Trotz guter Leistungen: Wo der FCN noch Probleme hat

Der 1. FC Nürnberg zeigt sich spielerisch gefestigt. Dennoch gibt es einige Bereiche, in denen die Mannschaft von Miroslav Klose noch Verbesserungspotenzial besitzt.

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Foto: DO IT NOW Media

Weniger Tiefe ohne Zoma

Der 1. FC Nürnberg zeigte zuletzt mehrfach gute Leistungen. Sowohl gegen Kaiserslautern als auch phasenweise in Leverkusen überzeugte die Mannschaft von FCN-Trainer Miroslav Klose trotz der Niederlagen über weite Phasen. Beim FC St. Pauli folgte schließlich wieder ein Sieg. Dennoch gibt es beim FCN weiterhin einige Dinge, die noch nicht wie gewünscht funktionieren.

Dazu gehört die offensive Tiefe. Mit Mohamed Ali Zoma fehlt dem Club nicht nur ein wichtiger Spieler, sondern auch ein Profil, das im Kader kaum zu ersetzen ist. Mit 36,6 km/h ist der Italiener der schnellste Spieler der 2. Bundesliga. Die zuletzt eingesetzte offensive Dreierreihe mit Julian Justvan (33,7 km/h), Rayan Ghrieb (31,9 km/h) und Rafael Lubach (32,3 km/h) bringt dagegen andere Qualitäten mit und wollen den Ball vermehrt in den Fuß.

Auch Mittelstürmer Piet Scobel (31,8 km/h) verarbeitet Bälle lieber mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, als regelmäßig in die Tiefe zu starten. Gerade gegen hoch pressende Gegner fehlt dem FCN dadurch teilweise die Möglichkeit, den Raum hinter der Abwehr zu nutzen. Gegen St. Pauli ergaben sich zwar einige Zwei-gegen-zwei-Situationen auf den Flügeln, aus denen allerdings vergleichsweise wenig Torgefahr entstand.

Defensive Anfälligkeit

Auch gegen den Ball gibt es weiterhin Verbesserungspotenzial. Mit rund 20 zugelassenen Expected Goals weist Nürnberg den dritthöchsten Wert der Liga auf. Dass daraus bislang nicht noch mehr Gegentore entstanden sind, liegt unter anderem an der Chancenverwertung der Gegner. Diese blieben rund sieben Tore unter ihrem Expected-Goals-Wert – nur gegen Kaiserslautern fällt die Differenz noch größer aus. Hinzu kommen die Leistungen von Jan Reichert, der zuletzt auch beim Auswärtssieg in Hamburg mehrfach stark parierte.

Ein wiederkehrendes Problem sind zudem Bälle in die Tiefe und in die Schnittstellen der Nürnberger Defensive. Gegen St. Pauli boten beispielsweise die hoch positionierten Außenverteidiger Tim Janisch und Eric Porstner nach Ballverlusten Räume hinter sich an. Ihre offensive Ausrichtung bringt dem Club zwar viele Vorteile, war aber nicht immer ideal abgesichert.

Nicht immer stimmen zudem die Zuordnungen im Mann-gegen-Mann-Pressing. Gerade zu Spielbeginn gibt es gelegentlich Schwierigkeiten bei der Frage, wann Gegenspieler übergeben oder weiter verfolgt werden – und wer für welchen Spieler verantwortlich ist. Das fiel gegen die vielen Rotationen der Kiezkicker phasenweise besonders auf.

Weitere Baustellen

Das zeigt sich vor allem auch in den Anfangsphasen: In den vergangenen vier Ligaspielen gegen Wolfsburg, Cottbus, Kaiserslautern und St. Pauli kam der FCN in den ersten 15 Minuten auf keinen einzigen Abschluss, während die Gegner jeweils viermal aufs Tor schossen – insgesamt also 0:16.

Auch Standardsituationen bleiben ein Thema. Sowohl gegen Wolfsburg als auch im Pokalspiel bei Bayer Leverkusen kassierte Nürnberg jeweils drei Gegentore im Anschluss an Eckbälle.

Hohes Niveau

Allerdings bewegt sich die Kritik angesichts des insgesamt starken spielerischen Niveaus auf einem vergleichsweise sehr hohen Niveau. Gegen St. Pauli erreichte der FCN mit 89 Prozent seine bislang beste Passquote der Saison. Zwar entstanden viele dieser Zuspiele durch Querpässe und abgebrochene Angriffe zurück zu den Innenverteidigern. Dennoch ist eine solche Ballsicherheit gegen das Pressing der Hamburger nicht selbstverständlich.

Die Leistungen der vergangenen Wochen zeigen somit, dass die Grundlage beim 1. FC Nürnberg stimmt. Gleichzeitig gibt es noch genügend Ansatzpunkte, um das eigene Spiel weiter zu verbessern.