Wenig Bedeutung?
Während es für den 1. FC Nürnberg weder um den Auf- noch Abstieg aus der 2. Bundesliga geht, steht der FC Schalke 04 bereits als Meister fest. Das direkte Aufeinandertreffen der beiden Teams verspricht somit relativ wenig Spannung – dennoch ist es das letzte Topspiel der laufenden Saison. Für den FCN geht es zudem noch um einige Tabellenplätze. Der Rückstand auf den sechsten Platz beträgt sechs Zähler, der Vorsprung auf Rang 14 allerdings ebenfalls nur sechs Punkte.
Fragliche Schalker
Wie gut die Saison der Schalker ist, vergisst man vielleicht manchmal. 67 Punkte hat man bereits eingefahren und somit noch gute Chancen, die 70-Punkte-Marke zu knacken, was zuletzt dem SC Freiburg 2015/16 gelang. In der Vorsaison wurde der 1. FC Köln hingegen mit lediglich 61 Punkten Meister.
Wie viel davon am Samstagabend zu sehen sein wird, bleibt jedoch abzuwarten. Schließlich verbrachte S04 den Wochebeginn nach dem Aufstieg in Ibiza und war wahrscheinlich mehr mit Feiern als mit der Vorbereitung auf das Spiel in Nürnberg beschäftigt.
Mutiger Muslic
Die Schalker sind auch unabhängig davon nicht mehr ganz mit denen aus der Hinrunde zu vergleichen. In der Winterpause änderte Coach Miron Muslic das Spiel seines Teams – so läuft man in der Rückrunde beispielsweise nicht mehr mit einer Fünfer-, sondern einer Viererkette auf. Natürlich blieben viele Prinzipien und Elemente der Spielanlage gleich, aber auch mit Ball konnte man einige Dinge verbessern. Während man in der Hinrunde „nur“ 22-mal traf, stellt man mit 27 Toren aktuell die drittbeste Rückrundenoffensive.
Dass man diese Umstellung trotz 37 Punkten in der Hinrunde und der damit verbundenen Herbstmeisterschaft vornahm, zeugt von Mut – wofür S04-Trainer Miron Muslic viel Lob verdient. Dass sie so gut funktionierte, gibt dem Ganzen Recht. So konnte man sich seitdem von 1,5 auf 1,9 Expected Goals pro Partie steigern, gibt nun 2,5 Schüsse mehr pro Spiel ab und auch der Ballbesitzanteil stieg merklich von 43% auf 49%.
Immer noch stabil
Die große Stärke der Schalker ist nach wie vor die Intensität, die man wöchentlich abruft. Die ligaweit meisten Sprints stehen sinnbildlich dafür. Aus dem nominellen 4-3-3 verdichtet man zunächst die Spielfeldmitte massiv, um dann auf die Ballseite sehr mannorientiert zu pressen. Das funktioniert ballnah sehr gut, sodass es für den Club vermutlich einfacher wird, ballfern für Torgefahr zu sorgen.
Gegen die hohe Schalker Abwehr wird auch das Timing von Läufen in die Tiefe entscheidend sein. Kein Nachteil dürfte sein, dass Schalkes Torwart Loris Karius beim Club nicht zum Einsatz kommen wird. Schließlich spielt er eine herausragende Saison und verhinderte aus statistischer Sicht neun Gegentore, die aufgrund der gegnerischen Abschlüsse erwartbar gewesen wären.
Mehr Offensive
Interessant wird neben dem Zustand der Schalker Mannschaft auch, inwieweit beide Teams vielleicht etwas rotieren werden. Beim FCN kehrt immerhin Top-Scorer Mohamed Ali Zoma zurück. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass das Spiel anders als im Hinspiel verlaufen wird. Damals gab es lediglich elf Abschlüsse, was bis heute den Tiefstwert der Saison bedeutet. Da Schalke mittlerweile anders spielt und der Druck auf beiden Seiten nicht riesig ist, darf man diesmal etwas mehr Offensive erwarten.


