Unruhe
Konträr zum nahezu perfekten Saisonstart des 1. FC Nürnberg verliefen die letzten Wochen und Monate von Hannover 96. Die Niedersachsen verspielten in den letzten Wochen – unter anderem durch das 3:3 gegen den FCN am letzten Spieltag der Vorsaison – ihre Platzierung unter den Top 3 der 2. Bundesliga.
Im Sommer verlor man mit unter anderem Noel Aseko, Enzo Leopold und Daisuke Yokota zudem wichtige Leistungsträger, die man bislang nicht ersetzen konnte. Dass man erst vier Punkte auf dem Konto hat – und schon jetzt wahnsinnige Unruhe rund um den Verein herrscht –, ist eine der Folgen.
Unter Wert geschlagen?
Die Ausbeute des Nürnberger Gegners am Freitagabend trügt jedoch. In der Vorwoche trennte sich 96 mit 2:2 vom Karlsruher SC. Gästecoach Maximilian Senft bezeichnete Hannover nach dem Spiel als „die beste Offensivmannschaft der Liga“, wenngleich er aufgrund der finanziellen Voraussetzungen den VfL Wolfsburg ohnehin für unvergleichbar mit dem Rest hält. Senft spricht bei 96 von „einer sehr, sehr guten kollektiven Ballbesitzidee“, die allerdings einen hohen Aufwand im Spiel gegen den Ball benötigt.
Trotz der Aussagen des KSC-Trainers steht Hannover bis hierhin erst bei vier erzielten Toren. Kurioserweise verzeichnet man mit über neun Expected Goals nach Wolfsburg aber den zweithöchsten xG-Wert der 2. Bundesliga. Bislang benötigt man allerdings unglaubliche 19 Abschlüsse für ein Tor. Zum Vergleich: Der FCN benötigt bislang lediglich fünf Schüsse pro Treffer.
Detailarbeit
Nach Nürnberg reist in jedem Fall ein Team, das sich ähnlich wie der FCN über eine hohe Spielstärke definiert. Nicht zufällig spielt Hannover bis hierhin die meisten Pässe der Liga. Dabei verfügt man über verschiedene Abläufe im Ballbesitz, um Dynamik zu entwickeln.
Ein wiederkehrendes Muster sind die Tiefenläufe aus dem Halbraum, wenn der Ball am Flügel ist. So sucht man entweder den geradlinigen Ball in die Tiefe oder öffnet je nach Gegnerverhalten Räume im Zentrum. Ähnliches versucht auch der FCN im letzten Drittel.
Auch im Aufbau agiert Hannover sehr flexibel und mit vielen Positionsrochaden. Zuletzt spielte beispielsweise mit Marcel Hartel ein gelernter Mittelfeldspieler als Stürmer, um das Mittelfeld zu überladen. Mit Benedikt Pichler und Benjamin Källman stehen aber auch zwei gelernte Mittelstürmer zur Verfügung, die womöglich gegen den Club beginnen könnten.
Schließlich ist davon auszugehen, dass der FCN erneut im Mann-gegen-Mann zustellen wird. Wie gut man bei den unterschiedlichen Angriffsmustern Hannovers die Tiefe sichern kann und inwieweit die Zuordnungen hierbei stimmen, dürfte aus Sicht der Klose-Elf entscheidend werden.
Zoma als Matchwinner?
Dass Mohamed Ali Zoma in der vergangenen Saison einmal im Hinspiel gegen Hannover und zweimal im Rückspiel traf, dürfte kein Zufall sein. Die Mannschaft von Christian Titz presst sehr hoch und bietet auch nach Ballverlust Räume an.
Zwar lief man zuletzt auch mal mit einem Spieler in Unterzahl vorne an, um den Gegner auf eine Seite zu lenken und gleichzeitig hinten abgesichert zu sein. Dennoch dürften sich Räume in der Tiefe für den linken Flügelspieler des Clubs auftun.
Auffällig ist auch, wie groß die Probleme des Tabellenvierten der Vorsaison nach Hereingaben sind. Bis hierhin führen 40 Prozent der gegnerischen Flanken zu einem Abschluss – mit Abstand Ligahöchstwert.
Richtungsweisend?
Am fünften Spieltag sind Prognosen für den weiteren Saisonausgang sicherlich noch verfrüht. Und dennoch könnte die Partie für beide Teams die Richtung zumindest für die kommenden Wochen vorgeben.
Immerhin könnte der 1. FC Nürnberg bei einem Sieg den Vorsprung auf einen Konkurrenten auf neun Zähler ausbauen, die eigene Euphorie weiter befeuern und Hannover in eine richtige Krise schießen. Anderenfalls könnte der Gast den Abstand auf nur drei Zähler verkürzen.
Es ist in jedem Fall davon auszugehen, dass beide Mannschaften ihr Heil vor allem in der Offensive suchen werden.


