
Überraschendes Buchmann-Debüt
Dass Tarek Buchmann noch sein Profidebüt für den 1. FC Nürnberg feiern würde, schien zuletzt immer unwahrscheinlicher. Selbst als Fabio Gruber Anfang Februar gelbgesperrt aussetzen musste, wurde der Leihgabe vom FC Bayern der damals erst wenige Tage zuvor verpflichtete Neuzugang Styopa Mkrtchyan vorgezogen. Beim jüngsten 3:2-Auswärtssieg bei Holstein Kiel kam es dann überraschenderweise anders: Denn diesmal durfte Buchmann, der an den letzten vier Spieltagen nicht einmal im Kader stand, den verletzten Gruber ersetzen und somit sein Profidebüt in der Startelf neben Luka Lochoshvili in der Innenverteidigung feiern.

Schwieriger Start
Angesichts der nicht unkomplizierten Lage des FCN – mit nur einem Sieg aus den vorangegangenen sieben Spielen und dem im Falle einer Niederlage drohenden Abstiegskampf – hätte es sicherlich einfachere Spiele gegeben, um sein Profidebüt zu feiern. Zumal die veränderte Viererkette mit dem Startelf-Comeback von Henri Koudossou zu Beginn wenig abgestimmt wirkte, was auch Buchmann anzumerken war. Schon nach wenigen Minuten merkte man dem 21-Jährigen an, dass er sich erst noch an das für ihn ungewohnte Tempo gewöhnen musste, als er beispielsweise in einem Defensivzweikampf noch etwas behäbig wirkte.
Buchmann fast mit Tor
Dabei schien selbst die zwischenzeitliche Zwei-Tore-Führung nur bedingt Sicherheit zu geben. Apropos Tore: Eines wäre dem Debütanten nach 33 Minuten sogar fast gelungen. Nach einem Eckball kam der 1,88 Meter große Innenverteidiger zum Kopfball, den Kiel-Torhüter Timon Weiner mit einem starken Reflex abwehrte. Nicht nur in dieser Szene war Buchmann nicht immer auf seiner angestammten Position im Abwehrzentrum zu finden.
Buchmann macht den Upamecano
Denn immer wieder verfolgte der ehemalige Jugendnationalspieler seine jeweiligen Gegenspieler weit mit ins Mittelfeld. Man könnte meinen, Buchmann hätte den sehr mannorientierten Verteidigungsstil von Vincent Kompany beim FC Bayern, den er von Dayot Upamecano & Co. einfordert, zu sehr verinnerlicht. Denn Ziel des FCN dürfte es nicht gewesen sein, seine Innenverteidiger so weit herausziehen zu lassen und dadurch Räume zu offenbaren. So unter anderem auch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als er bei einem Kieler Abstoß sogar bis ins Angriffsdrittel verteidigte und stehen gelassen wurde, worauf Sekunden später eine Großchance aufgrund des freien Raums neben Lochoshvili entstand.
Beim wenige Minuten später fallenden 2:2-Ausgleich stimmte ohnehin nicht zum ersten Mal in der gesamten Nürnberger Verteidigungslinie die Abstimmung nicht, weshalb Buchmann auch kaum ein direkter Vorwurf zu machen war.
Gute Reaktion Buchmanns
So wackelig die erste Halbzeit war, umso stärker war die Reaktion Buchmanns nach der Pause. Mit zunehmender Spieldauer wurde der Abwehrspieler sicherer, selbstbewusster und bewies dadurch Resilienz. Mit einem verbesserten Stellungsspiel sowie besserem Timing bei Zweikämpfen am Boden und in der Luft bereinigte er die ein oder andere brenzlige Situation in einer defensiv geprägten zweiten Hälfte. Einmal musste er einen Stellungsfehler mit einem mit gelb bestraften Trikothalten ausbügeln. Dadurch trug Buchmann dazu bei, dass ein anstürmendes Kiel nach dem Pausenpfiff laut Wyscout nur noch zu sieben Abschlüssen und 0,5 Expected Goals kam und der FCN letztlich einen glücklichen Sieg einfahren konnte – womöglich kam ihm auch das tiefere Verteidigen etwas entgegen.

Ordentliches Profidebüt für Buchmann
Auch mit Ball zeigte er gegen das aggressive Walter-Pressing teilweise solide Ansätze, wenngleich seine Passquote am Ende bei nur 69% lag. Die Mehrzahl seiner Fehlpässe war aber vielmehr die Folge eines langen Schlags, um unnötigen Drucksituationen aus dem Weg zu gehen. Unter dem Strich muss man Tarek Buchmann angesichts der Umstände zumindest ein ordentliches Zweitligadebüt bescheinigen, auf dem sich sicherlich aufbauen lässt und das weitere Einsätze in der Restrückrunde durchaus vorstellbar macht.


