5 Erkenntnisse zur FCN-Heimniederlage gegen Hannover

Glücksspiel in Halbzeit 1, ein Signal in Richtung Robin Knoche, ein klar zu erkennender Trend und Pech mit dem Schiedsrichter: Der 1. FC Nürnberg hadert mit der ersten Heimniederlage seit über fünf Monaten.

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Foto: DO IT NOW Media

Nürnberger Fehlpass-Festival

Bei der 1:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 hatte der 1. FC Nürnberg insbesondere in der ersten Halbzeit – und wie schon in der Vorwoche in Berlin – große Probleme mit dem gegnerischen Pressing. Gleich 40 % aller Vertikalpässe landeten beim Gegenspieler – ein negativer Höchstwert, den man zuletzt vor drei Jahren in einem Zweitligaspiel überbot und der einem Lotteriespiel glich. Insgesamt spielte der FCN in dieser Partie 85 Fehlpässe – in dieser Saison nur bei der 1:3-Niederlage auf Schalke mehr.

Besonders besorgniserregend waren die Passquoten von Jens Castrop (58 %) und Stefanos Tzimas (41 %), die jeweils weit unter dem Durchschnitt eines Zweitligaspielers lagen. Auch Julian Justvan blieb mit einer Passpräzision von 69 % – vor allem, wenn es darum ging, vertikal zu spielen – deutlich unter seinen Möglichkeiten.

Mit Knoche keine Viererkette

Die 77. Minute war eine besondere. Nicht etwa, weil der eigentlich schon verkauft geglaubte Mahir Emreli den Platz betrat, sondern vielmehr, da der Club dadurch etwas tat, was er schon seit 18 Spielen nicht mehr gemacht hatte: in einer Viererkette spielen. Denn durch die Auswechslung von Robin Knoche stellte das Trainerteam auf ein offensiveres 4-2-2-2 um.

Interessant dabei war, dass Klose nicht einen der beiden Halbverteidiger, sondern seinen Kapitän, der bis dato eine solide Leistung bot, vom Feld nahm. „Nur taktisch“, begründete Miroslav Klose nach der Partie diese Auswahl. Da man auch wegen Knoche das System im Saisonverlauf auf eine Fünferkette umstellte, kann man daraus durchaus ableiten, dass man den Routinier wohl nicht in der Abwehrzentrale einer Viererkette favorisiert.

Große Probleme bei Standards

Die gute Nachricht: Tatsächlich kassierte der FCN seit nunmehr fünf Spielen kein einziges Gegentor mehr aus dem laufenden Spiel. Die schlechte Nachricht: Die beiden Gegentore zur Niederlage gegen Hannover bedeuteten, dass bei den letzten fünf und bei sechs von neun Gegentoren in der Rückrunde ein ruhender Ball vorausging.

Die stark verbesserte Abwehrarbeit im tieferen Verteidigen bringt nur wenig, wenn man, wie so oft in den letzten Wochen, viele Fouls rund um den eigenen Strafraum produziert und sich immer wieder durch Standardgegentore in die Bredouille bringt.

Offensive Durchschlagskraft

Umso weniger bringt die stark verbesserte Defensive, wenn die offensive Durchschlagskraft leidet. Dass selbst die Umstellung auf eine Doppelspitze durch das Startelf-Debüt von Janis Antiste nicht mehr Torgefahr erwirkte, zeigt, dass die Probleme nicht nur systemabhängig sind, sondern womöglich tiefer liegen. Trotz mehr Dominanz, Risiko und Offensivpersonal im Laufe der Partie konnte die Klose-Elf ab Spielminute 67 nur einen einzigen Abschluss kreieren. Zum dritten Mal in den letzten vier Spielen blieb man unter 10 Abschlüssen, obwohl der Saisonschnitt bei über 12 liegt.

Spielglück & Schiedsrichter

Nach den vielen Last-Minute-Erfolgen in den Vorwochen scheint der 1. FC Nürnberg sein Spielglück vorerst aufgebraucht zu haben. So gingen gegen Hannover viele enge Entscheidungen zugunsten der Niedersachsen, selbst wenn bei fast allen entscheidenden Szenen Argumente dafür zu finden sind.

Wenig Argumente gibt es hingegen dafür, wie Schiedsrichter immer wieder mit Zeitspiel umgehen. Als in der 93. Minute ein Hannoveraner zu Boden geht, zeigt der Unparteiische deutlich auf seine Uhr, um zu demonstrieren: Das wird nachgespielt! Trotzdem erfolgte der Abpfiff der Partie pünktlich nach den angezeigten fünf Minuten Nachspielzeit. Womöglich hätte der FCN noch eine halbe Stunde spielen können und hätte wohl nicht getroffen. Trotzdem signalisiert diese Inkonsequenz den Spielern: Zeitspiel lohnt sich.

Nichtsdestotrotz steht am Ende eine nicht unverdiente Heimniederlage für den Club – die erste seit über fünf Monaten. Ein Rückschlag, den man dieser jungen Mannschaft angesichts der bislang erfolgreichen Rückrunde zugestehen darf. Wenngleich es gilt, die negative Tendenz der letzten beiden Spiele in der kommenden Woche zu stoppen.