Serien brechen
Zwischen all dem Trubel um den Abschied von Sportvorstand Joti Chatzialexiou steht für den 1. FC Nürnberg auch noch ein wichtiges Ligaspiel an. Schließlich blieb der FCN zwischenzeitlich über ein halbes Jahr ohne Pflichtspielniederlage, ehe es gegen Kaiserslautern und Leverkusen gleich zwei Niederlagen binnen weniger Tage setzte. Mut machen dürften dabei die über weite Strecken gezeigten Leistungen.
Neben der Serie von vier sieglosen Spielen in Folge könnte die Mannschaft von Miroslav Klose mit einem Auswärtssieg beim FC St. Pauli auch eine lange Durststrecke gegen die Kiezkicker beenden. Schließlich gewannen die Hamburger die vergangenen vier Duelle und sind seit zehn Jahren beziehungsweise 14 Partien gegen den FCN ungeschlagen. Der letzte Nürnberger Sieg am Millerntor datiert aus dem November 2015, als Niclas Füllkrug beim 4:0-Auswärtssieg doppelt traf.
Gefestigt
St. Pauli startete nach dem Bundesligaabstieg schlecht in die Saison. In der ersten Pokalrunde schied man aus, und nach drei Ligaspielen standen lediglich zwei Punkte auf dem Konto. Auch wenn die Hamburger erst zwei ihrer zehn Pflichtspiele gewannen, fanden sie zuletzt immer besser in die gewünschten Abläufe von Trainer Marcel Rapp.
So ist St. Pauli seit dem 30. August ungeschlagen und gewann die beiden vergangenen Heimspiele gegen Wolfsburg und Karlsruhe.
Kaiserslautern abgelöst
Was die Paulianer mittlerweile gut beherrschen, ist das Spiel gegen den Ball. Sie verzeichnen den niedrigsten zugelassenen Expected-Goals-Wert der Liga und ließen die zweitwenigsten Schüsse sowie Großchancen zu. Weniger Gegentore als die Rapp-Elf (9) kassierte lediglich Nürnbergs letzter Ligagegner Kaiserslautern (7).
Die Pfälzer ließen bis zum Spiel beim FCN auch die wenigsten Expected Goals für den Gegner zu, ehe der Club diese Bilanz trotz ausbleibenden Torerfolgs mit seinen zahlreichen Chancen veränderte.
Da auch St. Pauli mit einer Fünferkette verteidigt, könnten den Club einige Parallelen zur Vorwoche erwarten – wenngleich die Hamburger zu Hause vermutlich etwas aktiver agieren werden.
Umschaltgefahr
Dass die Hamburger dennoch bereits sechs Punkte hinter der Klose-Elf stehen, liegt vor allem an ihren sechs Unentschieden. Schwierigkeiten hat St. Pauli nämlich dabei, sich viele Torchancen zu erspielen.
Zwar verfügt man mit Eric Smith beispielsweise über einen für die 2. Bundesliga herausragenden Aufbauspieler, ist ansonsten im Angriff aber stark von Tempo und Tiefgang abhängig.
Dass sechs der elf Saisontore nach Balleroberungen fielen, ist entsprechend kein Zufall. Mit Arkadiusz Pyrka, Louis Oppie und Youssoupha Niang stehen gleich drei Kiezkicker mit ihren Höchstgeschwindigkeiten von jeweils über 35,4 km/h unter den acht schnellsten Spielern der 2. Bundesliga.
Wenn die Hamburger nicht in Umschaltsituationen kommen, suchen sie im Spiel nach vorne häufig den Weg über die Flügel und schlagen beispielsweise die zweitmeisten Flanken der Liga.
Hierfür versucht St. Pauli immer wieder, seine beiden Schienenspieler Oppie und Pyrka freizuspielen. Dagegen wird der Club von Beginn an klare Zuordnungen benötigen – insbesondere bei der Frage, ob der eigene Flügelspieler oder Außenverteidiger für den jeweiligen Gegenspieler zuständig ist.
Klare Aufgaben
Für den 1. FC Nürnberg wird es ansonsten vor allem darauf ankommen, die richtige Balance zu finden. Einerseits wird man sicherlich viel Personal in der Offensive benötigen, um gegen einen gut verteidigenden Gegner Chancen zu kreieren. Diese gilt es dann konsequenter zu nutzen als zuletzt in der Liga gegen Kaiserslautern.
Interessant wird zugleich, wie der im Mann-gegen-Mann pressende FCN die Tiefe absichert. Schnelle vertikale Bälle in den Rücken der Nürnberger Abwehr wären schließlich nicht zum ersten Mal das Mittel der Wahl eines Gegners gegen die Klose-Elf.
„Grundsätzlich haben wir eine gute Mannschaft und es ist nicht so einfach, gegen uns 1-gegen-1 zu verteidigen“, sieht Rapp seine Mannschaft auf diese Spielweise vorbereitet.
Der Club hofft derweil, nach dem ganzen Trubel abseits des Platzes sportlich wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.


