FCN mit komfortabler Pausenführung
Zu einem „psychologisch wichtigen Zeitpunkt“ erzielte der 1. FC Nürnberg beim 3:0-Auftaktsieg gegen Dynamo Dresden den richtungsweisenden Treffer zum 2:0. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff staubte Mohamed Ali Zoma zu seinem zweiten Treffer des Tages ab.
Dadurch befand sich der FCN nach dem Seitenwechsel in der komfortablen Ausgangslage, sich etwas zurückziehen und den Gegner kommen lassen zu können – was gut funktionierte. Schließlich ließ die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose bis Mitte der zweiten Halbzeit so gut wie keine gegnerische Torchance zu. In Zahlen: lediglich 0,05 Expected Goals.
FCN bringt sich selbst in Nöte
Umso mehr dürfte eine Szene in der 67. Minute die Clubfans in Aufruhr versetzt haben. Schließlich schienen die Gastgeber das Spiel im Griff zu haben, ehe sie sich ohne große Not selbst in die Bredouille brachten.
In einer tiefen Aufbausituation versuchte Torhüter Jan Reichert, Javi Fernandez im eigenen Strafraum flach anzuspielen – obwohl dieser unmittelbar einen Gegenspieler im Rücken hatte. Es folgte ein gefährlicher Ballverlust, der um ein Haar zu einer Großchance für Dynamo geführt und die Dresdner zurück ins Spiel gebracht hätte. Doch Adam Markhiyev konnte in letzter Sekunde klären.
Klose erklärt: „Das ist unsere Handschrift“
Ein Fehler, der zwar für Aufregung im Stadion sorgte, angesichts des spielerischen Ansatzes beim FCN aber bis zu einem gewissen Grad eingepreist ist. Das machte auch Klose nach dem Spiel deutlich – wenngleich er betonte, die Szene noch einmal detaillierter analysieren zu müssen, da er bislang keine Fernsehbilder gesehen hatte.
„Aber das ist unsere Handschrift als Trainerteam. Das wollen wir. Die richtigen Entscheidungen auch treffen. Manchmal ist es so, dass der Gegenspieler besser antizipiert und schneller zum Ball geht. Dass es da manchmal eng ist, ist völlig klar“, erklärt der Trainer.
Dabei soll offenbar auch der Torhüter immer wieder aktiv eingebunden werden, um das gegnerische Pressing mit flachen, spielerischen Lösungen zu überspielen – selbst unter hohem Druck.
„Aber das wollen wir: +1-Spieler mit Torwart wollen wir nutzen. Machen die anderen auch – ich weiß, wie schwer das ist“, so Klose, der seiner Mannschaft diesen spielerischen Ansatz mit auf den Weg gibt und weiß, wie gut seine Spieler ihn grundsätzlich beherrschen: „Bei uns im Training machen sie es mit zwei Finger in der Nase. Aber das musst du im Spiel auch machen.“
Nutzen über Risiko
Ob Reichert in dieser Situation eine bessere Entscheidung hätte treffen können – beispielsweise Fernandez früher anzuspielen oder sich später doch für den langen Ball zu entscheiden –, wird Klose nach Ansicht der Bilder genauer beurteilen können.
„Ich habe es noch nicht im Fernsehen gesehen, nur live im Stadion – da weiß ich nicht, wie die Abstände und das Timing waren, ob der Ball ungenau oder hart genug war. Das sind Dinge, die wir uns anschauen und besprechen“, erklärt er.
Grundsätzlich dürften derartige Fehler mit der Spielweise des 1. FC Nürnberg aber immer wieder einhergehen. Denn genau dieser Mut kann in vielen anderen Situationen dafür sorgen, dass der FCN selbst unter hohem Druck den Ball behauptet, sich spielerisch aus dem gegnerischen Pressing löst und anschließend die entstehenden freien Räume bespielen kann.
Die spielerische Qualität dafür besitzt die Mannschaft zweifellos. Insofern scheint Klose bereit zu sein, das damit verbundene Risiko in Kauf zu nehmen – solange seine Spieler lernen, in den entscheidenden Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.


