Weit entfernt
Mit zehn Punkten aus zehn Spielen ist der U23 des 1. FC Nürnberg ein durchwachsener Saisonstart geglückt. Nachdem die FCN-Zweitvertretung lediglich einen Punkt aus den ersten vier Spielen holte, gewann man darauffolgend drei von vier Partien. Zuletzt setzte es gegen den TSV 1860 München und im Derby aber wieder zwei Pleiten in Folge. Dadurch steht man derzeit auf dem 14. Platz der Regionalliga Bayern – punktgleich mit dem Relegationsplatz um den Abstieg.
Damit hinkt man der Ausbeute der Vorsaison deutlich hinterher. Schließlich wurde die Mannschaft von Andreas Wolf am Ende Meister. Nach zehn Spieltagen hatte man bereits 22 Zähler auf dem Konto – und damit mehr als doppelt so viele wie aktuell.
Qualität verloren
Woran das liegt, dürfte mehrere Gründe haben. Ein nicht gerade unwesentlicher ist sicherlich die Qualität an Spielern, die der kleine Club verlor. Beispielsweise Justin von der Hitz, Ayoub Chaikhoun und Tino Kusanovic spielen mittlerweile nicht mehr für den FCN. Gleichzeitig sind Robin Lisewski, Kristian Mandic oder Eric Porstner mittlerweile deutlich häufiger bei den Profis dabei, als der U23 zu helfen.
Freilich holte der Club im Sommer dafür Neuzugänge und zog zudem aus der U19 Talente nach oben. Die Qualität aus der Vorsaison konnte man aber noch nicht ersetzen. Zuversichtlich dürfte einen stimmen, dass man sich dennoch auf die Routiniers und Stützen Fabian Menig oder Benedikt Kirsch verlassen kann, wenngleich Letztgenannter in den letzten beiden Spielen nicht zum Einsatz kam. Auch Spieler wie Pascal Fuchs und Moritz Wiezorrek wiesen ihre Qualität in Form von Kreativität oder Flexibilität bereits nach.
Ordentliche Ansätze
Dennoch wäre für die Wolf-Elf bislang sicherlich mehr möglich gewesen. Vor allem fußballerisch zeigt man immer wieder gute Ansätze und verzeichnet beispielsweise ligaweit die beste Passquote. Auch bei der 1:2-Niederlage in Fürth spielte man streckenweise guten Fußball. Die Abläufe, um in das letzte Drittel zu gelangen, waren dabei klar erkennbar. Enge Staffellungen und viele Steil-Klatsch-Aktionen, um beispielsweise über einen Steilpass auf einen abkippenden Stürmer die eigenen Achter in eine spieloffene Stellung zu bringen. In den entscheidenden Momenten verpasste man es aber, sich rund um die gegnerische Box dafür zu belohnen.
Da man defensiv immer mal wieder anfällig nach zweiten Bällen und Umschaltsituationen war, verlor man am Ende dennoch nicht unverdient. Mit lediglich 4,3 geführten Zweikämpfen pro Minute gegnerischen Ballbesitz zählt man ohnehin – zumindest, wenn man diesen Wert als Bemessungsgrundlage nimmt – nicht gerade zu den intensivsten Teams der Regionalliga Bayern.
Kuriose Statistik
Was aber noch viel mehr auffällt, ist die Nürnberger Bilanz nach Führungen. Auch in Fürth erzielte man zeitig das erste Tor – und hätte auch das zweite erzielen müssen – stand am Ende aber ohne Punkte da. Von acht Führungen war es bereits die vierte Niederlage, die man hinnehmen musste. Lediglich der SC Eltersdorf verlor nach eigener Führung zweimal, alle anderen Teams maximal einmal. Insgesamt fuhr man nach eigener Führung lediglich 1,25 Punkte pro Partie ein.
Noch kurioser wird das Ganze, wenn man es mit der vergangenen Spielzeit vergleicht. Damals ging der FCN 26-mal in Führung. Die Bilanz nach Spielende: 24 Siege, zwei Unentschieden und keine Niederlage, was einen Punkteschnitt von 2,85 pro Spiel bedeutet.
Freilich können diese Unterschiede mitunter auch auf den Faktor Zufall zurückzuführen sein. Dennoch sind die Unterschiede zwischen den beiden Halbzeiten der Nürnberger extrem auffällig. Wären die Partien nach 45 Minuten beendet, stünde die U23 auf dem dritten Tabellenrang und hätte noch kein Spiel verloren. Würden lediglich die zweiten 45 Minuten zählen, stünde man auf dem letzten Platz, hätte die meisten Gegentore kassiert und sieben von zehn Spielen verloren.
Auf dieses Phänomen Antworten zu finden, dürfte eine der aktuellen Aufgaben von Wolf und seinem Trainerteam sein. „Wir müssen weiter arbeiten, mutig sein und Woche für Woche fleißig sein“, skizziert der Coach den Plan für die nächste Zeit.


