Unterschiedliche Voraussetzungen
Der 1. FC Nürnberg wollte nach der Länderspielpause an den Auftritt von vor zwei Wochen zu Hause gegen Kaiserslautern anknüpfen. Während der FCN tabellarisch relativ komfortabel in den 28. Spieltag gehen konnte, steckt Eintracht Braunschweig noch mitten im Abstiegskampf. Nürnbergs Trainer Miroslav Klose betonte bereits, dass Spiele vor und nach Länderspielpausen immer sehr schwierig – und wichtig für ihn sind. Nicht ganz einfach war es aufgrund einiger Nationalspieler, die wie beispielsweise Adam Markhiyev viele Reisestrapazen in den vergangenen Tagen hinter sich hatten.
KSC-ähnlich
Der Club erinnerte in Braunschweig im Ansatz zumindest in einigen Teilen an den souveränen 5:1-Heimerfolg gegen den Karlsruher SC von Mitte Februar. Ähnlich wie die Löwen setzte auch der KSC damals auf ein 4-4-2 gegen den Ball. Um Überzahl in der ersten Aufbaulinie zu haben, rückte bei der Klose-Elf wie damals Jan Reichert zwischen beide Innenverteidiger. Durch die Raute im Mittelfeld gab es auch weiter vorne eine numerische Überzahl im Zentrum, die man diesmal aber nicht so konsequent nutzen konnte.

Zu viele Fehler
In der ersten Halbzeit gab es einige Ansätze, wie man über die Halbräume durch Steil-Klatsch-Aktionen in die Spielfeldmitte kommen wollte. Das Problem war jedoch schon früh, dass man am Ball zu oft zu unsauber agierte. Nicht nur die gesamte Mannschaft, vor allem auch das Mittelfeld agierte zu fehlerhaft.
Die beiden Achter Tom Baack und Rabby Nzingoula hatten einige gute Aktionen im Spiel, ihre Passquote von 61% respektive 56% war aber doch sehr unterdurchschnittlich. Auch Markhiyev war vor Fehlern nicht befreit – seine Passquote von 82% klingt zwar auf den ersten Blick solide, sie war jedoch nie geringer, seitdem er sein Debüt für die Franken am fünften Spieltag gab. Kombiniert mit Spielmacher Julian Justvan, der insgesamt lediglich zwölf Pässe empfing und entsprechend kaum Aktionen hatte, machte man aus den eigenen Ansätzen sehr wenig.
Guter Zugriff
Auf der anderen Seite verteidigte der FCN lange Zeit aktiv und gestattete der Heimmannschaft sehr wenig. Gegen den Ball war oftmals eine Art 4-4-2 zu sehen, was sich durch die Mannorientierungen gegen den Braunschweiger Spielaufbau ergab. Dabei verfolgte beispielsweise Rechtsverteidiger Henri Koudossou seinen Gegenspieler Joe Gomez sehr weit in den Halbraum, sodass Nzingoula den gegnerischen Linksverteidiger aufnahm und entsprechend viele Wege gehen musste. Seine 30 Sprints sollten am Ende die meisten auf dem Feld sein.
So war es auch eine Balleroberung, die die Nürnberger Führung ermöglichte. Ein gegnerischer Fehlpass auf der linken FCN-Seite landete bei Mohamed Ali Zoma, der ins Zentrum dribbeln konnte und den in der rechten Halbspur positionierten Nzingoula fand, der mit etwas Glück am Gegenspieler vorbeiziehen und zur Führung treffen konnte.
Verdient
Es war auch in dieser Phase kein spielerisches Highlight der Franken – die Führung war dennoch verdient. Vor allem war man gut auf zweite Bälle, sammelte einige davon ein und konnte dadurch oftmals den Ball in der gegnerischen Hälfte behaupten. Von dort aus konnte man auch einige Flügeldurchbrüche herstellen, blieb aber im letzten Drittel zu unpräzise. Da die Niedersachsen kaum nennenswerte Aktionen verzeichneten, keinen Schuss auf das Tor abgaben und nur viermal den Ball im Nürnberger Strafraum berührten, war das 0:1 bis zur Halbzeit nicht gefährdet.
0:2 verpasst
Die zweite Halbzeit begann aus FCN-Sicht nach der Pyro-Unterbrechung mit einem Schreckmoment. Ein Freistoß aus dem Halbfeld rutschte bis ins Tor durch, wurde aufgrund einer Abseitsstellung jedoch aberkannt. Braunschweig wurde nach der Pause aktiver. Man presste nun die erste Nürnberger Aufbaulinie und verteidigte mit mehr Personal nach vorne. Zunächst konnte der Club daraus fast Kapital schlagen, da die Räume dahinter für die Franken relativ groß wurden. Einige aussichtsreiche Umschaltsituationen ergaben sich, die man aber nicht zum 0:2 nutzen konnte.
Auf der anderen Seite verteidigte man vor dem 1:1 denkbar schlecht. Bei einem schnell ausgeführten Braunschweiger Freistoß im Mittelfeld rückt Nzingoula zu spät auf den Passempfänger und Koudossou blockt die Flanke nicht. Kapitän Fabio Gruber verteidigt weit nach außen, steht deutlich höher als die restliche Kette – im Zentrum passt zudem die Zuordnung überhaupt nicht, sodass Torschütze Mijatovic zwischen Luka Lochoshvili und Berkay Yilmaz unbedrängt einschießen darf.
Kaum Entlastung
Spätestens danach war vom Club nur noch wenig zu sehen. Die Nürnberger zeigten viele lange Bälle, schnelle Ballverluste und kaum Offensivaktionen. Am Ende spielte man selbst 15% seiner Bälle lang, während es beim Gegner mit 12% etwas weniger waren. Braunschweig war hingegen nun aktiver, sorgte für viel Hin und Her, wodurch die Abstände der Franken zwischen den Mannschaftsteilen relativ groß wurden. Die Eintracht arbeitete nun auch mehr mit gegenläufigen Bewegungen, wodurch man das ein oder andere Mal hinter die Abwehr der Mannschaft von Miroslav Klose kam. Dass der Zugriff auf die Partie kippte, zeigt auch die Anzahl der hohen Balleroberungen: In den ersten 45 Minuten stand es diesbezüglich 12:9 für den FCN, nach der Halbzeit 6:10.
Der FCN reagierte personell relativ spät mit Wechseln, positionierte sich mit fortlaufender Spieldauer aber etwas anders, sodass sich mit Ball mehr ein 4-2-2-2 ergab und in der Defensive ein 4-2-3-1. Das sollte am Spielverlauf jedoch wenig ändern. Zum besten Nürnberger mutierte Reichert, der gleich mehrfach parierte. Dennoch hätte Justin von der Hitz in der Nachspielzeit mit seinem ersten Ballkontakt den Lucky Punch setzen können.
Gerechtes Remis
Unter dem Strich steht ein über 90 Minuten mittelmäßiges Fußballspiel, in dem der FCN in der ersten Halbzeit überlegen war, ohne sich viele klare Abschlüsse zu erspielen. Mit zunehmender Spieldauer kippte die Partie mehr in Richtung Braunschweig, sodass das 1:1 am Ende ein faires Ergebnis ist. Wie oft das Spiel unterbrochen war und wie wenig Spielfluss stattfand, zeigt sich auch an der Nettospielzeit, die gerade mal knapp 48 Minuten betrug – womit es das kürzeste Zweitligaspiel des 28. Spieltags war. Klose betonte danach, dass man auf keinen Fall verlieren wollte, weshalb der Ausgang als Teilerfolg zu werten ist. Über das „Wie“ wollte er jedoch noch einmal sprechen.


