Schwacher Start, starke Reaktion: Das auffällige Muster des FCN

Der 1. FC Nürnberg hat in der Anfangsviertelstunde regelmäßig Probleme. Nach der Halbzeit zeigt sich dagegen ein völlig anderes Bild – wie beeindruckende Zahlen belegen.

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Foto: DO IT NOW Media

Ausnahme

Der 1. FC Nürnberg startete im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen überzeugend und belohnte sich früh mit der Führung. In der 2. Bundesliga zeigte sich beim FCN zuletzt allerdings häufig ein anderes Bild. Dort brauchte die Mannschaft von Miroslav Klose regelmäßig etwas Anlaufzeit. Wie deutlich die Unterschiede ausfallen, zeigen sowohl die Aussagen der Beteiligten als auch die Zahlen zu den ersten 15 Minuten.

„Wir sind nicht gut in die Partie gekommen und mussten viele lange Bälle spielen“, erklärte Klose nach dem Spiel gegen Kaiserslautern. Auch eine Woche zuvor in Cottbus starteten die Franken nicht gut. „Wir kommen gut ins Spiel, mit der richtigen Intensität und hatten gute Momente“, war stattdessen Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz mit seiner Mannschaft zufrieden.

Schon gegen Wolfsburg hatte Klose bemängelt: „Insgesamt waren wir in der ersten Halbzeit nicht so griffig und haben uns nur so ein bisschen gewehrt.“

0:12 Schüsse zuletzt

Die Aussagen passen zu einem auffälligen Muster. Über die bisherigen Ligaspiele hinweg stehen in der Anfangsviertelstunde lediglich sieben Nürnberger Abschlüsse insgesamt 29 gegnerischen gegenüber. Nur gegen Hannover gab der Club in der Anfangsphase mehr Schüsse als der Gegner ab.

In den drei vergangenen Partien gegen Wolfsburg, Cottbus und Kaiserslautern blieb Nürnberg während der ersten 15 Minuten sogar jeweils komplett ohne Abschluss. Die Gegner kamen dagegen auf jeweils vier.

Auch die Qualität der Chancen spricht deutlich gegen den FCN: 1,17 eigenen Expected Goals stehen rund 4,5 gegnerische gegenüber. Dazu verzeichnen die Nürnberger mit 21 Ballkontakten im gegnerischen Strafraum weniger als halb so viele wie ihre Kontrahenten, die auf 44 kommen.

Zwar geriet der Club lediglich gegen Wolfsburg in der ersten Viertelstunde in Rückstand, fand ansonsten aber zu Spielbeginn nur selten in seine Abläufe. Stattdessen dauerte es häufig, bis die Franken ihr Ballbesitzspiel aufziehen konnten. Auch die Zuordnungen im Mann-gegen-Mann-Pressing stimmten nicht immer von Beginn an.

Nach der Pause dreht sich das Bild

Wie anders es aussehen kann, zeigt der Blick auf die Minuten 46 bis 60. In der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff kommt der Club auf 47 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und lässt lediglich 24 zu. Auch das Chancenverhältnis kehrt sich um: Rund 4,5 Nürnberger Expected Goals stehen etwa 1,5 der Gegner gegenüber.

Bei der Zahl der Abschlüsse ist das Muster ebenfalls eindeutig. Bis auf das Spiel beim KSC, in dem beide Mannschaften jeweils einen Abschluss verzeichneten, schoss der FCN in dieser Phase stets häufiger als sein Gegner.

Dazu kontrolliert Nürnberg nach der Pause deutlich häufiger den Ball. Durchschnittlich liegt der Ballbesitz zwischen der 46. und 60. Minute bei 65 Prozent. Abgesehen vom Auftakt gegen Dynamo Dresden mit 51 Prozent erreichte der Club dabei in jeder Partie mindestens 60 Prozent.

Besonders auffällig ist zudem, wie stark sich die Präzision im Spiel nach vorne unterscheidet. Während in der Anfangsviertelstunde lediglich 58 Prozent der Nürnberger Pässe mit Raumgewinn ankommen, sind es nach dem Wiederanpfiff 85 Prozent – und damit ein Unterschied von 27 (!) Prozentpunkten.

Deutliche Unterschiede

Auch wenn sich die unterschiedlichen Leistungen vor und nach der Halbzeit nicht gleichermaßen in den Ergebnissen widerspiegeln, zeigen die Zahlen ein auffälliges Muster.

Der Auftritt gegen Leverkusen lieferte nun ein Beispiel dafür, dass Nürnberg auch von Beginn an präsent sein kann. In der Liga gelang das zuletzt zu selten. Am Sonntag beim FC St. Pauli bietet sich die nächste Gelegenheit, das zu ändern.

Zumal die Hamburger zu den lediglich drei Mannschaften gehören, die in der Anfangsviertelstunde noch keinen Treffer erzielten.