FCN: Warum Becker plötzlich nur noch Joker ist

Mehr Physis, mehr Tiefe – warum Klose aktuell andere Spielertypen bevorzugt.

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Foto: DO IT NOW Media

Absolut gesetzt

In der Hinrunde galt Finn Ole Becker beim 1. FC Nürnberg noch als gesetzt. Lediglich einmal wurde er vor der 87. Minute ausgewechselt. Als der FCN mit 0:1 auf Schalke verlor, musste der 25-Jährige nach 76 Minuten das Spielfeld verlassen, obwohl er an diesem Tag zu den besten seiner Mannschaft gehörte.

Dass sich der Status des zentralen Mittelfeldspielers geändert hat, zeigen die letzten Partien. Schließlich saß Becker in drei der vergangenen fünf Spiele zunächst nur auf der Bank. Miroslav Klose würde ein Formtief aber „nicht unterschreiben“ – vor allem, da der Linksfuß „sehr gut“ trainiert. Stattdessen schiebt es der 47-Jährige vor allem auf den neu entfachten „Konkurrenzkampf“.

Andere Profile

Tatsächlich könnte man Becker als einen der Leidtragenden neuer Elemente im Nürnberger Spiel bezeichnen. In der Hinrunde gab es mehr kleinteilige Lösungen im Spiel nach vorne, Bälle wurden vermehrt in den Fuß gespielt. Fußverkehrte Spieler in den Halbpositionen, die abkippen und dann mit dem starken Fuß gegnerische Drucksituationen auflösen können, waren gefragt. Folglich ist der Techniker nach wie vor der Nürnberger, der die meisten Pässe unter Druck spielt.

Derzeit ist das FCN-Spiel jedoch deutlich vertikaler angelegt – und auch die beiden Achterpositionen sollen proaktiv mehr die Tiefe belaufen. Zudem wünscht man sich aktuell viel Physis und Laufstärke, was eher für Tom Baack und Rabby Nzingoula spricht.

Spielstärke

Dennoch konnte Becker bei seinen Einwechslungen auf Anhieb zeigen, welchen Mehrwert er dem Club bietet. „Man sieht, wie viel Ruhe Finn reinbringt mit schlauen Lösungen“, lobte auch Klose nach dem 3:0-Erfolg gegen Kaiserslautern.

Unabhängig davon scheint der Weltmeister derzeit eher auf andere Spieler zu setzen. Obwohl Rafael Lubach gesperrt fehlte, wurde zunächst Javier Fernandez auf der Achterposition eingewechselt. „Er hat genug Spiele von Anfang gemacht, jetzt war es zweimal nicht der Fall, weil wir in Kiel und gegen Kaiserslautern das gebraucht haben, was wir gesehen haben“, erklärt Klose.

Zu gut für die Bank

Wie gut Becker fußballerisch ist, zeigen viele seiner Daten. Unter anderem spielt er die meisten Pässe des Clubs ins Angriffsdrittel, verzeichnet die meisten Tempoläufe mit Ball aller FCN-Mittelfeldspieler und empfängt mit 30 Pässen pro 90 Minuten – nach Adam Markhiyev und Fabio Gruber – die meisten seines Teams. Zahlen, die die Qualitäten des ehemaligen Hoffenheimers und immerhin 48-maligen Bundesligaspielers unterstreichen.

Sollte sich der Trend des Clubs hin zu mehr Physis auf seiner Position fortsetzen, könnte die Personalie im Hinblick auf das Sommertransferfenster ein Thema werden. Interessenten dürfte es sicherlich genug geben.