Lubach statt Zoma
Als Tabellenzweiter empfing der 1. FC Nürnberg am Samstagabend den viertplatzierten 1. FC Kaiserslautern zum Spitzenspiel des neunten Spieltags. Die große Frage vor dem Duell im Max-Morlock-Stadion war, wie Clubtrainer Miroslav Klose den Ausfall seines Topstars Mohamed Ali Zoma kompensieren würde. Er entschied sich letztlich für Rafael Lubach, der in der offensiven Dreierreihe auf der linken Seite begann.
Überraschender Beginn
Normalerweise definiert sich der FCN über Dominanz und spielerische Lösungen, Kaiserslautern hingegen vor allem über Intensität, direkte Duelle und eine stabile Defensive. Die ersten 15 Minuten ließen dies am Samstagabend allerdings nur bedingt vermuten. Die Gäste attackierten den Nürnberger Spielaufbau im Mann-gegen-Mann, auch Torwart Jan Reichert wurde permanent im Vollsprint angelaufen. „Wir mussten viele lange Bälle schlagen. Das war nicht geplant“, war Klose mit den Lösungen seiner Mannschaft nicht zufrieden.
Gleichzeitig verstand es die Elf von Torsten Lieberknecht, die Franken auch mit Ball vor Probleme zu stellen. Man beorderte viel Personal in die letzte Linie. Neben Stürmer Lukovic besetzten Skyttä und Kanaté sehr offensiv die Halbräume, zudem rückten die beiden Schienenspieler Joly und Haas weit nach vorne.
Das führte beim FCN zunächst zu Problemen in der Zuordnung, sodass man wenig Druck auf den gegnerischen Spielaufbau bekam. Stattdessen konnten sich die Pfälzer über ihre Schaltzentrale Sahin immer wieder spielerisch lösen. Die Anfangsphase gehörte somit klar den Gästen – und der Club musste einige gefährliche Situationen überstehen.
Nach der ersten Viertelstunde verzeichnete Nürnberg weniger Ballbesitz, eine geringere Passquote und ein Schussverhältnis von 0:4. Bei den Strafraumaktionen stand es sogar 2:11.
FCN kommt rein
Nach den ersten 15 Minuten kam der FCN spürbar besser in die Partie. Man eroberte mehr zweite Bälle, war klarer in der Zuteilung, schloss offene Passfenster früher und wurde nach und nach auch mutiger im eigenen Ballbesitz und Freilaufverhalten.
So verlagerte sich das Spiel zunehmend in die gegnerische Hälfte. Während der FCK zu Beginn hätte in Führung gehen können, verpasste nun die Klose-Elf über Eric Porstner und Rayan Ghrieb nur knapp einen Treffer. Die Partie hatte sich deutlich gedreht – zwischen der 16. und 30. Minute verzeichnete der Club 79 Prozent Ballbesitz.
Dennoch zeigte sich auch in den Phasen, in denen Kaiserslautern tief verteidigen musste, warum die Pfälzer in den ersten zehn Pflichtspielen lediglich vier Gegentore kassierten. Man verfügt über eine gute Organisation, klare Verhaltensmuster und hat stets viele Spieler in Ballnähe, um gegnerische Schüsse blocken zu können.
Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Fynn Otto nach gut einer halben Stunde nahm der Nürnberger Flow wieder etwas ab. Bis zur Halbzeit passierte nicht mehr allzu viel, sodass es torlos in die Kabinen ging.
Hin und Her
Zur Halbzeit wechselte Lieberknecht doppelt und brachte Yardimci sowie Tazemeta in die Partie. Schon hier deutete sich an, dass der FCK nun vor allem über Umschaltsituationen und Bälle in die Tiefe zum Erfolg kommen wollte.
Der Club nahm hingegen vom Wiederanpfiff an erneut das Heft des Handelns in die Hand und drückte auf die Führung. Kurz nach Wiederbeginn verpasste Piet Scobel nach feiner Vorlage von Julian Justvan. Im Gegenzug führte ein nicht gut verteidigter langer Ball der Pfälzer zu einer Großchance, als Tazemeta vor Reichert nur den Pfosten traf.
Wenige Minuten später war Lubach gleich zweimal an guten Gelegenheiten beteiligt. Zunächst wurde sein Schuss im Strafraum geblockt, anschließend scheiterte Scobel nach seiner Ablage an Gästetorwart Julian Krahl.
In der 58. Minute war es allerdings Kaiserslautern, das in Führung ging. Nach einem Einwurf verteidigte der Club nicht aufmerksam genug, sodass der FCK den Ball zunächst am Strafraumeck ablegen konnte. Die anschließende Hereingabe Sauers vollendete Yardimci am zweiten Pfosten per Kopf zum 0:1.
Anrennen
Danach spielte nahezu nur noch der Club. Von diesem Zeitpunkt an verzeichnete Nürnberg 74 Prozent Ballbesitz. Kaiserslautern kam zu keiner hohen Balleroberung mehr und spielte über 27 Prozent seiner Pässe lang – der FCN in dieser Phase lediglich vier Prozent.
Dennoch dauerte es etwas, bis sich die Nürnberger die nächsten klaren Gelegenheiten erspielten. Und wenn sie zum Abschluss kamen, war häufig Krahl zur Stelle. „Er hat ein Superspiel gemacht“, musste auch Scobel im Nachgang anerkennen.
Kaiserslautern hatte zwar noch eine große Konterchance, die Reichert stark parierte. Dennoch hätte der Club angesichts seiner Möglichkeiten zweifellos den Ausgleich erzielen können. Bis zum Schluss versuchten es die Franken, wurden für ihren Aufwand allerdings nicht mehr belohnt.
Unter dem Strich standen damit ein deutliches Plus an Spielanteilen, Abschlüssen und Expected Goals auf Nürnberger Seite – aber ein 0:1 als Endergebnis. Angesichts der klaren Ballbesitzverhältnisse (67:33 Prozent) fiel das Verhältnis der Strafraumaktionen mit 29:22 zugunsten des Clubs allerdings vergleichsweise ausgeglichen aus. Auch das unterstreicht, wie schwierig es war, das Pfälzer Bollwerk zu knacken.
Unglücklich
Positiv dürfte man beim FCN festhalten, dass die Mannschaft auch ohne Zoma in der Lage ist, sich Chancen zu erspielen. Sicherlich fehlten dessen Tempo und Tiefgang in einigen Aktionen. Dennoch gelangen auch in der veränderten Besetzung viele gute Offensivaktionen, wenngleich sich die neu formierte Offensive noch etwas finden muss. So hatte aber beispielsweise Ghrieb einige gute Szenen, während auch William Bøving als Joker andeuten konnte, wie er der Mannschaft helfen kann.
Enttäuschend aus Nürnberger Sicht war hingegen vor allem die Anfangsphase, in der man nicht ins eigene Spiel fand und gegen gut eingestellte Gäste Probleme hatte. Am Ende fehlte allerdings auch das Spielglück, das der FCN in dieser Saison bereits mehrfach auf seiner Seite hatte.
Zwar ist der Club nun seit drei Partien sieglos, steht mit 18 Punkten aus neun Spielen aber weiterhin auf dem zweiten Tabellenplatz. Die Niederlage ist zweifellos ein Rückschlag. Angesichts der herausgespielten Chancen und der über weite Strecken sehr ordentlichen Leistung gibt es allerdings wenig Anlass, sich große Sorgen zu machen.


