„Gegenteil von Konstanz“: Oliver Kahn beschreibt Problem, das auch den FCN betrifft

Auch Miroslav Klose äußerte sich bereits zu diesem Dauerthema beim 1. FC Nürnberg.

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Foto: Steffen Prößdorf, 2022-07-30 Fußball, Männer, DFL-Supercup, RB Leipzig - FC Bayern München 1DX 3172 by Stepro, CC BY-SA 4.0

Dauerthema beim FCN

Es ist ein Thema, das den 1. FC Nürnberg schon länger begleitet und das Miroslav Klose sogar öffentlich bei Sky ansprach: „Man kann sich hier nicht ein bisschen was aufbauen“, sagte der 47-Jährige im Februar – kurz vor seiner Vertragsverlängerung – mit Blick auf die vielen Transferbewegungen beim FCN: „Wir brauchen ein Fundament und wir müssen versuchen, die Spieler zusammenzuhalten. Nur dann gibt es Struktur und Klarheit, sonst haben wir zu viele Wechsel drin“, war dies durchaus als Kritik in Richtung Sportvorstand Joti Chatzialexiou zu verstehen.

Kahn beschreibt Problem: „Gegenteil von Konstanz“

Auch wenn dieser Konflikt im Zuge Kloses Vertragsverlängerung ausgeräumt scheint, beschäftigt dieser das Umfeld des Vereins weiterhin. Die Frage steht im Raum: Befindet sich der Club sieben Jahre nach dem Bundesligaabstieg weiterhin im Niemandsland der 2. Bundesliga, weil Jahr für Jahr große Teile des Kaders ausgetauscht werden?

Interessanterweise äußerte sich Torwartlegende Oliver Kahn jüngst bei Sky90 zu einer ähnlichen Problematik: „Wenn ich andauernd durchwechseln muss, meine besten Spieler verkaufen muss, wieder einen neuen Kader aufbauen muss – das ist ja eigentlich das Gegenteil von Konstanz. Da wird es dann wahnsinnig schwer eine Spitzenmannschaft zu entwickeln, geschweige denn sie dann auch zu halten“, sagt der 56-Jährige zwar nicht über den 1. FC Nürnberg, sondern über RB Leipzig. Die Ausgangslage ist dort zwar eine völlig andere, das von Kahn angesprochene Grundproblem jedoch vergleichbar – und lässt sich in Teilen auch auf den FCN übertragen.

Konstanz als Vorteil – aber schwer umsetzbar

Für Kahn ist es „Erfolgsfaktor Nummer eins“, einen Kader über längere Zeit zusammenzuhalten, um große Ziele erreichen zu können. Gleichzeitig weist der ehemalige Torhüter und Vorstand des FC Bayern München darauf hin, dass sich dies in Deutschland nur wenige Vereine leisten können:

„Es gibt im Grunde in der Fußballbundesliga nur eine Mannschaft, die sich leisten kann, ihren Kader langfristig zu finanzieren und nicht darauf angewiesen ist, immer wieder Spieler verkaufen zu müssen. Das bedeutet natürlich Konstanz und Kontinuität, die ich dann im Kader habe. Das ist das, was dann irgendwann den Ausschlag gibt.“

Heißt: Bis auf den FC Bayern ist nahezu jeder Verein darauf angewiesen, regelmäßig Spieler zu verkaufen und den Kader neu zusammenzustellen. Umso mehr gilt das für die 2. Bundesliga, wo aktuell aber mehrere Teams zeigen, dass auch größere Umbrüche nicht zwangsläufig gegen den Erfolg sprechen müssen – etwa Schalke 04, Hannover 96 oder die SV Elversberg, die jeweils aus unterschiedlichen Gründen Veränderungen im Kader vorgenommen haben – und nun mit vielen Neuzugängen um den Aufstieg kämpfen.

Dass ein eingespielter Kader grundsätzlich ein Vorteil ist, steht dennoch außer Frage. In der Realität ist das für viele Vereine jedoch nur schwer umzusetzen – insbesondere für den 1. FC Nürnberg, dessen Geschäftsmodell maßgeblich darauf basiert, junge Talente zu entwickeln und gewinnbringend weiterzuverkaufen.