Neuzugang trotz guter Besetzung?
Es ist eine Position, die dem 1. FC Nürnberg in dieser Saison kaum Probleme bereitet: die Innenverteidigung. Mit Luka Lochoshvili und Fabio Gruber ist der Club diesbezüglich bestens besetzt für die 2. Bundesliga. Dahinter stehen mit dem vom FC Bayern geliehenen Tarek Buchmann und dem erst im Winter für kolportierte 800 Tausend Euro – ein stolzer Preis für FCN-Verhältnisse – verpflichteten Styopa Mkrtchyan zwei weitere Alternativen bereit.
Nichtsdestotrotz wollen die Franken in der Abwehrzentrale nachrüsten. Wie die BILD berichtet, soll Interesse an Fynn Otto bestehen. Die Gespräche sollen schon weit fortgeschritten sein, laut Transfermarkt.de läuft sein Vertrag im Sommer aus. Der 1,92 Meter große Abwehrspieler spielt seit der Vorsaison beim SC Verl, wo er seither 51 Einsätze in der 3. Liga absolvierte. Zuvor durchlief der 24-Jährige die Jugend von Eintracht Frankfurt und spielte einst für die deutsche U16-Nationalmannschaft.
Spielerischer Ansatz in Verl
Dass Otto gut zum Club passen könnte, liegt schon allein an der Spielweise der Verler. Unter Trainer Tobias Strobl zählen die Nordrhein-Westfalen zu den Mannschaften mit dem interessantesten spielerischen Ansatz (65,8% Ballbesitz – laut Wyscout der höchste Wert noch vor dem FC Bayern mit 65,6%) im deutschen Profifußball – beginnend beim potenziellen Nürnberger Neuzugang: Der Linksfuß, der auch die halblinke Position in der Viererkette bekleidet, spielt laut Wyscout in der 3. Liga die meisten Pässe aller Spieler pro 90 Minuten (78) und verfügt gleichzeitig über die drittbeste Passpräzision (93%).

Eine Ballsicherheit, wie sie sich Miroslav Klose zumindest in der Idealvorstellung in seinem Spielaufbau wünscht. Umso mehr, weil Otto auch beim Überspielen gegnerischer Linien starke Werte vorweist: Einerseits spielt er mit zwölf progressiven Pässen pro 90 Minuten einen der meisten unter den Drittliga-Innenverteidigern. Andererseits ist er mit einer Präzision von 79% in dieser Kategorie ligaweit führend auf seiner Position.
Progression erzeugt Otto auch mit Läufen am Ball: Mit 2,1 progressiven Läufen pro 90 Minuten gehört er zu den Top-4 der Innenverteidiger der Liga, was seine Stärke im Andribbeln unterstreicht. Auch deshalb wäre er – wie schon vor seiner Zeit in Verl – situativ im zentralen Mittelfeld einsetzbar.
Defensive Robustheit
Was Ottos Profil besonders macht: Seine Technik am Ball verbindet er mit Robustheit gegen den Ball. 71% gewonnene Defensivzweikämpfe und 65% gewonnene Luftduelle sind jeweils überdurchschnittlich – und in dieser Kombination selten. Für seine Antizipation und Spielintelligenz spricht zudem die Anzahl abgefangener Bälle (über vier pro 90 Minuten), die in einem Team mit derart viel Ballbesitz heraussticht. Glaubt man den Expected Goals von Opta, ist Otto Teil der drittbesten Abwehrreihe der 3. Liga.

Tempodefizite und Fehler im Aufbau
Rein datentechnisch überragt Otto in der 3. Liga – was ihm jedoch hin und wieder abgeht, sind Tempo und Beweglichkeit. Gerade bei einer hohen Kette und in isolierten 1-gegen-1-Duellen kann ihm das zum Verhängnis werden. Ebenso gehören Fehlpässe im Spielaufbau zu seinem Profil, die auch schon zu Gegentoren führten – wenngleich beide Aspekte in der Verler Herangehensweise eingepreist sein dürften. Insofern bleibt abzuwarten, wie schnell er sich an eine höhere Liga anpassen könnte.
Vorgriff auf Lochosvhili-Abgang?
Dass der 1. FC Nürnberg trotz der eingangs erwähnten Besetzung in der Innenverteidigung – hinzu kommen U23-Talente wie Kristian Mandic oder Khalid Abu El Haija – nachrüsten möchte, ist ein starkes Indiz dafür, dass mit Abgängen im Sommer zu rechnen sein wird. Vor allem Luka Lochoshvili, der vor einigen Wochen noch seine Zukunft offen ließ, könnte ein heißer Kandidat sein, um mit einem Transfergewinn weiterverkauft zu werden.


