Der FCN und das maximal unnötige Remis

Warum der 1. FC Nürnberg ein fast gewonnenes Spiel aus der Hand gab.

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Foto: DO IT NOW Media

Keine Überraschungen

Am 20. Spieltag empfing der 1. FC Nürnberg zu Hause Preußen Münster. Nachdem der FCN mit einem Heimsieg gegen Elversberg und einer unglücklichen Niederlage in Darmstadt in die Rückrunde gestartet war, wollte man gegen einen abstiegsbedrohten Gegner nachlegen und den nächsten Dreier zu Hause einfahren. In der Aufstellung verzichtete Miroslav Klose auf große Überraschungen. Für den nach Salzburg wechselnden Tim Drexler durfte Tim Janisch beginnen, zudem kehrte Berkay Yilmaz nach seiner Gelbsperre für Eric Porstner zurück in die Startelf.

Viel Energie

Von Beginn an sah man einen Club, der das Spiel sehr aktiv, mutig und vor allem mit viel Energie anging. Münster suchte zunächst immer die fußballerische Lösung durch die Spielfeldmitte. Darauf zeigten sich die Franken aber sehr gut eingestellt. Das gegnerische Steil-Klatsch-Spiel wusste man schon in der ersten Minute durch eine hohe Balleroberung Rafael Lubachs zu unterbinden, Mohamed Ali Zoma vergab im Anschluss jedoch freistehend vor dem Gästetorwart.

Die Folgeminuten liefen ähnlich ab. Münster agierte technisch unsauber, spielte mitunter naiv und verlor die Bälle regelmäßig im eigenen Drittel. Der Club presste sehr hoch, schloss das Zentrum, lenkte den Gegner auf den Flügel und rückte so konsequent auf die Ballseite nach, dass die Preußen, die sich gerne über das Zentrum auf die ballferne Seite kombinieren, nicht in ihre Abläufe kamen.

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So verteidigte der FCN gegnerische Abstöße, die es vor allem zu Spielbeginn häufig gab. Kam der lange Ball, rückte Lubach sofort für den zweiten Ball nach hinten. Durch das mutige Zustellen und das 1-gegen-1 hinten konnte man dem Gegner einige Stärken rauben.

Führung verpasst

Das einzige Problem, das die Mannschaft von Miroslav Klose in der Anfangsphase hatte, war die Chancenverwertung. Zahlreiche Ballgewinne und daraus resultierende Umschaltsituationen ließ man ungenutzt – teilweise mit Pech, teilweise durch Unvermögen.

Mutig verteidigt

Es gab auch den ein oder anderen Moment, in dem die Gäste den freien Mann in der Spielfeldmitte fanden und sich hinter der ersten Nürnberger Pressinglinie aufdrehen konnten. Auch über die linke Außenbahn, die man gegen Tim Janisch gezielt zu überladen versuchte, konnte man sich einige Male befreien. Aus den zu Beginn rund 70 Prozent Ballbesitz resultierte jedoch wenig Torgefahr, da die Nürnberger Defensive sehr aggressiv nach vorne verteidigte, hinten oftmals mutig im Eins-gegen-eins agierte und die Mehrzahl ihrer Duelle für sich entschied.

Mehr Spielanteile

Nach und nach kam der Club auch selbst zu mehr Aktionen im eigenen Ballbesitz und Spielaufbau. Münster versuchte, aus der 4-4-2-Mittelfeldraute auf die Ballseite zu pressen, bekam aber fast nie Zugriff. Der FCN konnte sich – auch dank unterschiedlicher Variationen, mal über beide Innenverteidiger, mal über den abkippenden Adam Markhiyev zur Dreierkette – fast immer befreien. Münster schaffte es nicht, frühzeitig klare Mann-gegen-Mann-Konstellationen herzustellen, sodass man sich unter anderem über Markhiyev immer wieder aus dem Druck lösen konnte.

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In der ersten Halbzeit konnte sich der Club immer wieder spielerisch dem gegnerischen Pressing entziehen und fand einen freien Mann durch diagonale Zuspiele. Nach der Pause änderte sich das ein Stück weit.

FCN muss führen

Auch wenn sich die Spielanteile im weiteren Verlauf klar zugunsten des Clubs entwickelten, blieb das große Chancenfestival aus der Anfangsphase aus. Der FCN spielte im letzten Drittel nicht alles sauber zu Ende, während Münster nun weniger Risiko im Spielaufbau ging und das Nürnberger Pressing häufiger überspielte. Dennoch sprach auch Gästecoach Alexander Ende im Nachgang davon, dass man nicht wisse, „wie wir es geschafft haben, mit einem Unentschieden in die Pause zu kommen“.

Führung

Nach der Pause wurde das Spiel deutlich ausgeglichener. Münster agierte nun wesentlich konservativer, baute aus einer flachen Viererkette mit tief bleibenden Außenverteidigern auf und wählte frühzeitig den Exit-Ball in Richtung der letzten Nürnberger Linie. „Wir sind kurz ins Zögern gekommen, und das darfst du gegen diese Mannschaft nicht machen“, monierte Klose.

Dennoch war es aus FCN-Sicht in der 56. Minute endlich so weit: Der Ball zappelte im gegnerischen Tor. Vorausgegangen war erneut ein unsauberer Ball Münsters ins Zentrum, das der Club abermals gut verdichtete. Die vielleicht schwierigste seiner Chancen nutzte Zoma diesmal zum Führungstreffer.

Unnötig

Münster presste im zweiten Spielabschnitt mit deutlich klareren Zuordnungen und stellte schneller Mannorientierungen her. Einige davon konnte der FCN zwar auflösen, kam aber kaum noch zu klaren Abschlusssituationen. Diese hatte zunächst auch Münster nur selten, ehe der Club beim Ausgleichstreffer massiv mithalf. Einen Einwurf weit in der gegnerischen Hälfte stellte man nicht konsequent zu, sodass der eingewechselte Rondic den Ball annehmen und sich in Ruhe aufdrehen konnte. Anschließend ließ Becker mit Hendrix seinen Gegenspieler im Rücken ziehen, eine 4-gegen-2-Überzahlsituation entstand – und die Gäste kamen zum 1:1. Gut gespielt, aber sehr schlecht verteidigt.

Hin und Her

Spätestens danach entwickelte sich ein Abnutzungskampf mit viel Hin und Her. Die Kontrolle aus der ersten Halbzeit war beim Club nun verloren. Auch die Ein- und Auswechslungen von Klose änderten daran nichts mehr, sondern machten das Spiel noch wilder, sodass sich die Passquote in der Schlussphase von zuvor 84% auf 77% bei den Franken reduzierte. In den zweiten 45 Minuten war sogar Münster das Team mit mehr Strafraumaktionen und einem höheren Expected-Goals-Wert.

Spiegelbild

Damit ähnelte der Spielverlauf am Ende stark dem aus der Vorwoche in Darmstadt – mit dem Unterschied, dass die Torchancen in der ersten Halbzeit diesmal noch klarer waren. Der FCN war gut auf den Gegner eingestellt, wusste dessen Stärken zu neutralisieren und spielte die eigenen konsequent aus. Lediglich die Belohnung in Form eines frühen Führungstreffers blieb aus. Dies holte man zwar nach der Pause nach, konnte ansonsten aber nicht mehr an die Leistung davor anknüpfen.

So lässt sich das Spiel aus zwei Perspektiven betrachten: Warum man gegen einen anderen Gegner nach der Halbzeit nicht mehr zu klaren Chancen kam – oder dass man in der Anfangsphase bis auf den Abschluss nahezu alles richtig machte. Die Wahrheit liegt, wie es das Ergebnis zeigt, irgendwo dazwischen. Wobei man über all das vermutlich gar nicht sprechen würde, hätte man seine Chancen konsequent genutzt. Aber Fußball ist leider kein Konjunktiv.