Dieser Klose-Rekord verhalf dem FCN zu mehr Torgefahr im Derby

Eine für den 1. FC Nürnberg untypische Herangehensweise gegen die SpVgg Greuther Fürth sorgte für den Großteil der Torchancen.

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FCN harmlos wie seit Monaten nicht mehr

45 Minuten lang sah es so aus, als könne der 1. FC Nürnberg keinerlei Torgefahr gegen die schwächste Abwehr der 2. Bundesliga entwickeln. Erwartungsgemäß beschränkte sich die SpVgg Greuther Fürth unter Neu-Trainer Heiko Vogel darauf, nach zuvor 37 Gegentoren in 13 Spielen zunächst kompakt zu verteidigen. Gegen das eher abwartende 4-4-2 der Gäste fand der Club so wenige Lösungen, dass man mit lediglich zwei Abschlüssen den laut Wyscout schwächsten Expected-Goals-Wert (0,02) zur Halbzeit seit Februar verzeichnete.

Veränderung in der Formation

Dabei half es kaum, den Gegner mit einer veränderten Formation zu überraschen. Während der angeschlagene Adam Markhiyev glücklicherweise rechtzeitig spielfit wurde, rückte Kapitän Robin Knoche in die Innenverteidigung. Was sich anhand der Namen im Vorfeld als Fünferkette lesen konnte, war realtaktisch eher eine asymmetrische Mischform. So kippte Berkay Yilmaz als nomineller Achter in einer Art 4-3-3 immer wieder vom Zentrum auf den linken Flügel – was Fürths rechte Seite um Felix Klaus und Jannik Dehm in Halbzeit eins allerdings selten vor Probleme stellte.

Flankenanfällige Fürther

Trotz der Harmlosigkeit ließ sich schon vor der Pause erahnen, welcher Plan hinter der erstmaligen Startelf-Nominierung von Adriano Grimaldi stecken könnte. Denn eher clubuntypisch schlug der FCN immer wieder Halbfeldflanken in Richtung Sturmzentrum. Eine Maßnahme, die sich nach der Pause bezahlt machen sollte – und auch absolut Sinn ergab. Schließlich war das Kleeblatt bereits vor diesem Spieltag das Team mit den mit Abstand meisten Gegentoren nach gegnerischen Flanken.

So konnte Luka Lochoshvili nach feiner Hereingabe von Julian Justvan aus dem linken Halbraum zum 1:0 einköpfen. Im Gegensatz zur ersten Hälfte war die letzte Linie diesmal mit vier Spielern gut besetzt – wenngleich dieser Aktion eine Ecke vorausging, weshalb die kopfballstarken Defensivspieler noch in der Gefahrenzone geblieben waren.

Überwiegend Gefahr durch Flanken

Dass an diesem Tag Flanken gegen einen kompakten Gegner zum Erfolg führen sollten – und letztendlich auch taten – beweist der Blick in die Statistik. Ganze 24 Flanken – alleine 17 davon in Halbzeit zwei – wurden von Wyscout erfasst – der Höchstwert in der gesamten Amtszeit von Miroslav Klose beim FCN. Auch wenn nicht jede Hereingabe ankam, war der Club zunehmend gut auf zweite Bälle vorbereitet. Tatsächlich gingen acht der 13 Abschlüsse der Nürnberger eine Flanke voraus. So auch beim 2:1 durch Mohamed Ali Zoma, der nach einer Ablage Grimaldis – ebenfalls nach Halbfeldflanke – auf der linken Seite von Justvan ins 1-gegen-1 geschickt wurde.

Mehr Tempo & Mut

Kein Zufall war demzufolge auch, dass die größte Clubchance auf den Sieg – Grimaldis Kopfball – erneut nach einer Justvan-Flanke aus dem linken Halbraum entstand. Mitentscheidend dafür, dass der FCN überhaupt in solche Positionen kam, war die bessere Bewegung des gegnerischen Blocks: „Räume waren da. Immer wenn wir es schnell und mutig gemacht haben, glaube ich schon, dass wir dann Spieler frei gefunden haben“, so Klose. Allen voran Justvan, der nicht nur beide Tore vorbereitete, sondern an sechs der 13 Abschlüsse direkt beteiligt war – wenngleich auch er, wie viele seiner Mitspieler, nicht in Bestform agierte.

Leistungsgerechtes Unentschieden

Denn trotz verbesserter zweiter Halbzeit verdiente sich die SpVgg Fürth ihren Punktgewinn im Max-Morlock-Stadion. Neben einer disziplinierten ersten Hälfte zeigte die Vogel-Elf auch offensive Qualität. Besonders Stürmer Noel Futkeu bereitete Knoche große Probleme, indem er bei Schnellangriffen immer wieder Bälle behauptete – so auch beim 2:2-Ausgleich, der das Ende einer 13-minütigen Phase markierte, in der jeder der vier Abschlüsse beider Teams im Netz landete.

Da letztlich beide Mannschaften Chancen auf den Sieg hatten, kann man von einem leistungsgerechten Remis sprechen. Während der FCN mit dieser durchwachsenen Vorstellung – sowohl mit als auch gegen den Ball – keine klare Reaktion auf die Pleite in Magdeburg zeigen konnte, dürften die Fürther mit diesem Punkt und ihrer Leistung im ersten Spiel unter Vogel zufrieden die Heimreise angetreten haben.