Joti Chatzialexiou wechselt zu Eintracht Frankfurt: Was er beim FCN hinterlässt

Mit mutigen Entscheidungen, lukrativen Transfers und einem grundlegenden Umbau hat Chatzialexiou den 1. FC Nürnberg verändert – doch seine Bilanz ist nicht frei von Fehlern.

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Foto: DO IT NOW Media

Bricht beim FCN jetzt alles zusammen?

Eine bittere Nachricht für den 1. FC Nürnberg: Sportvorstand Joti Chatzialexiou verlässt den Club und wechselt zum Bundesligisten Eintracht Frankfurt – spätestens zum 1. Februar 2027.

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der seine Aufbauarbeit der vergangenen gut zwei Jahre auch sportlich Früchte zu tragen scheint. Schließlich spielt der FCN endlich wieder oben in der 2. Bundesliga mit.

Doch bricht mit dem Abgang seines wichtigsten sportlichen Gestalters nun alles zusammen?

Dafür lohnt sich ein Blick darauf, wie Chatzialexiou den „schlafenden Riesen“, wie er den Club bei seinem Amtsantritt 2024 selbst bezeichnete, wirtschaftlich und zunehmend auch sportlich wieder auf Kurs brachte.

Miroslav Klose als Schlüssel seiner Strategie

Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Verpflichtung von Miroslav Klose. Eine bis heute kontrovers diskutierte Entscheidung.

Dabei setzte Chatzialexiou offenbar bewusst auf die Strahlkraft des Weltmeisters. Denn Klose sollte nicht nur die Mannschaft entwickeln, sondern auch junge Spieler nach Nürnberg locken.

Ein Plan, der aufging und dem Verein dabei half, durch lukrative Spielerverkäufe seine finanzielle Situation zu verbessern. Gleich mehrere Neuzugänge nannten Klose als wichtigen Wechselgrund. Darunter Stefanos Tzimas, der später zum Rekordverkauf der 2. Bundesliga avancierte, Mohamed Ali Zoma, der es künftig noch werden könnte, oder Julian Justvan und Piet Scobel.

Auch als Klose mehrfach in sportliche Krisen geriet, hielt Chatzialexiou an ihm fest. Allerdings verlief die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos. Gerade die wiederholten Verkäufe wichtiger Spieler sorgten zwischen beiden zeitweise für unterschiedliche Auffassungen.

Bis heute wird Chatzialexious Geduld unterschiedlich bewertet: Während manche glauben, dass mit einem anderen Trainer längst mehr möglich gewesen wäre, sehen andere in Klose genau den richtigen Mann für die Entwicklung junger Spieler.

Junge Talente, hohe Erlöse und sportliche Risiken

Denn Chatzialexiou setzte beim FCN bewusst auf einen ausgesprochen jungen Kader. Ein mutiger Ansatz bei einem Traditionsverein mit hohen Erwartungen. Schließlich bringen junge Spieler zwar großes Potenzial mit, machen aber auch Fehler und unterliegen Leistungsschwankungen.

Die Idee dahinter: Talente entwickeln, gewinnbringend verkaufen und mit den Einnahmen einen immer stärkeren Kader aufbauen.

Und sich irgendwann auch den Luxus erlauben können, attraktive Angebote abzulehnen. Wie zuletzt bei Mohamed Ali Zoma.

Durch millionenschwere Spielerverkäufe gewann der Club erheblichen finanziellen Handlungsspielraum. Allerdings waren nicht alle dieser Transfers auf Chatzialexious eigene Verpflichtungen zurückzuführen.

Dass dieser Weg nicht ohne Rückschläge verlief, zeigte der chaotische Transfersommer 2025. Zahlreiche Spieler kamen und gingen, wichtige Verstärkungen wurden erst spät verpflichtet und längst nicht jede Verpflichtung erwies sich als Verstärkung – insbesondere im Sturmzentrum. Es folgte der schlechteste Saisonstart der Nürnberger Zweitligageschichte.

Doch Chatzialexiou schien daraus gelernt zu haben.

Ein Jahr später wurden wichtige Neuzugänge wie Fynn Otto und Alexios Kalogeropoulos frühzeitig verpflichtet. Der Kader wurde weitestgehend zusammengehalten und der FCN legte einen deutlich besseren Saisonstart hin.

Auch in der Breite scheint die Mannschaft inzwischen besser aufgestellt. Zwar sind Ausfälle von Unterschiedsspielern wie Zoma oder Finn Becker kaum vollständig aufzufangen. Doch gerade die erste Elf dürfte qualitativ zu den stärksten der Liga gehören.

Wie gut dieser Kader tatsächlich ist und ob er den FCN dauerhaft in der Spitzengruppe etablieren kann, muss sich allerdings erst im weiteren Saisonverlauf zeigen.

Nachwuchsförderung mit Licht und Schatten

Neben externen Talenten rückte auch die Förderung des eigenen Nachwuchses stärker in den Fokus.

Allein 2025 feierten fünf Spieler aus dem ClubNachwuchs ihr Profidebüt. Die Verzahnung zwischen Nachwuchs und Profis wurde weiter vorangetrieben, etwa durch die Doppelfunktion von Dominik Tekeser als U23-Co-Trainer und Übergangskoordinator.

Allerdings gelang es Chatzialexiou nicht, den langjährigen Nachwuchschef Michael Wiesinger zu halten, der die erfolgreiche Jugendarbeit des FCN über Jahre maßgeblich geprägt hatte.

Denn diese begann nicht erst mit Chatzialexiou. Er baute auf vorhandenen Strukturen auf und entwickelte sie weiter.

Wie Chatzialexiou den sportlichen Bereich umbaute

Doch nicht nur bei der Nachwuchsförderung, sondern auch beim Scouting wollte Chatzialexiou neue Maßstäbe setzen.

Ein zentrales Thema: Daten.

Mit der Kooperation mit Jamestown Analytics gelang Chatzialexiou ein besonderer Coup. Dadurch kann der Club weltweit deutlich mehr Spielerprofile analysieren und Talente entdecken, die im klassischen Scouting möglicherweise übersehen würden.

Die Verpflichtung von Mohamed Ali Zoma aus der italienischen Serie C steht beispielhaft für diesen Ansatz.

Doch Daten allein reichen bei der Bewertung von Spielern nicht aus. Auch die Persönlichkeit und der Charakter möglicher Neuzugänge sollten berücksichtigt werden. Mit Matthias Wallenwein holte Chatzialexiou dafür zusätzliche Expertise in den Bereichen Recruitment und Kaderplanung.

Überhaupt stellte Chatzialexiou den sportlichen Bereich personell grundlegend neu auf. So trennte er sich 2025 von Sportdirektor Olaf Rebbe.

Christopher Schindler übernahm später die Scouting-Leitung, Florian Dörfler brachte Erfahrung vom FC Bayern und Arsenal mit, Michael Bischof wurde Technischer Direktor.

Dabei war Chatzialexiou auch seine langjährige DFB-Vergangenheit anzumerken. Er nutzte sein großes Netzwerk im deutschen Fußball, etwa bei Personalentscheidungen im Nachwuchsbereich.

Hinzu kamen Investitionen in den Athletikbereich, die sportpsychologische Betreuung und Ernährung sowie die Infrastruktur – unter anderem mit einem neuen Kraftraum und modernisierten Kabinen.

Kaum ein Bereich des sportlichen Umfelds blieb in diesen gut zwei Jahren unangetastet.

Was von Chatzialexious Arbeit bleibt

Natürlich war nicht jede Entscheidung erfolgreich. Der misslungene Saisonstart 2025, die hohe Fluktuation im Kader, nicht immer erfolgreiche Leihgeschäfte und eine teilweise undurchsichtige oder widersprüchliche Kommunikation gehören ebenso zu seiner Bilanz wie die lukrativen Transfers und die jüngste sportliche Entwicklung.

Und auch das Modell mit jungen Spielern birgt Risiken. Denn wer regelmäßig seine besten Spieler verkauft, muss ständig neue Leistungsträger entwickeln. Dass Leihspieler nicht immer wie erhofft einschlugen und auch verliehene Talente nicht durchweg den gewünschten Entwicklungsschritt machten, zeigte zusätzliche Grenzen dieser Strategie auf.

Trotzdem lässt sich festhalten: Chatzialexiou hinterlässt beim FCN weit mehr als einen Kader mit großem Potenzial.

Er hat Strukturen verändert und einen Weg geprägt, der die Entwicklung junger Spieler zur Grundlage für sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg machen soll.

Gerade die Veränderungen abseits des Platzes könnten sich langfristig als seine wertvollste Hinterlassenschaft erweisen. Ob sie tatsächlich nachhaltig funktionieren und der FCN auch ohne ihn davon profitieren kann, wird sich allerdings erst nach seinem Abschied zeigen.

Gleichzeitig hat aber nicht nur der FCN von Chatzialexiou profitiert, sondern auch er selbst von seiner Zeit in Nürnberg. Schließlich war es seine erste Station als Sportvorstand. Hier konnte er Erfahrungen sammeln, Fehler machen und daraus lernen. Ein Spielraum, den er bei einem ambitionierten Bundesligisten wie Eintracht Frankfurt wohl nicht mehr in diesem Maße bekommen wird.

Der Abgang von Joti Chatzialexiou ist unter dem Strich ein schmerzlicher Verlust für den FCN. Aber wenn seine Aufbauarbeit nachhaltig war, muss er nicht zwangsläufig einen sportlichen Rückschritt bedeuten.