitspieler an, wodurch er trotz vieler aussichtsreicher Situationen keine Schussvorlage liefern konnte.

Besonders bemerkenswert ist der Blick auf Gollers Passmap gegen Braunschweig. Dort wird deutlich, dass er aktuell fast immer die falsche Entscheidung trifft. Ganze siebenmal spielte Goller von seiner rechten Seite aus einen Pass im oder in den gegnerischen Strafraum. Tragischerweise fand er kein einziges Mal einen Abnehmer für seine Vorlagen.

Goller anspielbar und mit gefährlichen Läufen

Dass Goller in seinem Spiel längst nicht alles falsch, sondern in Ansätzen sogar richtig gut macht, zeigt die Tatsache, dass er überhaupt immer wieder in die Situationen kommt, falsche Entscheidungen treffen zu können. Wie gegen Braunschweig zu sehen war, kann man definitiv nicht davon sprechen, der Flügelstürmer sei nicht ins Spiel seiner Mannschaft integriert. Stattdessen gibt es keinen FCN-Spieler, der so oft in den gefährlichen Räumen anspielbar ist. Ligaweit sind sogar nur 7 Spieler häufiger Abnehmer von raumgewinnenden Pässen. Allein am vergangenen Wochenende war Goller gleich 9-mal Passempfänger in und um den gegnerischen Strafraum. Lediglich die Folgeaktion stimmte nicht.

Statistik bestätigt Gollers Probleme bei der Entscheidungsfindung

Zusammenfassend kann man festhalten, dass sich Benjamin Goller oftmals wortwörtlich „auf dem richtigen Weg“ befindet. Fehlenden Fleiß kann man dem gebürtigen Reutlinger jedenfalls nicht vorwerfen. Schließlich legte in dieser Saison kein Nürnberger mehr Kilometer auf dem Feld zurück. Dazu zählt auch seine Defensiv-Arbeit, die sich im Vergleich zu Saisonbeginn stark verbesserte. Dass Goller seine Effizienz im Dribbling um über 20% erhöhen konnte, untermauert zudem seine guten Ansätze. Gleichzeitig bekräftigen viele Statistiken die Probleme in seiner Entscheidungsfindung und der daraus einhergehenden fehlenden Effizienz. Denn seit Spieltag 11 verzeichnet Goller weniger Schussvorlagen, weniger kreierte Großchancen sowie weniger abgegebene Schüsse.

Gollers Fleiß wird früher oder später belohnt!

Es scheint, als bräuchte es ein Erfolgserlebnis, um den Knoten bei Goller zu lösen. Dass wie beispielweise gegen Braunschweig nach der fünften erfolglosen Hereingabe aus ähnlicher Position die Überzeugung verloren geht, ist nur menschlich. Umso höher ist es Goller anzurechnen, dass er nicht aufsteckt und weiter seine Chance sucht. Wenn Goller diese Herangehensweise auch künftig an den Tag legt und seine Laufbereitschaft in Form von Scorerpunkten endlich belohnt, könnte wie so oft im Fußball das Ketchupflaschen-Prinzip einsetzen.

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