Hannover: Nicht im Soll
In der Winterpause trennte sich der kommende FCN-Gegner Hannover 96 von seinem Trainer Stefan Leitl und ersetzte ihn durch André Breitenreiter – obwohl man lediglich einen Zähler hinter dem Relegationsplatz lag. Im Gegenzug unterstrich das, dass die Niedersachsen große Ziele in dieser Spielzeit verfolgen. Wirklich gelohnt hat sich – zumindest punktetechnisch – der Trainerwechsel aber noch nicht. Unter Breitenreiter gewann man das erste Spiel in Regensburg und spielte seitdem fünfmal Remis.
Gute Ansätze
In den ersten Spielen der Rückrunde zeigte Hannover durchaus interessante Ansätze im Spiel nach vorne. Auch die Anzahl der Expected Goals stieg seit dem Trainerwechsel ein wenig. So sah man beispielsweise des Öfteren, dass sich die beiden schnellen sowie mobilen Stürmer Jessic Ngankam und Nicolo Tresoldi etwas nach außen fallen ließen, um im Zentrum Raum für Tiefenläufe aus dem Mittelfeld zu schaffen. Auch die Idee, Marcel Halstenberg als Linksverteidiger aufzustellen, kam der Mannschaft entgegen.
Vor allem im Umschaltspiel nach Balleroberung zeigte man sich zielstrebiger, was auch dringend notwendig war. Schließlich ist man das Team der Liga mit den wenigsten Abschlüssen nach Kontern und noch ohne Torerfolg danach. „Jeder Trainer hat eine etwas andere Philosophie“, weiß natürlich auch FCN-Trainer Miroslav Klose über leicht veränderte Abläufe seit der Winterpause, aber „viel verändert hat sich nicht“.
Paderborn als Vorbild für den FCN?
Andribbelnde Innenverteidiger, Spielen und Gehen, viele Positionswechsel und Tiefenläufe – der SC Paderborn gleicht mit seiner Spielidee durchaus in Ansätzen dem 1. FC Nürnberg. In der Vorwoche trennten sich Hannover und Paderborn mit 1:1, der SCP war jedoch das klar dominante und spielbestimmende Team. Auch Klose spricht davon, dass es Paderborn „sehr gut gespielt hat“ und man aus deren Herangehensweise „ein paar Sachen rausziehen“ konnte.
Hannover bekam über fast 90 Minuten keinen Zugriff auf die Partie, war mit dem sehr fluiden Aufbauspiel der Gäste überfordert und schlug nach vorne fast jeden Ball lang. Nürnbergs Trainer weiß aber natürlich auch, dass jedes Spiel anders ist und fordert eine Steigerung im Vergleich zur Vorwoche in Berlin: „Wenn nicht alle Spieler bei 100% sind, können wir viele Sachen nicht so gut umsetzen. Wenn doch, dann sind wir schwer zu besiegen.“
Aktive Hannoveraner
In den Spielphasen, in denen Hannover es in der Rückrunde schaffte, aktiv zu sein, sah man gut aus. Hierfür setzte man zumeist auf ein relativ mannorientiertes Anlaufverhalten gegen den Ball und auf viele Tiefenläufe mit Ball. Wenn nicht, wie teilweise beim 2:2 in Hamburg oder zuletzt gegen Paderborn, hatte man große Probleme und bekam keinen Zugriff auf das Spiel, sondern offenbarte viele Räume – vor allem zwischen Abwehr und Mittelfeld.
Fraglich ist, in welcher Struktur es der Tabellenachte in Nürnberg angehen wird. Man verteidigte bereits im 4-4-2 und im 5-3-2, für die von Breitenreiter gewünschte Aktivität spräche eher die Viererkette. Vor allem, da sowohl Rechtsverteidiger Jannik Dehm, der sich immer wieder mit nach vorne einschaltete, und Innenverteidiger Boris Tomiak gesperrt fehlen.
Zieler als Punktegarant
Mit erst 23 Gegentreffern kassierte Hannover die wenigsten der Liga. Laut Expected Goals wären für die Gegner jedoch bereits 31 Treffer möglich gewesen, weshalb Torwart Ron-Robert Zieler sicherlich einer der Garanten für die erreichten 35 Punkte ist, wenngleich er fußballerisch nicht der Stärkste ist. Denn im Spiel nach vorne ließ man in dieser Spielzeit vieles vermissen – lediglich die Plätze 15, 16, 17 und 18 konnten weniger Tore als die Hannoveraner (29) erzielen.
Vorsicht bei Standards
Worauf der FCN besonders achten muss, sind Standardsituationen. Denn diese zählen zu den Hannoveraner Stärken. Nicht nur, weil man mit nur fünf Gegentoren die wenigsten nach ruhenden Bällen kassierte, sondern auch, weil 38% der eigenen Treffer aus Standardsituationen stammen – der zweithöchste Wert der Liga. Hier hat man verschiedene Varianten und führt sie zudem oftmals schnell aus.
Setzt der FCN die Heimserie fort?
„Wir konzentrieren uns auf uns und wollen unsere Heimserie fortsetzen“, gibt FCN-Trainer Klose die Marschroute für das Heimspiel vor. Aktuell stehen beide Teams mit 35 Punkten noch in Schlagdistanz zu den oberen Plätzen, der Sieger könnte die Hoffnung auf mehr aufrechterhalten. Dass man punktgleich in das Rückspiel geht, war nach dem Hinrundenspiel und der Nürnberger 0:2-Niederlage wohl für beide Seiten nicht wirklich vorherzusehen. Während sich beim FCN seitdem sehr vieles in die richtige Richtung verschob, scheint 96 zu stagnieren. Aus den letzten 12 Spielen konnten sie sogar lediglich zwei Partien gewinnen und nur 13 Zähler einfahren.
Personeller Vorteil für den FCN
Da neben den gesperrten Spielern bei den Gästen auch der schnelle Matondo ausfällt, ist der Club, der auf alle Spieler zurückgreifen kann, personell im Vorteil. Spannend wird sein, ob der 1. FC Nürnberg nach Emrelis „Rückkehr“ mit einer Doppelspitze agiert oder beim zuletzt verstärkten Mittelfeld bleibt. Unabhängig davon werden ein flexibler Spielaufbau, Aufmerksamkeit bei Standardsituationen, Balldruck auf den linken Fuß von Marcel Halstenbergs und ein technisch besserer Tag der FCN-Akteure als in Berlin für den fünften Nürnberger Heimsieg in Folge wichtige Faktoren werden.