Eckballgegentore
Beim 1. FC Nürnberg läuft in der bisherigen Spielzeit vieles richtig gut. Der FCN bringt seine Stärken regelmäßig auf den Platz. Sucht man nach Schwächen, kommt man allerdings um die Thematik ruhender Bälle kaum herum. Zumindest, wenn man das Spiel gegen den VfL Wolfsburg als Analysegrundlage heranzieht.
Drei der vier Gegentore beim 4:4-Spektakel resultierten aus gegnerischen Eckbällen. Gab es das überhaupt schon einmal? Ja – vor gar nicht allzu langer Zeit. In der Saison 2021/22 war der FCN lange auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen. Am 31. Spieltag gastierte der SV Sandhausen im Max-Morlock-Stadion.
Der Club verlor zu Hause mit 2:4, damals resultierten sogar alle vier Gegentreffer aus Eckbällen. Mit einem Sieg wäre der FCN bis auf einen Punkt an den Aufstiegsrelegationsplatz herangerückt. Stattdessen war es der Auftakt eines schwachen Saisonendspurts, an dessen Ende der achte Tabellenplatz stand. Diesmal ist die tabellarische Situation nach wie vor sehr gut – und dennoch waren die ruhenden Bälle beim Club anschließend natürlich ein Thema.
Kein strukturelles Problem
„Da war viel Pech dabei. Das gehört im Fußball natürlich auch dazu“, nahm Trainer Miroslav Klose mit ein paar Tagen Abstand dazu Stellung. Ein grundsätzliches Problem scheint er dabei nicht zu sehen: „Wenn du den Ball den Kopf bekommst, glaube ich nicht, dass das etwas mit der Struktur zu tun hat.“
Dennoch betonte er, dass man die Situationen analysiert und intern aufgearbeitet habe. „Deswegen heißt es interne Aufarbeitung und es bleibt intern“, wollte er die Ergebnisse der Analyse allerdings nicht öffentlich machen.
Was sagen die Zahlen?
Blickt man auf die Statistiken, gehört das Verteidigen von Standardsituationen jedenfalls nicht zu den Stärken der Franken. Sechs Gegentore musste man nach ruhenden Bällen bereits hinnehmen – Ligahöchstwert. Anteilig sind es sogar 60% aller Gegentreffer, die daraus resultierten – ebenfalls Ligahöchstwert.
Auch die offiziellen Bundesliga-Statistiken, die messen, um wie viel Prozent gefährlicher oder ungefährlicher gegnerische Freistöße und Eckbälle im Vergleich zum Ligadurchschnitt sind, zeichnen ein eindeutiges Bild. Bei beiden Parametern rangiert der Club auf dem vorletzten Platz, jeweils nur vor Eintracht Braunschweig. Gegnerische Freistöße sind demnach durchschnittlich um 48% gefährlicher als im Ligamittel, gegnerische Eckbälle sogar um 42%.
Auch wenn es noch früh in der Saison ist und bei manchen Gegentoren tatsächlich Pech im Spiel gewesen sein dürfte, gibt es für den FCN diesbezüglich Verbesserungspotenzial. Im Idealfall zeigen sich bereits am Freitagabend in Cottbus Fortschritte. Schließlich hat der Drittligaaufsteiger mit 55 Eckbällen bislang die meisten der 2. Bundesliga herausgeholt.


