Mehr als Abstiegskampf: FCN spielt im Derby um die gesamte Saison

Warum Fürth gefährlich ist – und trotzdem klare Schwächen hat.

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Nur ein Punkt

Lediglich einen Zähler trennt den 1. FC Nürnberg von der SpVgg Greuther Fürth vor dem direkten Aufeinandertreffen am Sonntag. Während der FCN in der Rückrunde 19 Punkte sammelte, konnte das Kleeblatt 18 einfahren, was ein sehr enges Derby erwarten lässt.

Die Ausgangslage beider Teams ist dennoch sehr unterschiedlich. Fürth kämpft als Tabellenvorletzter mit 33 Zählern – auch wenn man nur einen Punkt Rückstand auf das rettende Ufer hat – ums sportliche Überleben, der Club konnte vergangene Woche den Klassenerhalt perfekt machen und steht bei derzeit 41 Punkten. Da man im Nürnberger Umfeld aber nicht so wirklich weiß, wie man die Saison bewerten soll, könnte das Ergebnis am Wochenende einen nicht unwichtigen Einfluss auf die Bewertung der Spielzeit haben – auch wenn FCN-Trainer Miroslav Klose dies verständlich etwas bremst: „Das von einem Spiel abhängig zu machen, ist schwierig.“

Offensive Qualität

Was sich nicht wegdiskutieren lässt, ist die individuelle Qualität der gegnerischen Offensive. Fürth ist den offiziellen DFL-Daten zufolge das Team mit den wenigsten Abschlüssen und auch das mit dem geringsten Expected-Goals-Wert (37). Daraus konnte man aber bereits 44 Tore erzielen und damit beispielsweise vier mehr als die Klose-Elf. Sowohl Noel Futkeu (21), Felix Klaus (14) und Branimir Hrgota (13) verzeichnen bereits zehn oder mehr direkte Torbeteiligungen. Beim Club sind es lediglich Mohamed Ali Zoma (16) und Julian Justvan (14).

Futkeu ist mittlerweile sogar der zweitbeste Torjäger der 2. Bundesliga. Der Stürmer bringt viele Facetten mit, was es für die Nürnberger Innenverteidigung nicht ganz so einfach machen dürfte. Vor allem im Strafraum bewegt er sich sehr clever, hat ein gutes Timing und ist vor dem Tor eiskalt.

Gutes Umschalten

Aufgrund der vergangenen Wochen ist damit zu rechnen, dass der FCN auch im Frankenderby wieder viel Mann-gegen-Mann verteidigen wird. Interessant wird, wer dabei die gegnerischen Schienenspieler aufnehmen wird. Schließlich spielte Fürth zuletzt mit einer Dreierkette und hatte aus dem 3-2-Spielaufbau heraus das Ziel, einen Akteur im Übergangsspiel in eine offene Stellung zu bringen. Von dort aus soll der Weg in die Tiefe schnell gesucht werden – beispielsweise durch Diagonalbälle.

Stärken hat man vor allem, wenn man viel Raum bekommt. Dann kommt auch die hohe Qualität und das Tempo der Offensive zum Tragen, die bereits elfmal nach Balleroberung traf.

Klare Schwächen

Mit 65 Gegentoren kassierte das Kleeblatt bislang die mit Abstand meisten der 2. Bundesliga. Bezüglich der gegnerischen Expected Goals und zugelassenen Abschlüsse ist man Vorletzter – auch wenn sich die Statistiken seit Heiko Vogel das Team vor dem Hinspiel übernahm, etwas verbessert haben. Schwächen hat man gegen den Ball dennoch in vielerlei Hinsicht. Die meisten Gegentreffer aus dem Spiel heraus (50), nach Ecken (9) und aus der Distanz (13) stehen sinnbildlich dafür. Auch die Intensität lässt sich nicht gerade als Stärke bezeichnen – im Gegenteil. Man ist die Mannschaft mit den wenigsten gelaufenen Kilometern, intensiven Läufen und Sprints.

Wahrscheinlich wird Fürth zu Hause versuchen, hoch zu pressen. Dabei soll Futkeu den Nürnberger Spielaufbau vermutlich auf eine Seite lenken, wo der ballnahe Schienenspieler nach vorne verteidigen und zustechen soll. Exakt hier könnte aber auch die Chance für den Club liegen. Das Kleeblatt ließ hier nicht selten das richtige Timing vermissen, sodass die Tiefe hinter den Außenspielern der Fünferkette oftmals frei und anspielbar ist. Läufe und Bälle in diese Räume könnten am Ende den Unterschied machen. Von dort aus bieten sich Bälle in den Rückraum an, der zuletzt ebenfalls oft verwaist war.

Klose betont vor allem, dass die Entscheidungsfindung sehr wichtig sein wird – ob man sich je nach Situation für das schnelle Umschalten oder für die Ballbesitzsicherung entscheidet. In jedem Fall erwartet er ein „sehr, sehr emotionales und spannendes Derby“.