Andere Profile
Ohne Finn Ole Becker und Rafael Lubach musste der 1. FC Nürnberg sein Heimspiel gegen den Karlsruher SC bestreiten. Beide sind extrem gut darin, in engen Räumen zu kombinieren, 1-gegen-1-Situationen aufzulösen und bestechen mit ihren fußballerischen Qualitäten. Da beide gesperrt fehlten, durfte man gespannt sein, wie der FCN dies auffangen würde. Die Wahl von Miroslav Klose fiel auf Tom Baack und Rabby Nzingoula.
Zuletzt schienen die Gegner den Nürnberger Spielaufbau konsequent von innen nach außen lenken zu wollen, um auf der Ballseite im Mann-gegen-Mann zu verteidigen. So verlor der Club auch in Paderborn einige Bälle – mit Becker und Lubach. Umso fraglicher wäre es gewesen, wie das ohne die beiden mit anderen Spielerprofilen im Mittelfeld funktioniert hätte.
Deutlich vertikaler
Auch das FCN-Trainerteam schien sich der Antwort auf diese Frage nicht sicher gewesen zu sein – und änderte die Herangehensweise mit Ball entsprechend. Der Club ging den gegnerischen Pressingsituationen aus dem Weg, indem er im Zweifel den langen Ball wählte. Über 13 % der gespielten Pässe waren lange Bälle, was in dieser Saison erst zweimal überboten wurde. Die durchschnittliche Passlänge von 21,27 Metern war sogar die längste der laufenden Spielzeit.
Dadurch konnte man nicht nur Schwächen in der Ordnung der Karlsruher aufzeigen, sondern half auch Nzingoula und Baack, ihre Stärken einzubringen. Baack war bis zu seiner Auswechslung der lauffreudigste Spieler der Partie, Nzingoulas Physis war für zweite Bälle und Tiefenläufe ebenfalls ein Faustpfand. So war es eine deutlich veränderte Herangehensweise – vor allem in Bezug auf die beiden Achterpositionen – die sich auszahlte. Nzingoula empfing in seinen gut 60 Minuten beispielsweise gerade mal fünf Pässe. Becker, der normalerweise diese Position begleitet, hingegen in dieser Saison 29 pro 90 Minuten im Schnitt.
Gewusst wie
Auch darüber hinaus war der FCN gut auf den KSC eingestellt. Vor allem, wenn der Club den Ball eroberte, waren riesige Lücken im Zentrum des Gegners vorhanden, was der FCN bei gleich mehreren Treffern aufgrund seiner Positionierungen zu nutzen wusste. „Das haben wir aber auch so erwartet. Wenn wir die Bälle erobern, wussten wir, welche Räume zu bespielen sind und wo wir Platz haben“, sah Nürnbergs Spielmacher Julian Justvan seine Mannschaft gut eingestellt.
Glückliches Händchen
Neben den langen Bällen, die zu einigen Toren führten, sowie dem guten Matchplan, bewies Klose auch im Sturm ein glückliches Händchen. Erstmals in der Rückrunde stand Adriano Grimaldi anstelle von Piet Scobel in der Startelf. „Weil der Adi sich das auch verdient hat. Er hat zwei Wochen richtig, richtig gut trainiert und wollte unbedingt in die erste Elf“, nannte der Weltmeister seine Beweggründe. Am Ende sollte sich auch diese Entscheidung auszahlen, da Grimaldi zwar kein Tor erzielte, aber viele Bälle behauptete und unter anderem das 2:0 von Justvan vorbereitete.
So war es am Ende auch eine gute Leistung des Nürnberger Trainerteams, das mit der Spielvorbereitung vieles richtig machte und den Weg zum Sieg ebnete. „Das geben uns halt andere Mannschaften nicht“, ist sich Justvan sicher, dass es in den kommenden Wochen wieder schwierigere und andere Aufgaben geben wird, die eine andere Herangehensweise erfordern. „Ich habe ein fantastisches Trainerteam, deswegen sind wir auf viele Sachen vorbereitet“, blickt Klose auch darauf zuversichtlich.



