Wie die Profis: Chancenwucher im Max-Morlock-Stadion
Was die Profis machen, kann die U23 des 1. FC Nürnberg schon lange – nach diesem Motto ließe sich das kleine Derby in der Regionalliga Bayern am Dienstagabend zwischen den Zweitvertretungen des FCN und des FC Bayern München zusammenfassen. Schließlich ließ die Mannschaft von Trainer Andreas Wolf ebenso wie zuletzt die Profis unter Miroslav Klose zahlreiche Chancen liegen, um die Partie für sich zu entscheiden. Und das ebenfalls im Max-Morlock-Stadion.
Aus dem Profikader bekannte Akteure standen diesmal lediglich mit Torhüter Robin Lisewski und Außenverteidiger Tobias Heß auf dem Platz.
FCN kommt gut ins Spiel
„Wir kommen gut ins Spiel rein“, analysierte Wolf nach der Partie am BFV-Mikrofon. Tatsächlich spielte sich die Anfangsphase fast ausschließlich in der Hälfte der Münchner ab. Der kleine Club stellte hoch zu, eroberte einige Bälle und suchte über Ballverteiler Pascal Fuchs immer wieder schnell den Weg in die Tiefe.
Für die 1:0-Führung sorgte allerdings ein wunderschöner Freistoß von Joel Skowronek. Dabei hätte der Vorsprung durchaus höher ausfallen können. „In den ersten 30 Minuten haben wir drei, vier Riesenchancen, das zweite oder dritte Tor zu machen“, haderte Wolf mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft.
Lisewski hält dreimal glänzend
„Machen wir nicht. Dann macht Bayern nach 29 Minuten das 1:1 und dann waren es die 15 Minuten, mit denen ich nicht zufrieden war in der ersten Halbzeit“, so der FCN-Trainer. In der 29. Minute hatte Anton Heintz eine Flanke zum Ausgleich eingeköpft.
Anschließend drehte sich das Spielgeschehen komplett. Die Nürnberger U23, bei der die Routiniers Benedikt Kirsch und Fabian Menig das Abwehrzentrum bildeten, kam kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus, verlor zu viele Bälle und konnte sich bei Torhüter Lisewski bedanken. Der Schlussmann parierte gleich dreimal glänzend gegen die Bayern-Angreifer und verhinderte einen Rückstand. Angesichts dieser Phase ging das 1:1 zur Halbzeit durchaus in Ordnung.
Beispielloser Chancenwucher
Nach der Pause knüpfte der kleine Club wieder an seine starke Anfangsphase an. „In der zweiten Halbzeit kann ich den Jungs gar nichts vorwerfen. Wir haben gefühlt minütlich eine Chance herausgespielt. Was uns heute fehlt, ist das zweite, dritte, vierte Tor“, erklärte Wolf.
Tatsächlich boten seine Schützlinge vor 711 Zuschauern eine fast schon beispiellose Vorstellung in Sachen Chancenwucher. Insbesondere Levin Chiumento, den die Münchner kaum in den Griff bekamen, brachte sich immer wieder in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Doch der 19-jährige Stürmer ließ mehrere hochkarätige Möglichkeiten ungenutzt.
Seine Offensivkollegen standen ihm dabei kaum nach. Jeder aus dem Nürnberger Offensivquartett mit Skowronek, Wiezorrek, Rau und Chiumento hätte sich mindestens einmal mehr in die Torschützenliste eintragen können.
„Hätten gewinnen müssen“
„Wenn man die Chancen betrachtet, hätten wir gewinnen müssen“, resümierte Wolf. Auch Gästetrainer Babak Keyhanfar, der den rotgesperrten Dante an der Seitenlinie vertrat, konnte dem kaum widersprechen: „Dass wir am Ende nicht verlieren, können wir unserem Torhüter Jannis Bärtl verdanken.“
Immerhin konnte die U23 des 1. FC Nürnberg ihre Ungeschlagen-Serie fortsetzen und holte aus den vergangenen fünf Partien elf Punkte. Nach einem holprigen Saisonstart haben sich die Franken inzwischen auf einem stabilen achten Tabellenplatz in der Regionalliga Bayern etabliert. Am Samstag geht es zur SpVgg Bayreuth.


