Reichert rettet FCN: Glückliches Weiterkommen in Köln

Der 1. FC Nürnberg dürfte am Ende vor allem über eine Sache glücklich sein: Darüber, dass man weiter ist.

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Foto: DO IT NOW Media

Nur ein Wechsel

Da Finn Ole Becker aufgrund einer Kniereizung fehlte, war beim 1. FC Nürnberg die große Frage, wer den Linksfuß in der Startelf beim DFB-Pokalspiel bei Viktoria Köln ersetzen würde. Nachdem Rafael Lubach zu Wochenbeginn das FCN-Mannschaftstraining verpasst hatte, wurde er doch noch rechtzeitig fit und durfte deshalb statt Becker auf der Zehnerposition auflaufen. Abgesehen davon verzichtete Nürnbergs Trainer Miroslav Klose auf Änderungen und vertraute der Elf, die in Fürth mit 2:4 gewann.

Schnell klar

Wer erwartet hatte, dass der Club in der ersten Pokalrunde auf wenig Gegenwehr treffen würde, sah sich schnell getäuscht. Dass ein Zweitligist gegen einen ambitionierten Drittligisten Probleme bekommen kann, ist im Pokal – auch in der laufenden Spielzeit -allerdings nicht ungewöhnlich. Die Heimmannschaft begann sehr mutig und verzeichnete in den ersten Aktionen ein Plus an Ballbesitz. Früh erkannte man, dass die Kölner unabhängig vom Gegner ihrer Herangehensweise treu bleiben würden und das Spiel aktiv angehen. Vor allem fußballerisch konnten sie einige Lösungen gegen das Mann-gegen-Mann-Pressing der Franken anbieten. So entstand auch die erste Chance in der 6. Minute, als man in Überzahl auf die Nürnberger Abwehr zulief, aber die Führung verpasste.

Wenig Torgefahr

Daraufhin hatte der FCN mehr Ballbesitz, kam aber kaum in gefährliche Räume. Köln verteidigte zunächst im 4-4-2 und agierte spätestens auf der Ballseite sehr mannorientiert. Auch den Nürnberger Sechserraum stellte man konsequent zu. Schaffte es der Club mal, sich aus dem Druck auf der einen Seite zu befreien, waren vor allem auf der gegenüberliegenden Seite viele Freiräume. So landeten die ersten gefährlichen Durchbrüche des Tabellenführers der 2. Bundesliga fast immer am Flügel, von dort aus kam man aber kaum gefährlich in die Box – zu oft passten Hereingabe und die Laufwege im Zentrum nicht zueinander.

Gefährlicher war stattdessen die Viktoria, die ihre nächsten Gelegenheiten nach ruhenden Bällen hatte. Die Klose-Elf hatte in der ersten Halbzeit laut FotMob zwar 62 Prozent Ballbesitz – wirklich Zugriff auf das Ballbesitzspiel der Heimmannschaft fand man dennoch nicht. Köln schaffte es vor allem mit fortlaufender Spieldauer immer wieder, sich über das Zentrum zu befreien. Die Nürnberger Akteure verfolgten ihre Gegenspieler, liefen aber nie durch, sodass der mutige Drittligist auch dank guter Bewegungen oftmals einen freien Mann finden konnte. Ein wichtiger Faktor war unter anderem Taylan Duman, der technisch sehr sauber agierte und immer wieder unter Druck anspielbar war.

Beste Phase

Trotz 8:3 Abschlüssen, 0,84 zu 0,07 Expected Goals und 12:3 Strafraumaktionen aus Kölner Sicht ging es torlos in die Pause. Die Minuten nach der Halbzeit waren dann wohl die besten im Nürnberger Spiel. Nicht nur, weil man in der 56. Minute in Führung ging. Vorausgegangen war ein gewonnener zweiter Ball, nach welchem Piet Scobel an den Ball kam. Nach einer starken Drehung traf der Nürnberger Stürmer sehenswert von der Strafraumgrenze ins rechte Eck.

Köln hatte in diesen Momenten nur wenig Zugriff und die Qualität der Nürnberger blitzte öfter auf. Als Nürnbergs Leihgabe Noah Maboulou, der als Joker kam, in der 64. Minute allein auf Jan Reichert zulief und vergab, änderte sich das Spiel aber wieder. Von nun an war es erneut der Drittligist, der die gefährlichere Mannschaft war. Wenngleich auch die ein oder andere Schiedsrichterentscheidung wohl nicht zum Gefallen der Nürnberger Verantwortlichen ausfiel.

Einige Wechsel

Was dem Nürnberger Angriffsspiel ebenfalls nicht guttat, waren die Umstellungen in der Offensive. Mohamed Ali Zoma verließ das Feld, später auch Piet Scobel. Ab der Schlussphase der regulären Spielzeit agierte Adriano Grimaldi im Sturm, Can Moustfa am linken und Tobias Heß am rechten Flügel, während Julian Justvan auf die Zehnerposition ging.

Nennenswerte Aktionen verzeichnete man in der Offensive kaum noch, stattdessen blieben die Einwechselspieler blass. Lange Zeit verpasste es die Heimmannschaft aber, aus ihren Gelegenheiten und den Lücken der FCN-Viererkette Kapital zu schlagen. Beispielsweise lief Defensivspieler Meiko Sponsel nach einem einfachen Doppelpass allein auf Reichert zu, vergab aber freistehend. Viele andere Situationen entschärfte Reichert – bis zur Nachspielzeit. Nach einem Freistoß, den Moustfa verschuldete, machte es Sponsel besser und traf aus kurzer Distanz zum Ausgleich.

Wenig Highlights

Der bittere Nackenschlag war dem Club in der Verlängerung durchaus anzumerken. Nicht nur die Offensive war blass, auch das ansonsten so starke Mittelfeld, darunter beispielsweise Javier Fernandez, zeigte Schwächen. Linksverteidiger Eric Porstner war später auch sichtlich angeschlagen und ermüdet – da Klose aber nicht mehr wechseln durfte, schob Moustfa dann etwas weiter nach hinten. Torchancen gab es auf beiden Seiten dann nicht mehr viele, sodass es mit dem 1:1 ins Elfmeterschießen ging. Angesichts von 2,8 zu 1,2 Expected Goals und 21:11 Abschlüssen zugunsten der Kölner hatte sich der Drittligist dies redlich verdient.

Matchwinner Reichert

Das Elfmeterschießen sollte nicht weniger spannend werden. Auf Nürnberger Seite verschossen Masouras und Fernandez, sodass die Viktoria sogar einen Matchball hatte – und vergab. Da Reichert am Ende den letzten Elfmeter – ausgerechnet von Ex-FCN-Spieler Niklas Jahn – parierte, steht der Club in der nächsten Pokalrunde. Matchwinner ist sicherlich der Torwart und Kapitän der Franken, der als einer von wenigen zu überzeugen wusste.

Ansonsten bleiben aus Nürnberger Sicht ein mutiger, spielstarker Gegner, eine enttäuschende eigene Leistung sowie ein überragender Jan Reichert in Erinnerung. Und natürlich, dass man trotz der Performance zumindest aus Ergebnissicht makellos in die Spielzeit 2026/27 gestartet ist. Schließlich ist man im DFB-Pokal weiter und gewann die ersten beiden Ligaspiele. Gegen Arminia Bielefeld, auf die der FCN kommenden Samstag um 20:30 Uhr zu Hause trifft, dürfte man aber dann wieder auf eine bessere Leistung hoffen.